Stand: 26.08.2018 12:00 Uhr

Rock gegen rechts mit Grönemeyer und Bosse

Beim Musikfestival "Jamel rockt den Förster" bei Wismar ist am Samstagabend der deutsche Popstar Bosse aufgetreten, um ein Zeichen gegen Rechtsextremismus zu setzen. Zudem spielten die Antilopen Gang, Muff Potter, Tequila and the Sunrise Gang, Karl-Heinz Johnson und das Rap-Duo Audio 88 & Yassin.

Bereits am Freitag hatte Herbert Grönemeyer vor 1.200 Fans überraschend ein Konzert gegeben. Der 62-Jährige spielte zum Auftakt des Festivals in dem von vielen Neonazis bewohnten Ort Jamel einige seiner Hits wie "Mensch", "Alkohol", "Männer" und "Die Härte". Bis kurz vor seinem Auftritt wusste keiner der Besucher, dass der Musiker kommen würde. Grönemeyer nutzte die Bühne auch dafür, Haltung gegen Rechtsextremismus zu zeigen. "Ich bin jetzt 62, ich habe noch nie eine Zeit erlebt, in der es so wichtig war, laut zu sein", sagte Grönemeyer mit Blick auf die Gefahr von rechts und fügte an: "Rechts geht nicht, wir wollen es nicht!" Er wolle den Veranstaltern den Rücken stärken, sie unterstützen und gleichzeitig ein Signal setzen.

Grönemeyer zeigt Flagge gegen rechts

Prominente Gäste sind bis zum Auftritt geheim

Die inzwischen zwölfte Auflage des Festivals setzte wie jedes Jahr an zwei Tagen ein Zeichen für Demokratie und gegen Rechtsextremismus in dem als Nazidorf bekannt gewordenen Dorf. Vor Grönemeyer standen bereits Bands wie Kavfka, Fatoni und Dritte Wahl auf der Bühne, am späten Abend folgten Kettcar sowie die Rapper Marteria und Casper.

In den vergangenen Jahren spielten in Jamel unter anderem Die Toten Hosen, Die Ärzte, Fettes Brot und Alphaville. Die nur rund 1.200 Festivaltickets waren in diesem Jahr schon seit Februar ausverkauft.

Schwesig ist Schirmherrin und lobt Engagement

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Regierungschefin Schwesig, Organisatorenpaar Lohmeyer: "Jeder kann einen Beitrag leisten."

Schirmherrin ist Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), die das Festival am Freitag besuchte. Seit 2007 werde dort ein klares, starkes Signal für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit und gegen jegliche Form von Rechtsextremismus und Rassismus gesetzt, sagte die Regierungschefin. Dieses Engagement verdiene Respekt und Unterstützung. "In den letzten Jahren sind die, die auf Hass und Hetze setzen, lauter geworden. Und das sollten wir nicht zulassen", sagte Schwesig.

Eine sehr große Mehrheit der Bürger wolle in einem demokratischen und offenen Land leben, in dem Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Hass keinen Platz haben. Jeder könne einen kleinen Beitrag dazu leisten. "Darum möchte ich alle Bürgerinnen und Bürger herzlich bitten", sagte Schwesig. "Hier in Jamel und überall sonst in unserem Land."

Mehr politisches Programm

Neben der Live-Musik gab es auch wieder ein politisches Rahmenprogramm - diesmal mit deutlich mehr Infoständen und Workshops von demokratischen Initiativen und Vereinen. Initiiert wurde "Jamel rockt den Förster" vor zwölf Jahren vom Ehepaar Lohmeyer, das auf dem Forsthof wohnt und ein Zeichen gegen die im Dorf lebenden Neonazis setzen wollte.

Gegenveranstaltung: "Grillen gegen Links"

Unweit des Forsthofes kamen am Samstagabend auf einem Privatgrundstück Anhänger der rechten Szene zu einer Gegenveranstaltung unter dem Motto "Grillen gegen Links" zusammen. Die Polizei verhinderte ein Aufeinandertreffen beider Gruppierungen. Nach Angaben einer Sprecherin kam es vereinzelt zur verbalen Provokationen, es blieb insgesamt aber ruhig.

Weitere Informationen

Die Toten Hosen überraschen Jamel

In Jamel haben rund 1.200 Menschen das "Forstrock"-Festival gefeiert. Neben einer Ehrung für das Veranstalter-Ehepaar Lohmeyer gab es Rockmusik gegen rechts - mit den Toten Hosen. (29.08.2015) mehr

Panorama - die Reporter

Im Nazidorf

29.11.2016 21:15 Uhr
Panorama - die Reporter

Jamel in Mecklenburg-Vorpommern gilt als Nazidorf: Die meisten Einwohner gehören der rechtsextremen Szene an. Doch im Sommer 2015 wohnte Michel Abdollahi mitten unter ihnen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 25.08.2018 | 09:00 Uhr

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