Zuschuss für Tafeln: "Nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein"

Stand: 04.01.2023 21:21 Uhr

Immer mehr Bedürftige, massiv steigende Energiekosten: Die 130 Tafeln in Mecklenburg-Vorpommern stehen unter enormem Druck. Das Land will jede Einrichtung nun mit 2.500 Euro unterstützen - viel zu wenig, meinen Vertreter der Tafeln.

Vertreter der 130 Tafeln in Mecklenburg-Vorpommern halten den vom Land angekündigten Zuschuss in Höhe von 2.500 Euro für nicht ausreichend. Das sei nicht einmal ein Tropfen auf den heißen Stein, sagte der Bürgermeister von Lalendorf (Landkreis Rostock), Karl-Heinz Stiewe (CDU), NDR MV Live. "Ich musste wirklich in den letzten Tagen darüber lachen, als ich die Summe gehört habe, die das Land den einzelnen Tafeln zur Verfügung gestellt hat." 2.500 Euro sei in etwa der Betrag, den die Gemeinde der Tafel als Miete erlasse.

Tafel Lalendorf: Kein Strom, kein Wasser, keine Toiletten

Bei der Tafel in Lalendorf sind die Arbeitsbedingungen besonders problematisch. Seit 22 Jahren ist die Tafel in einem Raum ohne Strom, ohne Wasser, ohne Toiletten und mit Rissen in der Wand untergebracht. Im Winter hängt auch schon einmal Eis an der Decke. Doch es gibt eine Lösung: Die Gemeinde stellt der Tafel kostenlos eigene Räumlichkeiten zur Verfügung. Lokale Unternehmer übernehmen die Betriebskosten.

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Drei Frauen stehen in Wintermänteln vor einem Bus mit der Aufschrift "Mobile Tafel". © NDR

Tafeln stehen nach Krisenjahr 2022 unter enormem Druck

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Tafel Parchim: 200 Bedürftige mehr

Nach Aussage des Landesverbands der Tafeln hat sich der Anteil der Bedürftigen im vergangenen Jahr um 40 Prozent erhöht. Hinzu kommen massiv gestiegene Energiekosten, die die Tafeln stemmen müssen. Dieser Trend ist auch bei der Tafel in Parchim zu erkennen. "Wir merken das hier - 200 sind das, die wir mehr haben", sagte Günter Schulze von der Tafel Parchim NDR MV Live. "Das Problem ist, dass nicht mehr Lebensmittel zur Verfügung stehen." Das habe schon einmal dazu geführt, dass rund 40 Nutzer der Tafel ohne Lebensmittel wieder nach Hause geschickt werden mussten, so Schulze. "Das tut natürlich weh. Aber was nicht ist, kann man nicht verteilen."

Tafel Greifswald: Viele Flüchtlinge aus der Ukraine

Die Zahl der Hilfesuchenden hat sich auch in Greifswald enorm entwickelt. Sie sei von etwa 650 zu Jahresbeginn auf rund 1.100 gestiegen, erklärte Walter Kienast, Vorstandsvorsitzender der Tafel der Stadt, bei NDR MV Live. Flüchtlinge aus Ukraine machten den Großteil der neuen Nutzer aus. Aber auch andere Ausländer seien hinzugekommen. Auch Vollbeschäftigte mit geringem Lohn kämen zur Greifswalder Tafel, so Kienast. Deren Anteil sei im vergangenen Jahr aber in etwa konstant geblieben.

Von der Politik im Stich gelassen

Auch bei der Greifswalder Tafel werden die Lebensmittel hin und wieder knapp. Die Mehrarbeit sei dank es großen Engagements der 30 Helfer geschafft worden. Allerdings mussten die Rationen etwas verringert werden. Zum Zuschuss des Landes sagt Kienast: "Die 2.500 Euro, die nehmen wir gerne. Aber das ist nicht der große Wurf." Kienast fühlt sich von der Politik im Stich gelassen. Und: Es hapere an der Kommunikation zwischen dem Land und den Tafeln. "Da wird einfach gesagt: Dann geht erstmal zur Tafel und holt Euch da was ab."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern | 04.01.2023 | 14:00 Uhr

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