Wisente gehen auf der Mecklenburgischen Seenplatte durchs Wasser.

Podcast Dorf-Stadt-Kreis: Wisente in Damerow

Stand: 27.07.2022 17:08 Uhr

Sie sind die größten Landsäugetiere Europas und waren so gut wie ausgestorben - die Wisente. In Mecklenburg-Vorpommern, ganz konkret in Damerow bei Waren, gibt es seit fast 70 Jahren eine Zuchtstation für Wisente. Dazu die neue Folge des Podcasts Dorf-Stadt-Kreis.

von Heike Becker

Über 340 Kälber sind dort schon geboren worden - die meisten sind jetzt in Europa in freier Wildbahn unterwegs. Die Bemühungen haben sich gelohnt. Heute beträgt der Bestand rund 10.000 Tiere, gerade mal 1.800 leben noch in Gefangenschaft in Tierparks, Zoos und Zuchtstationen. 

NDR 1 Radio MV - Dorf Stadt Kreis: Annette Ewen und Mirja Freye © iStock Foto: golero
AUDIO: #88 Wisentzucht auf dem Damerower Werder (18 Min)

Randale im Gehege

"Dan" heißt der Bulle in einem der Schaugehege. Er bringt gut 800 Kilogramm auf die Waage. Der Sturm kürzlich hat ihm ein neues Spielzeug beschert - eine Birke ist umgekippt. Er nimmt sie auf die Hörner, wirft sie hinter sich und knabbert an der Rinde. Doch dann: Bewegung im Gatter. Ein Traktor kommt, auf der Schaufel die Reste eines umgekippten Apfelbaums, die Früchte sind noch sehr klein. Das erregt Aufmerksamkeit. "Den Traktor kann 'Dan' nicht leiden", sagt Felix Timm, er ist Wisentwärter im Damerower Wisentgehege. "Wir müssen ja auch rein ins Gehege um sauber zu machen. Das ist nicht ganz ungefährlich. Ich achte darauf, immer etwa 50 bis 100 Meter Abstand zu den Tieren zu halten. Ansonsten empfiehlt es sich, sportlich zu sein. Denn wenn sie erst einmal losrennen, dann wird es gefährlich", erzählt er. Erst kürzlich musste er die Flucht über den 1,80 Meter hohen Zaun antreten. 

Exportschlager aus MV: Wisentkälber

In diesem Jahr sind im Wisentgehege bereits vier Kälber geboren worden. Zwei in der frei lebenden Herde und zwei in den beiden Schaugattern. Insgesamt sind es jetzt 32 Tiere. Um züchten zu können, muss klar sein, welche Blutlinien kombiniert werden können, damit keine Inzucht entsteht. Sämtliche Wisent-Geburten in Gefangenschaft werden in einem Zuchtbuch, das seit den 1920er-Jahren geführt wird, registriert, berichtet Revierförster Fred Zentner. Er leitet schon seit vielen Jahren die Einrichtung. "Wir können unsere Nachzuchten bis in die 15. Generation zurückverfolgen", erzählt er. Die Wisente aus Damerow sind unter anderem in Rumänien, Polen, Litauen, Großbritannien, Russland und Weißrussland zu finden. Dort laufen große Auswilderungsprojekte. Die Damerower Wisente sorgen so für frisches Blut in den Herden. 

Wisente: Garanten für Biodiversität

Sie waren so gut wie ausgestorben. In den 1920er-Jahren gab es nur noch 54 Exemplare. Dabei sind die Kolosse enorm wichtig für die Biodiversität. Experten haben bei Untersuchungen festgestellt, dass sich im Wisentfell bis zu 137 verschiedene Samen festgesetzt hatten. Wisente transportieren Pflanzensamen, was wiederum der Biodiversität hilft. Die Tiere sind reine Pflanzenfresser. Sie ernähren sich von Blättern, Baumrinde und beispielsweise Brennnesseln. Derzeit wird von Biologen untersucht, welche Rolle der Dung in der Natur spielt. Fest steht, dass viele Schmetterlinge und andere Insekten den Wisent-Dung brauchen, weil er sehr mineralisch ist, erzählt Revierförster Zentner

Besuchermagnet

Das Wisentgehege in Damerow ist kein Zoo oder Tierpark, dennoch: Besucher sind erwünscht. Jährlich kommen bis zu 40.000 Menschen in das ganzjährig geöffnete Areal. Betrieben wird es von der Landesforst. Neben den Wisenten gibt es auch eine Rothirschherde zu sehen. Am sichersten ist es, zur Fütterungszeit um 11 Uhr und um 15 Uhr zu kommen. Dann hat man garantiert einen erstklassigen Blick auf die Tiere.

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Dieses Thema im Programm:

Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern | 14.07.2022 | 17:00 Uhr

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