Stand: 04.03.2020 09:55 Uhr

Totes Baby in Rostock: Mutter verurteilt

Blumen, Kerzen und Plüschtiere stehen an einer Stelle am Straßenrand in Rostock, wo ein toter Säugling gefunden wurde. © dpa-Bildfunk Foto: Bernd Wüstneck
Eine Passantin hatte das leblose Baby an einer Straße im Nordwesten Rostocks gefunden. (Archivbild)

Wegen der Tötung ihres neugeborenen Kindes hat das Landgericht Rostock eine 26-jährige Frau zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Die Richter befanden die Angeklagte am Mittwoch des Totschlags für schuldig. Die Mutter hatte im Mai vergangenen Jahres nachts allein in Rostock-Lichtenhagen ihr Baby zur Welt gebracht und es abgelegt. Das Baby verstarb später an einer Unterkühlung.

Überfordert bei Alltagsaufgaben

Das psychologische Gutachten zeichnet ein differenziertes Bild einer jungen Frau, die als Einzelkind in einem materiell gesicherten, behüteten Elternhaus aufgewachsen sei. Die Frau habe ein vertrauensvolles Verhältnis zu ihren Eltern gehabt. Allerdings seien diese oft an Grenzen gestoßen, wenn es darum ging, sie an Aufgaben im Alltag heranzuführen, etwa im Haushalt zu helfen oder aufzuräumen.

Intelligenzminderung und Verhaltensstörungen

Bei der 26-Jährigen wurde früh ein Förderbedarf festgestellt. Sie habe aber auf einer Förderschule ihren Abschluss und anschließend eine Ausbildung als Beiköchin machen können. Die Sachverständige sprach von einer Intelligenzminderung der Angeklagten, die mit bestimmten Verhaltensstörungen einhergingen. Sie verstehe vieles nicht, vor allem, wenn es um komplexe Zusammenhänge gehe. Damit gehe eben auch die Tötung einher. Die Angeklagte habe die Schwangerschaft verdrängt, verleugnet, erst im Moment der Presswehen habe sie realisiert, dass sie ein Kind zur Welt bringt.

Angeklagte oft überschätzt

Trotz der geminderten Intelligenz könne sie sich verbal gut äußern, weswegen man sie oft überschätze. Die Angeklagte könne Beziehungen eingehen, sei empathisch. Freunde vor Gericht beschrieben sie auch als hilfsbereit, großzügig, immer nett. Doch ein Mitarbeiter des Jugendamtes und ihre rechtliche Betreuerin sagten, dass sie im Alltag überfordert gewesen sei und vor allem Angst um ihr erstes Kind hatte. Der Vater habe immer wieder gedroht, ihr das Sorgerecht zu entziehen. Die Angeklagte stand offenbar unter immensem Druck. Der Prozess fand zum Schutz der Privatsphäre der Angeklagten weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Weitere Informationen
Landgericht Rostock © dpa/ Picture-Alliance

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Der Tag | 04.03.2020 | 10:00 Uhr

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