Schwerin: Manuela Schwesig (SPD, am Rednerpult), die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, spricht bei der Sondersitzung des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern zur aktuellen Corona-Situation. © dpa-Bildfunk Foto: Jens Büttner

Landesregierung präsentiert Corona-Maßnahmen zum Schulstart

Stand: 21.07.2021 13:22 Uhr

Zwar ist die Landespolitik offiziell noch im Urlaub - das Kabinett hat sich aber dennoch im Rittersaal in Schwerin getroffen, um über den Schulstart in zwei Wochen zu informieren.

Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) ist es wichtig, den Präsenzunterricht an den Schulen auch bei höheren Inzidenzen im Regelbetrieb zu gewährleisten. Nach ihren Worten bereitet sich das Land intensiv auf das neue Schuljahr vor. In den ersten zwei Wochen nach den Sommerferien gelte die Maskenpflicht für die Schülerinnen und Schüler, damit sich die Delta Variante durch Reiserückkehrer nicht weiter verbreitet. Außerdem müsse eine Bestätigung der Eltern vorliegen, die besagt, dass die Kinder in den Ferien nicht in einem Risikogebiet waren.

Antigen-Schnelltests bis nach den Herbstferien vorhanden

Auch Antigen-Schnelltests sollen nach den Sommerferien zum Einsatz kommen und bis eine Woche nach den Herbstferien zur Verfügung stehen. An ausgewählten Schulen in vier Regionen im Land sollen Lolly Pool PCR Tests als Pilotprojekt zum Einsatz kommen. Sie sind laut Martin sicherer als Antigen-Schnelltests. Bei Lolly Pool PCR Tests werden alle Proben im Labor gemeinsam - also im Pool - ausgewertet. Erst wenn dieser Pool positiv ist, muss die gesamte Klasse erneut einen PCR Test machen.

 

Kein erwiesener Nutzen der Luftfilter

Die Landesregierung will außerdem zwei Millionen Euro für sogenannte CO2-Ampeln zur Kontrolle der Luftqualität zur Verfügung stellen. Wenn notwendig, können Martin zufolge auch Luftfilter in Schulräumen zum Einsatz kommen. Der Landeselternrat begrüßt den Einsatz, die Landkreise wiederum meinen: bringt nichts, Stoßlüften sei viel effektiver. Auch Professor Emil Reisinger von der Unimedizin Rostock, der die Landesregierung in Corona-Fragen berät, merkt an, dass es nicht erwiesen sei, dass Lüfter das Infektionsrisiko minimieren.

Kritik von Landesopposition

Obendrein gibt es auch noch Kritik von der Landesopposition. Linkenfraktionschefin Simone Oldenburg findet, dass die angekündigten Hilfen wenig tauglich seien und viel zu spät kämen. Zudem sei völlig unklar, ob überhaupt genügend Luftfiltergeräte auf dem Markt sind. Sie sagt weiter, die Kommunen als Schulträger können den Aufwand für das Zwei-Millionen-Euro-Programm nicht tragen, da sie ohnehin coronabedingt schon am Limit seien. Dieser Aktionismus, so Oldenburg, könne in einem ähnlichen Desaster enden wie das Bereitstellen und Nutzen digitaler Endgeräte. Auch dort hake es ihrer Meinung nach noch gewaltig. Auch Jens-Holger Schneider, schulpolitischer Sprecher der AfD, fürchtet, die Landesregierung setze lediglich ihre Erlass-Politik fort, anstatt verlässlich Unterricht zu ermöglichen.

Impfangebot für Schüler und Lehrkräfte

Eine weitere Säule für die Rückkehr in den Präsenz-Unterricht sind Impfangebote für Schülerinnen und Schüler ab 16 Jahren und für ungeimpfte Lehrkräfte. Viele hätten das Impfangebot aber angenommen. "Der Impfschutz der Erwachsenen an Schulen ist von allerhöchster Wichtigkeit," sagte Martin. Sie betonte erneut, dass es auch wichtig sei, dass die Eltern sich impfen lassen. In der ersten Woche nach den Sommerferien soll an den Schulen und bei den Eltern abgefragt werden, welche Jugendlichen sich impfen lassen wollen. Für die 62.000 betroffenen Schüler an den mehr als 400 Schulen im Land stünden 50 mobile Impfteams zur Verfügung. Für die Berufsschüler ab 16 Jahren wurde zwei Wochen vor den Sommerferien eine Impfaktion durchgeführt. Diese soll nach den Ferien weitergeführt werden.

Nachhilfeangebote nicht immer zielführend

Damit Schüler, die viel Unterrichtsstoff verpasst haben, nicht den Anschluss verlieren, hatte das Bildungsministerium Aktionsprogramme aufgelegt, zum Beispiel für Nachhilfe in den Schulferien. Dieses Angebot wurde nur schleppend angenommen. Die Schulen und Bildungsträger mussten das in Eigenregie kurzfristig auf die Beine stellen, etwa Nachhilfe in kleinen Gruppen organisieren. Das habe nicht überall funktioniert, monierten die Nachhilfeanbieter, weil es einfach viel zu knapp gewesen sei. Für Einzelunterricht wären die Mittel des Landes nicht ausreichend gewesen. Funktioniert habe es da, wo die Schulleitung schnell und flexibel reagiert und extra Räume organisiert hat.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 20.07.2021 | 16:00 Uhr

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