Russisches Militärflugzeug vor Rügen - Start der Luftwaffe

Stand: 03.05.2022 16:56 Uhr

Ein russisches Aufklärungsflugzeug ist im internationalen Luftraum über der Ostsee Richtung Deutschland geflogen. Dem Bundesverteidigungsministerium zufolge hat dies die deutsche Luftwaffe alarmiert.

Demnach ereignete sich der Vorfall bereits am Wochenende: Die russische Maschine sei über der Ostsee vor Rügen identifiziert worden. Als Reaktion stiegen am Sonnabend Eurofighter vom Fliegerhorst Rostock-Laage zu einem Alarmstart auf. Die sogenannte Alarmrotte aus den zwei deutschen Maschinen habe das russische Flugzeug im internationalen Luftraum weg von Deutschland begleitet. Im Gebiet rund um Rügen hat die Bundeswehr am Montag eine einwöchige Übung begonnen.

Bundesverteidigungsministerium: "Reine Routine"

Den Einsatz vor Rügen bezeichnete ein Sprecher des Verteidigungsministeriums als "reine Routine". Es habe keinen Verstoß gegen internationale Regeln und auch keine Gefahrensituation gegeben. Die Luftwaffe habe im Zuge des Schutzes des Luftraumes der NATO-Staaten lediglich Präsenz gezeigt, so der Ministeriumssprecher. Eine Häufung vergleichbarer Einsätze der Luftwaffe sei aktuell nicht festzustellen. In den vergangenen Jahren hatten Mitgliedsländer der NATO in Europa regelmäßig fremde Militärflugzeuge abgefangen. Für das Jahr 2020 gibt das Verteidigungsbündnis rund 350 Einsätze an, bei denen russische Militärflugzeuge vor dem europäischen Luftraum abgedrängt wurden.

Experte: Flugzeug war in internationalem Luftraum

Auch Thomas Wiegold, Experte für Verteidigungs- und Sicherheitspolitik, sieht keinen Grund zur Sorge. "Das ist in der Tat Routine - und zwar von allen Seiten. Dass über der Ostsee Aufklärungsflüge des Militärs stattfinden, das macht die Bundeswehr genauso wie auch die Schweden, die Dänen und eben auch die Russen", sagte Wiegold bei NDR MV Live. Wichtig zu betonen sei, dass die Maschine nicht in den deutschen Luftraum eingedrungen ist. "Sie war im internationalen Luftraum, und diese Abfangjäger sind im Auftrag der Nato dorthin geflogen, um nachzukommen."

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Zwei Alarmrotten ständig bereit

Für solche Fälle gibt es laut Wiegold zwei Standorte in Deutschland, an denen zwei startbereite Eurofighter rund um die Uhr aufsteigen können. "Zum einen normalerweise in Wittmund in Niedersachsen. Da wird zurzeit der Flugplatz saniert. Deswegen stehen die jetzt in Laage bei Rostock." Der andere Standort einer Alarmrotte befinde sich in Neuburg an der Donau. "Wenn es etwas Ungewöhnliches gibt im deutschen Luftraum oder an der Grenze des deutschen Luftraums, dann steigt diese Alarmrotte auf. Alarmrotte deshalb, weil die innerhalb von 15 Minuten in der Luft sind, zu jeder Tageszeit, bei jedem Wetter", so Wiegold.

Alarm-Einsätze vor Rügen eher selten

Diese Abfangjäger würden meistens alarmiert, wenn es bei einem zivilen Flugzeug Probleme gebe - etwa weil der Funk ausgefallen ist und kein Kontakt zum Piloten besteht. "Aber auch, wenn eben Militärflugzeuge anderer Nationen, die nicht der Nato angehören, sich dem deutschen Luftraum und dieser NATO-Flugüberwachungszone nähern." Laut Wiegold kommt ein solcher Einsatz in der Gegend um Rügen eher selten vor. Dies sei im Baltikum jedoch ganz anders. "Dort sind praktisch täglich russische Maschinen, die von NATO-Maschinen in Augenschein genommen werden."

Dass der russische Aufklärungsflug mit der derzeit auch auf Rügen abgehaltenen Bundeswehr-Evakuierungsübung zusammenhängen könnte, hält Wiegold für eher unwahrscheinlich, ganz auusschließen wollte er es jedoch nicht. Bei der Evakuierungs-Übung "Schneller Adler" auf Rügen gehe es darum, aus einem instabilen Land deutsche Staatsbürger zu evakuieren. "Das ist in dem Sinne keine militärische Übung für traditionelle militärische Operationen. Das hat einen ganz anderen Schwerpunkt. Deshalb glaube ich eigentlich nicht, dass die Russen speziell an dieser Übung interessiert waren. Wobei man natürlich nicht ausschließen kann, dass in der aktuellen Situation auch für die russische Seite alles interessant ist, was die NATO überhaupt macht.

Russische Flugzeuge in dänischem und schwedischem Luftraum

Ähnliche Vorfälle mit russischen Militärflugzeugen gab es kürzlich auch in anderen Ländern. So bestellte Dänemark den russischen Botschafter zu einem Gespräch ins Außenministerium ein, nachdem ein russischer Aufklärer in den dänischen Luftraum eingedrungen war. Zudem war ein russisches Aufklärungsflugzeug unerlaubt in den schwedischen Luftraum geflogen. Schwedens Verteidigungsminister sprach von einem "völlig inakzeptablen Vorfall". Bereits Anfang März waren zudem vier russische Kampfflugzeuge in den Luftraum über Schweden eingedrungen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 03.05.2022 | 15:30 Uhr

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