Stand: 19.12.2018 05:47 Uhr

Üppiges Honorar: DRK MV in Erklärungsnot

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

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Ein hohes Vortragshonorar bringt DRK-Landesverband von Mecklenburg-Vorpommern in Erklärungsnot.

Ein üppiges Vortragshonorar bringt den DRK-Landesverband in Erklärungsnot und liefert neuen Stoff für den Untersuchungsausschuss des Landtages zum Finanzgebaren der Sozialverbände. Nach Informationen von NDR 1 Radio MV hat das DRK dem bundesweit bekannten Psychiater und Hirnforscher Prof. Manfred Spitzer für einen Vortrag in Wismar 9.520 Euro bezahlt. Spitzer referierte im September 2014 im Bürgersaal vor mehr als 100 Erzieherinnen unterschiedlicher Träger. Die Veranstaltung zum Thema Sprachförderung bei Kindern dauerte insgesamt fünf Stunden, das DRK zahlte demnach einen Stunden-Satz von knapp 2.000 Euro - fast so viel wie das damalige Monatsgehalt einer gerade ausgebildeten DRK-Erzieherin in Vollzeit.

LAGuS: Honorar übersteigt die üblichen Sätze

Der DRK-Landesverband wollte die Referenten-Kosten nicht selbst übernehmen, sondern hat versucht, sie beim Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGuS) abzurechnen. Der Vortrag galt als Abschluss eines Modellprojekts "BASICK - Begleitung alltagsintegrierter Sprachförderung in Kitas". Die Prüfer des LAGuS kamen aber zu dem Schluss, dass die Höhe des Honorars die üblichen Sätze übersteigt und erkannten nur 1.000 Euro als förderfähig an. Das DRK blieb dennoch nicht auf den Kosten sitzen. Für die Veranstaltung mit Spitzer erhob der Verband eine Teilnehmer-Gebühr, für jede Erzieherin wurden den Trägern 75 Euro berechnet. Insgesamt kam so nach den Rechnungsunterlagen eine Summe von 9.975 Euro zusammen.

Vortrag indirekt durch Steuern finanziert

Offenbar erfolgte dadurch zumindest indirekt eine Finanzierung des Vortrags durch Steuermittel. Denn die beteiligten Träger von AWO und Diakonie, Caritas und etlichen freien Einrichtungen können Fortbildungskosten über die Entgelt-Verhandlungen mit den Jugendämtern abrechnen. Das Sozialministerium teilte auf Anfrage mit: "Insofern können diese Kosten (...) auf die Beiträge umgelegt bzw. u.a. durch die Leistungen des Landes an die Landkreise im Rahmen des Kindertagesstätten-Förder-Gesetzes refinanziert werden."

DRK rechtfertigt Honorar

Auf Anfrage hat das DRK die Höhe des Honorars verteidigt. "Prof. Dr. Manfred Spitzer konnte bei dieser Fachtagung über wichtige Forschungsaspekte berichten", so Rote-Kreuz-Landesgeschäftsführer Jan-Hendrik Hartlöhner. Sein internationales Renommee und seine Expertise seien "unbestritten", denn seine Forschungsergebnisse zur Sprachentwicklung und zum Einfluss der Digitalisierung auf Kinder und Jugendliche seien maßgeblich bei der Entwicklung von Lern- und Ausbildungskonzepten.

Vortrag als "Highlight" der Veranstaltung

Man habe sich für Spitzer als Referenten entschieden, weil er einen "Mehrwert" für die Teilnehmer erwarten ließ. Diese Erwartungen hätten sich voll erfüllt, in mehr als 90 Prozent der Feedbackfragebögen hätten die Teilnehmer die hohe Praxisrelevanz bestätigt. Außerdem sei es für die Erzieherinnen ein "Highlight" und eine Würdigung gewesen, sich direkt mit einem Spitzenforscher austauschen zu können.

DRK: Lange Anfahrt für Referent

Die Frage, warum versucht wurde, zusätzlich zu den Teilnehmer-Gebühren das Honorar beim Land abzurechnen, ließ Hartlöhner unbeantwortet. Offen blieb auch, warum das DRK die Vortragskosten durch die Teilnehmer-Gebühren aus öffentlichen Kassen refinanzierte. Eine DRK-Sprecherin sagte mit Blick auf die Höhe des Honorars, immerhin habe Spitzer für die Anfahrt- und Abreise nach Wismar jeweils zehn Stunden aufgebracht.

Anreise von Hiddensee, nicht aus Süddeutschland

Diese Darstellung erscheint allerdings zweifelhaft. Denn in seiner Rechnung an den Rotkreuz-Landesverband macht Spitzer, der im baden-württembergischen Ulm lehrt, nur Fahrtkosten in Höhe von 69,80 Euro geltend. Offenbar reiste er nicht aus Süddeutschland an, sondern von der Ferieninsel Hiddensee. Er gab Kosten für das Wassertaxi von Hiddensee nach Schaprode und für die folgende Fahrt mit dem eigenen PKW (191 Kilometer) nach Wismar an. Das ist jedoch - anders als vom DRK behauptet - deutlich unter zehn Stunden zu schaffen.

Kritik von der Linksfraktion

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Torsten Koplin (Die Linke) kritisiert die Höhe des Honorars (Archiv-Bild).

Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) wollte sich auf Anfrage nicht zu den Honorar-Leistungen des DRK äußern. Ihr Sprecher lobte die eigene Prüfbehörde, das LAGuS. Das habe eine Übernahme der Referenten-Kosten verweigert, "absolut korrekt" sei das gewesen. Alles andere sei Sache des DRK-Landesverbandes. Die Linksfraktion sieht das anders. Auf Anfrage erklärte der Sozialexperte Torsten Koplin, die Höhe des Honorars sei nicht angemessen. "Das sind eigentlich Entgelte, die bei Banken für Vortragende gezahlt werden, nicht aber in der Wohlfahrt." Koplin ist Mitglied im Untersuchungsausschuss zur Finanzierung der Sozialverbände. Er kündigte an, die Sache "auf alle Fälle" dort zum Thema zu machen. Beweisanträge und Zeugenbefragungen könnten vielleicht Weiteres zu Tage fördern. Insbesondere müsse geklärt werden, so Koplin, ob die Kosten am Ende doch der Steuerzahler übernommen habe.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 19.12.2018 | 07:00 Uhr

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