Die Expeditionsjacht "Crystal Endeavor" legt in Stralsund zu einer Testfahrt ab. © dpa-Bildfunk Foto: Stefan Sauer

Stralsund: Luxus-Jacht "Crystal Endeavor" legt zu Testfahrt ab

Stand: 05.03.2021 10:58 Uhr

Das in Stralsund gebaute Expeditions-Kreuzfahrtschiff "Crystal Endeavor" ist zu einer ersten Testfahrt aufgebrochen - ein Zeichen der Hoffnung für die um die Finanzierung ihrer Schiffe bangenden MV-Werften und den Standort Stralsund

Das Schiff legte am Freitagmorgen mit Hilfe zweier Schlepper vom Ausrüstungskai des Stralsunder Standortes der MV-Werften ab. Drei Tage soll die weltgrößte Großjacht mit Eisklasse unter realen Bedingungen getestet werden. Antriebsanlage, Steuerung, Navigation kommen nach Werftangaben auf den Prüfstand. Dafür wird die "Crystal Endeavor" zunächst mit Schleppern in Richtung Greifswalder Bodden gezogen, dann geht es weiter in tiefere Gewässer zwischen Rügen und Bornholm.

Schiff zu 90 Prozent fertig - Luxuriöser Innenausbau steht an

Eine weitere Probefahrt ist im April geplant. Bis dahin sei der wegen der luxuriösen Ausstattung besonders aufwendige Innenausbau nahezu abgeschlossen, sagte ein Unternehmenssprecher. Das 164 Meter lange Schiff mit 100 Kabinen sei zu mehr als 90 Prozent fertig. Die Expetitionsjacht war im August 2018 auf Kiel gelegt worden und ist das erste von zwei Expeditions-Kreuzfahrtschiffen, deren Bau in Stralsund geplant war.

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Pandemie wirbelt Pläne der MV-Werften durcheinander

Eigentlich sollte die "Crystal Endeavor" schon seit vergangenem Jahr auf den Weltmeeren unterwegs sein, doch die Corona-Pandemie durchkreuzte die Pläne. Der zusammengebrochene Kreuzfahrtmarkt hat sich auch auf die MV-Werften und den Mutterkonzern Genting ausgewirkt. Derzeit wird über die Zukunft der Werftengruppe verhandelt. Sie braucht Kapital vom Bund und hat massive Umstrukturierungen angekündigt: Mehr als ein Drittel der insgesamt 3.000 Arbeitsplätze soll gestrichen werden. Dagegen hatte es Proteste gegeben. Laut Gewerkschaft sollen die Verhandlungen über den Stellenabbau Mitte März abgeschlossen sein. Dann soll feststehen, wie viele Schiffbauer wirklich gehen müssen. Mit Hilfe von staatlichen Kreditbürgschaften soll die Fertigstellung der Schiffe und der Erhalt der Werften gewährleistet werden.

Stralsund will MV-Werften Flächen abkaufen

Als besonders gefährdet gilt der Standort in Stralsund. Wie jüngst bekannt wurde, laufen Verhandlungen zwischen der Stadt Stralsund und dem Genting-Konzern über den Kauf von Werftflächen in Stralsund durch die Stadt. Es geht um ein rund drei Hektar großes Areal für das als Kaufpreis zehn Millionen Euro im Gespräch sind. Dies könne eine Liquiditätshilfe für den Konzern sein, so Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU).

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Die Hansestadt Stralsund verhandelt mit dem Eigentümer der MV-Werften, dem asiatischen Genting-Konzern, über den Ankauf der Werftfläche. Es geht um rund drei Hektar an der Kaikante für 10 Millionen Euro. Seit Ende vergangenen Jahres laufen die Verhandlungen. Darüber hat Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) die Mitglieder der Bürgerschaft informiert.

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Bürgerschaft muss über den Kauf entscheiden

Die 10 Millionen Euro sind nämlich Bestandteil des Stralsunder Investitionshaushaltes für dieses Jahr. Badrow betonte, es gehe ausdrücklich nur um den Flächenankauf, nicht um den Kauf der Werft selbst. Er sprach von einer kleinen Liquiditätshilfe für die angeschlagene Werftengruppe.

Sollte es zum Vertragsabschluss kommen, dann will Stralsund die Fläche an Genting und bislang ungenutzte Bereiche der Werft an andere Interessenten verpachten. Dafür muss jedoch die Bürgerschaft Stralsund dem Haushaltsentwurf der Verwaltung zustimmen. Die Vorlage wurde zunächst zur Beratung in die Ausschüsse verwiesen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 05.03.2021 | 11:00 Uhr

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