Simone Oldenburg, Bildungsministerin © dpa Foto: Jens Büttner

Oldenburg steht für klare Worte in der Bildungspolitik

Stand: 13.11.2021 11:58 Uhr

Es wird ein Rollenwechsel für Simone Oldenburg. Nach einem Jahrzehnt in der Opposition wird sie die politischen Entscheidungen der Landesregierung verantworten - von der Kita bis zur Berufsschule.

von Andreas Frost, ndr.de

Simone Oldenburg ist die designierte Bildungsministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommerns. Bange ist ihr davor nicht: "Ich habe auch Respekt vor dem Amt, aber Angst habe ich überhaupt nicht“, sagt Oldenburg, "ich denke, dass ich weiß, wie Bildung funktioniert und was wir machen können, damit sie ein Stück besser wird“.

Erfahrung als Lehrerin und Schulleiterin

Die 52-jährige wuchs in Wismar auf und hat das Lehramt in Leipzig studiert. Danach arbeitete sie in Nordwestmecklenburg als Lehrerin für Deutsch und Geschichte und als Schulleiterin, bevor sie 2011 für die Linke in den Landtag zog. Fünf Jahre später, zu Beginn der folgenden Legislaturperiode, gelang ihr der Coup, den langjährigen Landtagsfraktionsvorsitzenden der Linken, Helmut Holter, aus dem Amt zu drängen. Auch wenn sie seit zehn Jahren nicht mehr aktiv im Schuldienst ist, hat sie sich den kurzen Draht zu vielen Lehrkräften bewahrt. Deren Anregungen und Probleme nahm sie mit in ihre parlamentarische Arbeit, in die Landtagsdebatten und in die mediale Öffentlichkeit.

Lehrermangel prophezeit

Ihr Markenzeichen sind klare, häufig harsche Worte. Ihre scharfe Rhetorik rühre auch daher, dass sie "die Ignoranz der Regierenden" nicht verstehe, wenn diese Mängel an den Schulen und den Universitäten kleinreden würden. Den Lehrermangel hat sie ihren Amtsvorgängerinnen jahrelang prophezeit und vorgerechnet. Jetzt muss sie ihn selbst beseitigen. Ihr wichtigstes Wahlversprechen, 1.000 zusätzliche Lehrkräfte für die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern zu besorgen, steht im Koalitionsvertrag. Lehrerverbände werfen ihr bereits eine Mogelpackung vor, sie habe auch bisher unbesetzte und befristete Stellen mit verbucht.

Geräuschlose Verhandlungen

Wie Oldenburg die derzeitige Schullandschaft beurteilt, hat sie im Wahlkampf - wenn auch sehr zugespitzt - auf ihrer Internet-Seite kundgetan: "In kaum einem anderen Bereich als in Einrichtungen, die eigentlich für Kinder ausgerichtet sein sollten, offenbart sich die Gefühllosigkeit des gesellschaftlichen Systems."  Während der Koalitionsverhandlungen mit Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) sind offenbar keine scharfen Worte gefallen. "Vielleicht liegt es auch daran, dass zwei Frauen verhandelt haben, dass es nicht so poltrig zuging", mutmaßte Schwesig. Als Bildungsministerin wird Simone Oldenburg in der Kultusministerkonferenz indes einen alten Bekannten wiedersehen: Helmut Holter ist seit 2017 Bildungsminister in Thüringen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 15.11.2021 | 13:00 Uhr

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