Stand: 05.04.2019 09:31 Uhr

MV-Reservisten: Zu wenig Abgrenzung zu Rechtsextremen?

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Der Reservistenverband Mecklenburg-Vorpommern hat rund 1.200 Mitglieder. (Archivbild)

Der Reservistenverband in Mecklenburg-Vorpommern kommt nicht zur Ruhe: Etliche Mitglieder wollen den Vorsitzenden Roland Heckt und zwei weitere Vorstandsmitglieder abwählen. Sie werfen ihnen Verstoß gegen demokratische Verbandsregeln und einen zu laxen Umgang mit rechtsextremen Strömungen im Verband vor. Heckts Sturz soll nach NDR-Informationen bei einer Delegiertenversammlung am 18. Mai vollzogen werden.

Heckt erst seit einem Jahr Vorsitzender

Dabei ist Heckt erst vor knapp einem Jahr an die Spitze des Reservistenverbandes gewählt worden. Sein Vorgänger Helge Stahn hatte sich deutlich gegen extremistische Tendenzen ausgesprochen und für den Ausschluss mehrerer Mitglieder gesorgt. Stahns Engagement ging einigen im Verband offenbar zu weit. Er wurde abgewählt.

Kritik vor allem aus der Kreisgruppe Mecklenburg-Schwerin

Vor allem aus der Kreisgruppe Mecklenburg-Schwerin kommt seit einiger Zeit Kritik an der neuen Verbandsspitze. Sie agiere selbstherrlich und bürste Kritiker ab, so der Kreisgruppen-Vorsitzende Peter Schur. Mehrere Mitglieder stören sich daran, dass die Verbandsspitze die östliche Kreisgruppe Vorpommern-Strelitz beim Umgang mit rechten Tendenzen nicht genügend in die Schranken weise.

AfD-Bundestagsabgeordneten Komning eingeladen

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Zum Neujahrsempfang des Reservistensverbands eingeladen: der AfD-Bundestagsabgeordnete Enrico Komning. (Archivbild)

So sei nicht nachzuvollziehen, dass der Regionalverband den AfD-Bundestagsabgeordneten Enrico Komning aktiv zum Neujahrsempfang eingeladen habe. Komming gilt als Vertreter des rechten und extremen AfD-Parteiflügels und ist Mitglied der radikalen Greifswalder Burschenschaft Rugia. Diese Aktivität wird auch im Bericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz zur AfD kritisch erwähnt. Die Rugia stuft der Bericht als „Burschenschaft mit rechtsextremen Bezügen“ ein.

Kritik: Nähe zu rechtsextremem Gedankengut

Die verbandsinternen Kritiker geben sich besorgt: Vorstandsmitglieder in Vorpommern-Strelitz würden eine deutliche Nähe zu rechtsextremen Gedankengut zeigen. Einer sei Mitglied einer fragwürdigen Burschenschaft, ein anderer trage szenetypische Kleidung der Marke "Thor Steinar", berichten Verbandsmitglieder, die um den Ruf der Reservisten fürchten. Nicht nachzuvollziehen sei außerdem der Verbleib von Thomas K. als hauptamtlicher Mitarbeiter im Verband. Bei ihm sei eine Festplatte mit rechtsextremen Inhalten sichergestellt worden. Außerdem sei er als Hooligan mit einem bundesweiten Stadionverbot belegt gewesen. Die Verbandsführung grenze sich davon nicht genügend ab, so der Vorwurf. Der Mitarbeiter wurde jüngst mit der "Landesehrennadel in Gold" ausgezeichnet. Laut einem Bericht der Tageszeitung "taz" hat sich auch der Bundesverband der Reservisten  hinter den Mitarbeiter gestellt, er mache eine ordentliche Arbeit.

Gerücht: Schießübungen mit radikalen Burschenschaften

Verbandsintern kursieren außerdem Spekulationen, nach denen zu sogenannten "Gästeschießen“ auch Mitglieder von radikalen Burschenschaften eingeladen würden. Die Teilnehmerlisten dieser Schießübungen sind nicht öffentlich, eine Bestätigung für den Verdacht gibt es nicht. Schon im vergangenen Herbst hatte der SPD-Landtagsabgeordnete Dirk Friederiszik angeprangert, der Landesverband sei von Rechtsextremen unterwandert worden. Der Kampf gegen die „alten Netzwerke von Rechtsextremisten“ werde von der Verbandsspitze um Heckt nicht fortgesetzt. Friedriszik erklärte öffentlich seinen Austritt aus dem Verband.

Kein Kommentar zur Delegiertenversammlung

Verbandschef Heckt wollte sich auf Anfrage nicht äußern und verwies auf den Bundesverband. Heckts Pressesprecher, der Schriftführer im Vorstand  Jens Wermke, sprach mit Blick auf die Kritiker von einem "großen Palaver". Zu Einzelheiten der Delegiertenversammlung wollte er sich nicht äußern. Den Ort der Versammlung hält die Vorstandsspitze bisher geheim. Auch Wermke soll ebenso wie der Vize-Vorsitzende Andreas Kolm aus dem Vorstand abgewählt werden. Kolm wollte auf NDR-Anfrage ebenfalls keine Stellungnahme abgeben: "Da sage ich nichts zu", erklärte er. Die Kritiker aus der Kreisgruppe Mecklenburg-Schwerin setzen Mitte Mai auf ihre Mehrheit der Delegiertenstimmen. Der Ausgang des Misstrauensvotums gegen die drei Vorstandsmitglieder sei aber unklar, so Schur.

Linke: Schaden vom Verband abwenden

Der Innenexperte der Linksfraktion, Peter Ritter, nannte es "höchste Zeit, dass sich im Reservistenverband etwas rührt, um noch weiteren Schaden vom Verband abzuwenden". Es sei bezeichnend, dass der Verband es mehrfach abgelehnt habe, im Innenausschuss über die Vorgänge zu berichten. Er, so Ritter, hätte sich aber auch deutliche Stellungnahmen des Landeskommandos der Bundeswehr gewünscht. Auch Minister und Abgeordnete, die selbst Mitglied im Verband sind, hätten mehr öffentlichen Druck entwickeln können.

Das Thema "Rechtsextremismus" spielt auch in der neuesten Verbandszeitschrift der Reservisten eine Rolle. Unter der Überschrift "Augen rechts! Bei Rechtsextremismus darf niemand wegschauen!" wird für einen offenen und kritischen Umgang mit dem Problem geworben. Der Reservistenverband hat im Land etwa 1.200 Mitglieder.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 05.04.2019 | 07:00 Uhr

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