Stand: 15.06.2020 18:00 Uhr

Spitzensport in MV soll zwei Millionen Euro bekommen

von Stefan Leyh
Jens Putzier, Vereinschef der Rostock Griffins, schaut auf ein leeres Stadion.
Keine Einnahmen und keine Planungssicherheit: Vereinschef Jens Putzier spricht offen über die Finanznot der Rostock Griffins.

Die Spitzensportvereine aus Mecklenburg-Vorpommern werden durch Zuschüsse aus dem Sozialfonds des Landes finanziell unterstützt. Das hat die für den Sport zuständige Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) zugesichert. Insgesamt zwei Millionen Euro würden bereitgestellt, um dem Spitzensport zu helfen, so die Politikerin im Interview mit dem NDR-Nordmagazin. Damit soll den Vereinen das Überleben in der Coronakrise erleichtert werden. Wie hoch der Zuschuss im Einzelfall sein werde, richte sich nach den jeweiligen Etats der Clubs in der abgebrochenen bzw. jetzt noch laufenden Saison. Festgelegt sei dabei, dass die Drittliga-Fußballer des FC Hansa Rostock einen Beitrag von maximal 600.000 Euro auf dem Topf bekommen könnten. Wann die Unterstützung ausgezahlt werden kann, ist noch nicht klar. Derzeit werde abgestimmt wie das Antragsverfahren aussehen könne, so die Ministerin.

VIDEO: Spitzensport-Vereine kämpfen um Zuschüsse (6 Min)

Keine Planungssicherheit wegen Corona-Pandemie

Am zurückliegenden Wochenende wäre ihr Spiel des Jahres gewesen. Bis zu 7.000 Zuschauer erwartete Jens Putzier gegen die Berlin Adler im Ostsee-Stadion. Putzier ist Vereinschef der Rostock Griffins, einem American Football-Klub. Doch die Corona-Pandemie hat ihm und seiner Sportart, die zuletzt immer mehr Anhänger in Rostock fand, einen herben Stoß verpasst. "Wir reden in etwa von einem Drittel unseres Etats, der ausgefallen ist", sagt Putzier, "es ist das Ticketing, das komplett weggefallen ist, das Sponsoring, wo wir ein Drittel Verluste hinnehmen mussten, und die Fanartikel, die an Spieltagen normalerweise extrem nachgefragt sind." Keine Spiele, keine Einnahmen, keine Planungssicherheit. Die Pandemie droht vieles von dem, was in den vergangenen Jahren in Rostock gewachsen ist, einzureißen.

Sportvereine landesweit in Schwierigkeiten

Wie den Footballern geht es vielen Vereinen in Mecklenburg-Vorpommern. Sie leben von Zuschauereinnahmen und dem Sponsoring. Ohne Veranstaltungen haben sie keine Einnahmen, sind aber dennoch gezwungen, teils hohe Versicherungsbeiträge für ihre Sportler zu zahlen und die nächste Saison zu planen. Von den Regelungen zur Kurzarbeit profitieren sie kaum, denn ein Großteil ihrer Übungsleiter und Spieler ist geringfügig beschäftigt. Für sie gibt es derzeit kein Instrument, um sie finanziell aufzufangen.

Umsatzeinbußen von 3,27 Millionen Euro

In dieser Situation haben sich acht große Vereine zusammengetan, um gemeinsam für Hilfen bei der Landesregierung zu werben. Zum Bündnis "Team Sport MV" gehören große Vereine wie Hansa Rostock, der SSC Palmberg Schwerin und die Rostock Seawolves. Es sind die Handball-Drittligisten Empor Rostock, Mecklenburger Stiere und Stralsunder HV. Aber auch kleinere Klubs wie Volleyball-Zweitligist SV Warnemünde und eben die Rostock Griffins. In einem Schreiben an Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) nennen sie erstmals Zahlen, welche Umsatzeinbußen ihnen die Krise beschert hat. Für alle acht Klubs zusammen sind es 3,27 Millionen Euro - allein in dieser Saison.

Fans halten zu ihren Vereinen

Einen Teil der Ausfälle konnten die Klubs wieder einspielen, in dem sie Kosten reduziert haben oder kreativ geworden sind. Hansa Rostock etwa hatte seine Fans vor Ostern zu "Hamsterkäufen" im Fanshop aufgerufen. Die Aktion wurde ein voller Erfolg, die Anhänger kauften T-Shirts, Jacken und andere Fanartikel und brachten ihrem Verein damit 250.000 Euro Umsatz ein. Eine ausverkaufte Halle meldete der künftige Handball-Drittligist Stralsunder HV für sein Spiel gegen Corona - eine fiktive Partie, für die Fans Tickets für 10 oder 50 Euro erwerben konnten.

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Doch trotz solcher und anderer Aktionen bleiben Lücken im Etat. Etwa 50 Prozent des entgangenen Umsatzes, also gut 1,6 Millionen Euro, sind für die Vereine in dieser Saison nicht zu schließen. In der kommenden Spielzeit sind ca. 5,5 Millionen Euro aktuell noch nicht gedeckt oder nur zeitweise zu schließen, in dem der Trainings- und Geschäftsbetrieb eingestellt wird. "Corona-Schlaf" nennen die Vereine das. Doch der wäre alles andere als erholsam. Viele der geringfügig beschäftigten Übungsleiter und Spieler müssten sich etwas anderes suchen. "Wenn diese Leute einmal weg sind, bekommt man sie ganz selten zurück", sagt Michael Evers vom SSC Palmberg Schwerin, einer der Sprecher des Bündnisses. Die Folgen: Strukturen, auch im Nachwuchs könnten wegbrechen, die Zukunft des Spitzensports im ganzen Land wäre in Gefahr.

Langfristige Schäden sind wahrscheinlich

Die Lösung all dessen - normaler Spielbetrieb - ist derzeit weit weg. Noch sind sportliche Großveranstaltungen mit Publikum bis Ende August nicht möglich. Ob danach eine Saison unter regulären Bedingungen stattfinden kann, ist in allen Sportarten ungewiss. Deshalb hoffen die Vereine des Bündnisses nicht nur kurzfristig auf finanzielle Hilfen der Landesregierung. Auch für die mittel- und langfristigen Schäden der Krise, etwa durch den Rückzug von Sponsoren, müssen Lösungen her. Doch vorerst geht es für Fußballer, Handballer und Co. erst einmal darum, die Zeit ohne Einnahmen zu überstehen. Volleyball-Chef Evers drückt es klar aus: "Die Hilfe muss schnell kommen, damit die Vereine die Monate jetzt überleben, nicht erst im September. Dann kann es für den ein oder anderen Verein zu spät sein."

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Dieses Thema im Programm:

Nordmagazin | 15.06.2020 | 19:00 Uhr

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