Stand: 29.02.2020 10:09 Uhr

Merkel in Stralsund: EU wie Augapfel hüten

Stralsund: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht auf dem Jahresempfang ihres Wahlkreises. © dpa-Bildfunk Foto: Stefan Sauer/
Kein Händeschütteln, aber warme Worte für die EU: Bundeskanzlerin Merkel beim Jahresempfang in Stralsund.

Bei ihrem Jahresempfang am Freitagabend in Stralsund hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu mehr Zusammenhalt aufgerufen. Angesichts der Schwierigkeiten um den neuen EU-Haushalt beschwor Merkel insbesondere die Einheit Europas. "Lassen Sie uns das, was wir in Europa haben, behüten wie unseren Augapfel", sagte die Kanzlerin vor etwa 400 Gästen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Verwaltung im Störtebeker Brauquartier.

Badrow: Hanse war EU des Mittelalters

Merkel knüpfte an die Worte von Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) an, der an den 650. Jahrestag des Stralsunder Friedensschlusses mit Dänemark in diesem Jahr als ein "Geschichtsereignis von europäischer Tragweite" erinnerte. Badrow nannte die Hanse die EU des Mittelalters. Sie habe zu Wohlstand und wirtschaftlichem Wachstum geführt. Die Hanse sei zerbrochen, als Einzelinteressen über Gemeinschaftsinteressen gestellt wurden.

EU-Haushalt: Mit Großbritannien fehlt ein Nettozahler

Merkel sagte, ein gemeinsamer EU-Haushalt sollte nicht erst im Dezember, sondern noch vor der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020 zustande kommen. Nach dem Austritt Großbritanniens fehle ein Nettozahler, es fehle Geld, und die Wünsche der Mitgliedsstaaten seien sehr unterschiedlich. Sehr viele Projekte auch in Infrastruktur, Tourismus, Wirtschaft und im Sozialen in Mecklenburg-Vorpommern hingen von Mitteln der EU ab.

30 Jahre nach Einheit: Gewonnene Freiheiten schützen

Mit Blick auf Deutschland sagte Merkel, dass es für Hass und Kriminalität keinen Platz in der Gesellschaft geben dürfe. Ein Staat sei nur so gut wie die Summe seiner Bürger. Es läge in der Verantwortung aller, gemeinsam einen Beitrag für die Zukunft zu leisten. 30 Jahre nach der Deutschen Einheit sei es wichtig, sich darauf zu besinnen, welche Freiheiten die Menschen heutzutage genießen würden. Diese gelte es zu schützen. Dabei stünden die Menschen aktuell vor unzähligen Herausforderungen, die den Wohlstand der Gesellschaft gefährden würden. So müsse Deutschland Bürokratie abbauen und schneller werden, um sich der Digitalisierung oder dem Klimawandel stellen zu können.

Merkel zu Corona: Regierung tut alles zum Schutz der Bevölkerung

Eine weitere aktuelle Herausforderung sei das Corona-Virus. Merkel versicherte, dass die Bundesregierung alles zum Schutze der Bevölkerung tue. Zugleich plädierte Merkel dafür, "Maß und Mitte" zu bewahren. Es sollten nicht alle Veranstaltungen abgesagt werden. Deutschland gehöre zu den Ländern, die die besten Voraussetzungen hätten, um mit dem Virus klarzukommen. Zudem könne jeder einzelne etwas dazu beitragen. Sie gehe mit gutem Beispiel voran: "Ich gebe heute Abend niemandem die Hand", sagte sie.

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NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 29.02.2020 | 08:00 Uhr

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