Jemand arbeitet zu Hause an einem Laptop. © photocase.de Foto:  willma...

NDR MV Live: Das Ende der Homeoffice-Pflicht - wie weiter?

Stand: 30.06.2021 15:15 Uhr

Die Pflicht zum Homeoffice für Arbeuitgeber ist heute zu Ende gegangen. "Raus aus dem Homeoffice - zurück ins Büro?" Während die Gewerkschaft ver.di von einem "Homeoffice-Boost" sprach, der sich vollzogen habe, sind Arbeitgeber über das Ende der Vorgaben erleichtert.

"Homeoffice bietet viele Potenziale - aber auch Risiken", sagte die Bezirksleiterin Nord der Gewerkschaft ver.di, Susanne Schöttke, bei NDR MV Live am Mittwochnachmittag. "Wir haben einen Homeoffice-Boost erlebt" - ausgelöst durch die Pandemie, so Schöttke. Viele Beschäftigte hätten sich positiv geäußert - gerade mit Blick auf die Potenziale etwa bei der Arbeitszeitsouveränität. Aber es habe auch viele Rückmeldungen gegeben, wonach die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gelitten habe. Beschäftigte klagten laut Schöttke zudem über fehlende soziale Kontakte und Doppelbelastung. Auch die Themen Arbeits- und Unfallschutz seien in der Pandemie für manche Beschäftigte etwas "zu flott und leichtfüßig" angegangen worden, so die Gewerkschafterin. "Das ist ein Thema, das in der Zukunft sehr gründlich angeguckt werden müsste."

Arbeitgeber gegen Recht auf Homeoffice

Auch Sven Müller, Geschäftsführer der Vereinigung der Unternehmerverbände in MV (VUMV), stimmte zu, dass im Bereich Homeoffice noch viele Potenziale schlummerten. Die bisher zutage getretenen Problemlagen in der Praxis müsse man gemeinsam im Rahmen der Sozialpartnerschaft angehen. "Homeoffice wird es geben, die Regelung, wie Homeoffice umgesetzt wird, sind Dinge, die letztlich zwischen dem Arbeitgeber und den Beschäftigten zu klären sind", so Müller. Ein Recht auf Homeoffice sei dagegen der falsche Weg.

VUMV-Präsident Schwarz: Gesetzliche Regelung war überflüssig

Der Arbeitgeber-Präsident in Mecklenburg-Vorpommern, Lars Schwarz, zeigte sich erleichtert über das Ende der Homeoffice-Pflicht. Die gesetzliche Regelung sei von Beginn an überflüssig gewesen, sagte er NDR 1 Radio MV. Die Betriebe hätten sich auch ohne das Gesetz in der Pandemie verantwortungsvoll im Sinne des Infektionsschutzes verhalten, sagte Arbeitgeberpräsident Lars Schwarz. Die Wirtschaft sieht das Homeoffice weiter kritisch. Oft fehle die nötige Infrastruktur, so Schwarz. Schwache Internetverbindungen würden ein unkompliziertes Arbeiten verhindern. Das zu ändern sei Aufgabe der Politik, aber nicht das Entwerfen von bürokratischen Gesetzen.

Staatskanzlei und Ministerien halten an Homeoffice fest

In der Staatskanzlei und den acht Ministerien des Landes bleibt es weitgehend beim Homeoffice. Nach Angaben der Staatskanzlei soll es weiter ein sogenanntes Wechselmodell aus A- und B-Gruppen geben. Die Hälfte der Beschäftigten ist jeweils abwechselnd zu Hause oder im Büro. Ziel sei es weiterhin, Kontakte zu vermeiden. Allerdings sei die Aufforderung entfallen, wenn möglich grundsätzlich von zu Hause aus zu arbeiten.

Homeoffice mindert das Ansteckungsrisiko

Offen ist, ob das Homeoffice-Modell der Ministerien in einfachen Landesbehörden gilt. Die Ausgestaltung der Regelung sei den einzelnen Ministerien überlassen, so ein Regierungssprecher. Das heißt, sie entscheiden, ob die Beschäftigten in den "nachgeordneten Behörden" ebenso wie die Ministeriums-Mitarbeiter Anspruch auf Homeoffice haben, um Ansteckungen zu vermeiden. Aus dem Sozialministerium hieß es, dass beispielsweise im Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGuS) das gleiche Wechsel-Modell greife wie Ministerium.

Landkreise mit eigenen Regeln

Auch die übrige Verwaltung kehrt nicht zu den Zeiten vor der Pandemie zurück. Im Landkreis Ludwigslust-Parchim wird weiter auf Homeoffice gesetzt. Rund 520 Mitarbeiter - das sind zwei Drittel der Bürobeschäftigten - sind in Telearbeit. Dabei soll es bleiben, sie können drei Tage in der Woche ins Homeoffice gehen. Die Kreisverwaltung ist für Bürger wieder offen. Anders ist das im Landkreis Rostock. Dort ist sie bei einer Inzidenz von 0,0 für die Bürger und Bürgerinnen weiterhin dicht. Beratungen finden nur mit Termin statt. Von kommender Woche an soll es jeweils dienstags und donnerstags Sprechzeiten geben, teilte ein Kreissprecher mit. Die Homeoffice-Regel will der Kreis für seine Verwaltung bis Ende des Jahres verlängern.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 30.06.2021 | 15:00 Uhr

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