Stand: 25.04.2019 17:21 Uhr

Neue Marine-Korvette in Wolgast auf Kiel gelegt

Nach dem Exportstopp der Küstenschutzboote für Saudi-Arabien hat nun in Wolgast (Landkreis Vorpommern-Greifswald) die Fertigung von Korvetten der K130-Klasse begonnen. Bestimmt sind die Schiffe für die Deutsche Marine. Am Nachmittag wurde das erste Schiff, das auf den Namen "Köln" getauft werden soll, auf der zur Bremer Lürssen-Gruppe gehörenden Peene-Werft auf Kiel gelegt - im Beisein von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD).

Peene Werft.

Kiellegung auf der Peenewerft Wolgast

Nordmagazin -

In Wolgast wird die erste von fünf Korvetten für die Deutsche Marine auf Kiel gelegt. Mit dem Neubau des Schiffes könnte die Kurzarbeit enden.

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Schwesig: Lichtblick für Peene-Werker

"Die Deutsche Marine braucht die Korvetten dringend", sagte von der Leyen. Von 2022 an soll etwa jährlich ein Boot ausgeliefert werden. 2024 sollen die Soldaten mit ihnen zur See fahren. "Wenn wir Soldaten in gefährliche Einsätze schicken, müssen sie optimal und modern ausgestattet sein." Die Korvetten der ersten Serie hätten sich enorm bewährt - im Mittelmeer, bei Nato-Einsätzen und Übungen. Die Verteidigungsministerin hatte eine zweite gute Nachricht für die Marine: Die erste lange ersehnte Fregatte 125 von ThyssenKrupp Marine Systems und der Lürssen-Gruppe werde Anfang Juni in Dienst gestellt.

Fünf Schiffe für zwei Milliarden Euro

Die Korvetten der "Braunschweig"-Klasse sind knapp 90 Meter lang, können auf Randmeeren und Küstengewässern die See überwachen und im Ernstfall feindliche Schiffe bekämpfen. Die Marine hatte bereits fünf Korvetten der Klasse 130 bauen lassen, die in Warnemünde stationiert sind. Die fünf neuen Schiffe werden ebenfalls an der Warnow stationiert.

Mehrere norddeutsche Werften sind beteiligt

Vom Bau profitieren gleich mehrere Werften. Drei Unternehmen unter der Federführung der Lürssen-Werftengruppe sind daran beteiligt. So werden in Wolgast die Hinterschiffe gefertigt. Die Vorderschiffe lässt Lürssen in Bremen und Kiel bauen. Bei Blohm & Voss in Hamburg werden die Teile schließlich zusammengefügt. Die Kosten für die fünf Schiffe liegen bei rund zwei Milliarden Euro - allerdings ohne Waffensysteme.

Die Schiffe der Deutschen Marine

Korvettenbau im Februar in Bremen begonnen

Der Bau der Korvette hatte im Februar in Bremen mit dem Brennschnitt - also mit dem Zuschneiden der einzelnen Stahlplatten - begonnen. Mit der Kiellegung heute startet nun der Zusammenbau des Schiffsrumpfes. Das Auf-Kiel-Legen hat eine lange Tradition - ähnlich einer Grundsteinlegung. Nur wird kein Stein gesetzt, sondern eine Münze auf die Pallung gelegt, also auf die Tragehalterung, auf der das künftige Schiff liegen wird.

Lürssen: Kurzarbeit endet Ende Mai oder Anfang Juni

Für Wolgast bringt die Kiellegung wieder ein Stück Hoffnung, dass der Schiffbau am Peenestrom weitergeht. Derzeit sind rund 50 der 300 Wolgaster Werftarbeiter in Kurzarbeit, seitdem die Bundesregierung einen Rüstungsexportstopp nach Saudi-Arabien verhängte. Von 33 bestellten Schiffen wurden bislang 15 ausgeliefert, sechs weitere sind fertiggestellt worden, dürfen aber nicht ausgeliefert werden. Nach Angaben von Werften-Chef Friedrich Lürßen wird die Kurzarbeit Ende Mai oder Anfang Juni enden.

Schwesig: Lichtblick für Peene-Werker

Lürßen erklärte weiter, dass mit dem Auftrag für die Marine die Serienfertigung der für Saudi Arabien bestimmten Boote nicht komplett aufgefangen werden könne. In den kommenden zwei Jahren werde es Produktionslücken geben. Anschlussarbeiten fehlte derzeit noch, so Lürßen. Dennoch sichere der Auftrag durch die Deutsche Marine Arbeitsplätze in Wolgast, so Luerßen. Ministerpräsidentin Schwesig sagte, dass der Auftrag ein Lichtblick dafür sei.

Saudi-Küstenschutzboote für deutsche Abnehmer?

Um die Auslastung der Peene-Werft zu erhöhen, wurde deshalb nach Angaben von Friedrich Lürßen der Bau einer Explorer-Yacht nach Wolgast verlagert. Über den Exportstopp äußerte er sich enttäuscht. Die Küstenschutzboote könnten aber für deutsche Behörden umgebaut werden. Die Klimaanlage zu einer - bisher fehlenden - Heizung umzubauen, sei kein "Hexenwerk", sagte Lürßen. Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) plädierte ebenfalls dafür, die fertiggestellten Schiffe für Saudi-Arabien auf solch einen Standard zu bringen, dass sie deutschen Behörden zur Verfügung gestellt werden könnten.

Von der Leyen: in MV werden 320 Millionen Euro investiert

Nach den Worten von Verteidigungsministerin von der Leyen stärkt die Bundeswehr Mecklenburg Vorpommern weiter den Rücken. Wegen der guten Bedingungen werde in den kommenden Jahren kräftig investiert. Rund 320 Millionen Euro sollen nach ihren Worten für Unterkünfte und das Marinezentrum in Rostock fließen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 25.04.2019 | 16:00 Uhr

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