Stand: 14.03.2020 11:27 Uhr

Quarantäne bei Corona: "Die Kinder halten sich ganz wacker"

Karoline Preisler ist mit dem Coronavirus infiziert und in häuslicher Quarantäne © Karoline Preisler / privat Foto: Karoline Preisler / privat
Karoline Preisler ist mit dem Coronavirus infiziert. Angesteckt hat sie sich bei ihrem Mann, dem FDP-Bundestagsabegordneten Hagen Reinhold.

Als Karoline Preisler aus Barth (Landkreis Vorpommern-Rügen) erfuhr, dass sie sich mit dem Coronavirus infiziert hat und in häusliche Quarantäne muss, kam es ihr und ihren neun und elf Jahre alten Kindern zuerst noch wie ein Abenteuer vor. "Das war eine große Herausforderung. Die Kinder haben die Wohnung aufgeteilt in einen Gesunden- und einen Kranken-Bereich." Dazu markierten sie mit Sport-Tape den Fußboden. Denn Preisler muss Schutzkleidung und Handschuhe tragen und Abstand zu ihren gesunden Kindern halten, damit sie nicht angesteckt werden. "Doch die Euphorie des Anfangs, dass es ein großes Abenteuer ist, ist bei uns verflogen", sagt die FDP-Politikerin NDR 1 Radio MV.

"Gestern hatte ich einen harten Tag"

Mittlerweile spüren sie und ihre Kinder die ernsthaften Auswirkungen der Erkrankung und ihre Folgen für das Alltagsleben deutlich. "Gestern hatte ich einen harten Tag", sagt sie. Zu den Grippesymptomen kamen eine schmerzende, pfeifende Lunge und Atemnot dazu. Es stand zu befürchten, dass sie ins Krankenhaus eingeliefert werden muss. Doch soweit ist es bisher nicht gekommen. Zuletzt ging es ihr wieder etwas besser. "Jetzt bin ich zuversichtlich, dass das die Wende war. Ich wünsche es mir."

Bei Ehemann Hagen Reinhold angesteckt

Angesteckt hat sich Preisler bei ihrem Mann, dem FDP-Bundestagsabgeordneten Hagen Reinhold. Der war zunächst in an seinem Arbeitsort in Berlin in häuslicher Quarantäne. Am Sonnabend bekam er die Erlaubnis, die Quarantäne zu Hause bei der Familie in Barth fortzusetzen. Wenn sie nun doch noch ins Krankenhaus müsse, seien ihre Kinder nun nicht mehr allein, sagt Preisler. Ein gewisser Trost. Denn das Leben mit der Krankheit drückt mittlerweile auch bei den Kindern auf die Stimmung. "Denn Liebe, Zuneigung und Kuscheln fallen zur Zeit aus. Zwei Meter Abstand sind hart für die Kinder - genauso wie für die Eltern."

Karoline Preisler ist mit dem Coronavirus infiziert und im Krankenhaus. © Karoline Preisler / privat Foto: Karoline Preisler / privat

AUDIO: Corona-Quarantäne: Interview mit Karoline Preisler (5 Min)

Der Hausarzt wohnt in der Straße, darf aber nicht helfen

Mit der behördlichen Betreuung ist Karoline Preisler zufrieden. "Die ärztliche Versorgung ist in meinem Fall durch das Gesundheitsamt gewährleistet." Sie werde täglich angerufen und von "kompetenten und empathischen Menschen" danach gefragt, wie es ihr gehe. "Das ist auch leider nötig, denn mein Hausarzt, der wirklich nur einmal über die Straße praktiziert, der kann das nicht gewährleisten." Dabei sei hausärztliche Versorgung eigentlich nötig, um andere nicht zu gefährden, sagt sie. "Aber das kann der wie gesagt nicht gewährleisten."

Niemanden anstecken!

Es sei ihr größtes Interesse niemanden anzustecken, sagt sie. "Denn ich weiß, wie schrecklich diese Krankheit ist. Deswegen achten wir sehr darauf, alle Vorschriften einzuhalten. Sie spüre auch, wie die Menschen in ihrer Umgebung ihre Wohnungstür mitunter "scharf im Blick" haben. Aber Polizei sei nicht nötig. Denn die Wohnung verlasse sie nicht.

Corona-Tagebuch auf Twitter

Über ihre Erfahrungen mit der Krankheit schreibt sie auf Twitter eine Art Corona-Tagebuch. Dort erhält sie auch viele kritische Kommentare. Diese seien meisten von Ängsten bei den Verfassern motiviert. "Viele haben einfach Angst, dass ihre heutigen Erkältungssymptome oder die die Krankheit ihrer Mutter oder der Kinder damit zusammenhängen kann, dass sie durch meinen Mann oder mich angesteckt worden sind." Diesen Kommentatoren sage sie, wann sie sich infizierte und dass es vorher gar nicht möglich gewesen sei. "Und meistens haben die Menschen dann ein Einsehen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 14.03.2020 | 09:20 Uhr

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