VIDEO: Der letzte Fang? Ostseefischer vor dem Aus (29 Min)

Ohne Fischerei-Romantik: Ostseefischer aus MV im Porträt

Stand: 25.02.2021 12:48 Uhr

Ostseefischer - ein Beruf, der auszusterben droht. Der Porträtband "Seesucht" zweier Fotografen zeigt fast alle Ostseefischer, die im Haupterwerb vor Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern aktiv sind.

Stürmisch ist es an jenem Herbsttag, 2018. In Schaprode. Das weiß Paul Keppler noch, als er damals von den beiden Fotografen angesprochen wird: "Das Foto ist kurz nach der Arbeit entstanden. Wir hatten die Kutter dort abgelegt und den Fisch entladen, hatten ihn vereist und weggestellt, hatten unsere Sachen gepackt, unsere Reisetaschen. Und wollten dann eigentlich von Schaprode nach Kühlungsborn fahren. Dann haben wir kurz gewartet und die Fotos gemacht." Der gelernte Fischwirt aus Kühlungsborn ist mit 26 Jahren einer der jüngsten Ostseefischer, nicht nur im Buch. "Eigentlich konnte ich noch gar nicht laufen, da bin ich schon rausgefahren. Mit Opa an den Strand runter, da hatte er noch ein Strandboot. Vom Strand aus gefischt vor Kühlungsborn, da hatte er noch keinen Hafen. Seit dem Tag an, schon immer, wollte ich nie etwas anderes."

Kühlungsborn: Nur noch ein Fischer im Haupterwerb

Als Ende 2018 die ersten Porträts für das Buch entstehen, gibt es noch drei Fischer in Kühlungsborn. Im Haupterwerb. Mittlerweile ist Paul Keppler der Einzige. "Also, ich wünsche der Fischerei, dass sie nicht ausstirbt, dass in jedem Hafen noch ein paar Boote liegen, die fischen dürfen, die fischen können, dass das nicht komplett ausstirbt." Paul Keppler ist einer von insgesamt 228 Ostseefischern, die sich für den Porträtband ablichten lassen haben. Einige Wenige haben sich bis zuletzt nicht überreden lassen, erzählt einer der Fotografen, Franz Bischof aus Hannover: "Ostseefischer deswegen, weil der Niedergang der Ostseefischerei so exemplarisch auch nur in der Ostsee zu finden ist. Weil dort die Überfischung und die Auswirkungen des Klimawandels besonders stark spürbar sind. Während die Nordseefischer gar nicht diese Problematiken haben mit den Heringspopulationen. Die können einfach weiter rausfahren, während die kleinen Küstenfischer sehr, sehr limitiert sind."

Fischer: "Eine Erinnerung, die man so wohl nicht wieder bekommt"

Entstanden ist ein einzigartiges Dokument: ehrlich, realistisch, ohne Fischer-Romantik: Neben den Porträts bietet das Buch auch Textpassagen. Unter dem Motto "Fisch fürs Volk" - Die Hochseefischerei in der DDR. Oder: "Braune Segel im Wind" - Die Geschichte der Zeesenboote. Oder: "Hering im Jammertal". "Natürlich sind die Fischer der Aufhänger und die Porträts, aber wir wollen auch ihre Geschichte in so vielen Facetten wie möglich erzählen", sagt Fotograf Franz Bischof.

Der junge Fischer Paul Keppler war anfangs schwer für das Buchprojekt zu überreden, mittlerweile ist er stolz, das er ein Teil dessen sein darf: "Ich finde das richtig gut, was die da gemacht haben. Das ist eine Erinnerung, die man so wohl nicht wieder bekommt." Paul Keppler hofft, dass er noch lange fischen darf und kann. In der Ostsee vor Mecklenburg-Vorpommern.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 14.02.2021 | 12:00 Uhr

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