MV-Werften: Glawe stellt Hilfen in Aussicht

Stand: 10.05.2021 17:44 Uhr

Werftstandorte vor dem Aus, Corona-Krise in der Kreuzfahrtbranche, wachsende Konkurrenz aus Asien und drängende Klimaschutzziele – auf der Maritimen Konferenz in Rostock gibt es viele heiße Eisen.

Zum Auftakt der zwölften Nationalen Maritimen Konferenz (NMK) hat Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe eine Rettung der angeschlagenen MV-Werften in Aussicht gestellt. Man sei in "guten Gesprächen" mit dem Bund über eine finanzielle Unterstützung sowie mit dem Eigner Genting. Ende Mai werde es ein Ergebnis geben. "Und das wird meiner Meinung nach ein positives Ergebnis sein", sagte Glawe auf der Eröffnungs-Pressekonferenz am Montag. Kurz zuvor hatte Glawe NDR 1 Radio MV gesagt, die Entscheidung Ende Mai werde "zugunsten der Werften fallen".

Altmaier will gegen Protektionismus vorgehen

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) kündigte zudem an, sich für ein Vorgehen der EU gegen Protektionismus im Schiffbau einzusetzen. Es gebe Länder, die versuchten, diesen Markt zu monopolisieren und zu dominieren, sagte Altmaier ohne Namen zu nennen. "Hier ist ein Reagieren der EU notwendig." Werftenvertreter in Europa beklagen seit längerer Zeit, dass in mehreren asiatischen Ländern Schiffe mittels Subventionen teils unter dem reinen Materialwert verkauft werden.

Merkel: Europa kann Leitmarkt werden

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte die maritime Branche auf, die Potenziale der Schifffahrt für eine klima- und umweltfreundlichere Zukunft zu nutzen. "Mit den deutschen und europäischen Kompetenzen im Schiffbau haben wir die Chance, Europa zum Leitmarkt für klimaschonende, ressourcen- und kostensparende Technologien zu machen", sagte sie in einem Grußwort. Eine nachhaltige maritime Industrie könne so zu einem Beispiel dafür werden, auch in Krisen Chancen zu erkennen und zu nutzen.

Europäische Strategie gegen chinesische Konkurrenz

Unter dem Motto "Wirtschaft braucht MEER" ist Rostock bereits zum dritten Mal Austragungsort der Nationalen Maritimen Konferenz. Der Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft, Norbert Brackmann (CDU), hatte dazu eingeladen: Alle zwei Jahre treffen sich Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Gewerkschaft und Wissenschaft, um über die aktuelle Situation und die Zukunft der gesamten maritimen Branche zu debattieren. Gegen die übermächtige Konkurrenz aus China sei eine europäische Schiffbaustrategie gefordert, sagte Brackmann kurz vor der Konferenz im Interview mit dem NDR. Derzeit gehen rund 95 Prozent der europäischen Aufträge unter anderem bei Containerschiffen ins Ausland, vor allem nach China.

Maritime Konferenz fast ganz digital

Wegen der Pandemie läuft die Konferenz diesmal überwiegend virtuell ab: Im Warnemünder Cruise Center am Passagierkai ist für die beiden Konferenztage ein digitales Studio installiert. So werden Rednerinnen und Gäste aus der ganzen Republik in die Branchenforen zugeschaltet und Reden übertragen.

Marine, Meere, Arbeitsplätze

Zu den inhaltlichen Schwerpunkten der Konferenz gibt es einzelne Foren: Am Montag waren beispielsweise die Themen maritime Sicherheit, Marine und Schlüsseltechnologien oder auch Offshore-Windenergie auf dem Plan. Am Dienstag werden die Perspektiven der maritimen Wirtschaft bis zum Jahr 2030 debattiert. Ein Panel dreht sich um die deutschen Seehäfen und im Forum Meerestechnik stehen die Meere und ihre nachhaltige Nutzung im Mittelpunkt. Besonders spannend aus norddeutscher Sicht: Das Forum am Dienstag "Aufträge und Beschäftigung im Heute und für das Morgen sichern". Vor allem Mecklenburg-Vorpommern ächzt da schwer: Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie wurde aus dem Hoffnungsträger MV-Werften ein Riese auf tönernen Füßen, der nach wie vor von Krediten der Steuerzahler abhängt.

Milliardenmarkt maritime Wirtschaft

Pünktlich zur Konferenz hat das Bundeswirtschaftsministerium eine neue Studie zur Maritimen Wertschöpfung und Beschäftigung in Deutschland veröffentlicht: Demnach sicherte die Maritime Wirtschaft im Jahr 2018 rund 450.000 Arbeitsplätze mit einer Wertschöpfung von 29,8 Milliarden Euro bei einem Umsatz in Höhe von 86,3 Milliarden Euro. Die Studie wurde im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums von mehreren Forschungseinrichtungen gemeinsam durchgeführt. Hinter dem Schlagwort "maritime Wirtschaft" verbirgt sich alles rund um Schiffbau, Schifffahrt, Zuliefererindustrie, Häfen und Logistik, Antriebstechnik, Offshore-Windenergie, Meerestechnik, Forschung und Entwicklung und Klimaschutzthemen im maritimen Bereich.

IG Metall-Proteste im Norden

Demonstration der IG Metall am Rande der Maritimen Konferenz  Foto: Christoph Woest
Demonstration der IG Metall am Rande der Maritimen Konferenz

Die Gewerkschaft IG Metall demonstrierte zum Auftakt der Maritimen Konferenz an mehreren Standorten in Norddeutschland, so etwa in Wismar. Die Arbeitnehmervertreter warnen vor dramatischem Stellenaubbau bei den deutschen Werften und ihren Zulieferern. So seien seit Beginn der Corona-Pandemie bereits etwa 1.000 Jobs verschwunden, bei weiteren mehr als 5.600 Stellen gebe es Gespräche, weil auch die wegfallen sollen. 

Landstromanlage startet offiziell

Am Nachmittag wurde im Rahmen der Konferenz am Warnemünder Passagierkai die Landstromanlage für Kreuzfahrtschiffe offiziell in Betrieb genommen. Das Kreuzfahrtschiff "AIDAsol" hat die Anlage vor Ort getestet, laut Rostock Port aktuell die größte Europas.Bis zu 20 Megavoltampere elektrische Energie kann sie liefern: Zwei Kreuzfahrtschiffe können an den Liegeplätzen gleichzeitig mit Strom beliefert werden und ihre Verbrennungsmotoren abstellen, die Folge – weniger Emissionen. Seit Jahren fühlen sich die Einwohner von Warnemünde durch die Abgase der Kreuzfahrtschiffe belästigt. Die Investitionskosten für die Anlage von rund 19 Millionen Euro, haben Bund und Land zu rund 90 Prozent gefördert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 10.05.2021 | 06:00 Uhr

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