Stand: 20.11.2019 20:43 Uhr

Land plant neues Krebszentrum an Uni-Kliniken

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

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Mit einem Krebszentrum sollen sich auch die Behandlungsmöglichkeiten im Land verbessern. (Symbolbild)

Mecklenburg-Vorpommern will den Kampf gegen den Krebs verstärken. An den beiden landeseigenen Universitätskliniken in Rostock und Greifswald soll nach Informationen von NDR 1 Radio MV ein gemeinsames onkologisches Spitzenzentrum entstehen. Für Tumorpatienten wäre das eine Verbesserung des bisherigen Angebots. Das Ziel: Eine intensivere Forschung und stärkere Zusammenarbeit soll auch die Behandlungsmöglichkeiten verbessern.

Klinikleitungen bemängeln fehlende Dachstruktur

Bundesweit gibt es bisher 23 dieser speziellen Krebszentren (Cancer Comprehensive Center, kurz: CCC). Mecklenburg-Vorpommern gehört neben Brandenburg und dem Saarland zu den wenigen Bundesländern ohne CCC. Allgemeine Krebsbehandlung beschränkt sich im Nordosten auf die beiden Universitätskliniken, die Heliosklinik in Schwerin und das Südstadtklinikum in Rostock. In einem Papier "Exzellenz gegen Krebs", das die Spitzen der Universitätskliniken am vergangenen Dienstag bei einem internen Informationsabend für Landtagsabgeordnete verteilt haben, heißt es: "Die fehlende gemeinsame Dachstruktur erschwert eine gute, standortübergreifend abgestimmte interdisziplinäre Versorgung." Bisher würden sich die Experten an den beiden Standorten der Unikliniken "nicht strukturiert" austauschen. Eine Abstimmung der Behandlungsstrategien gegen Krebs erfolge ebenfalls "nicht strukturiert".

Kosten von zwei Millionen Euro pro Jahr veranschlagt

In den Augen der Vorstände beider Universitätskliniken macht das ein Anti-Krebs-Spitzenzentrum um so nötiger - hier könnten neueste Erkenntnisse zum Wohle des Patienten umgesetzt werden. Ein onkologisches Spitzenzentrum könne die unterschiedlichen Abteilungen vernetzen, heißt es in dem Papier, die fächerübergreifende Versorgung der Krebspatienten würde "weiter gestärkt". Neben der Forschung und Patientenversorgung sei ein CCC mit seiner "Leuchtturmfunktion" ein wichtiger Standortfaktor, der Fachkräfte anziehen würde. Auf jeden Fall müsse das Spitzenzentrum "für jeden Bürger erreichbar sein". Eine Kostenaufstellung für die zusätzliche Leitungs- und Professorenstellen haben die beiden Unikliniken ebenfalls vorgestellt - danach würde das CCC an beiden Standorten zusammen rund zwei Millionen Euro pro Jahr kosten. Offen bleibt allerdings, mit welcher Summe das jeweilige "Haus der Onkologie" in Rostock und Greifswald zu Buche schlägt.

Weiter steigende Zahl von Krebserkrankungen erwartet

Die Mediziner werben auch mit Blick auf alarmierende Zahlen eindringlich für ihren Plan: In Mecklenburg-Vorpommern gibt es immer mehr Krebserkrankungen, pro Jahr waren es zuletzt trotz sinkender Bevölkerung rund 11.000 Neuerkrankungen, in Ostdeutschland hat Mecklenburg-Vorpommern laut Krebsregister die höchste Fallrate pro 100.000 Einwohner - die Mediziner rechnen angesichts der älterwerdenden Bevölkerung mit steigenden Zahlen. SPD und CDU, Linke und AfD signalisierten Unterstützung - möglicherweise spielt das CCC noch in den aktuellen Haushaltsberatungen eine Rolle.

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Onkologisches Spitzenzentrum "sehr erstrebenswert"

Der AfD-Abgeordnete Gunther Jess sagte: "Bei der Krebsforschung und der Krebsprävention muss etwas passieren". Mecklenburg-Vorpommern sei eines der letzten Bundesländer ohne CCC. Es werde Zeit, "dass wir so etwas aufbauen". Auch die SPD steht hinter den Plänen, ihr Gesundheitsexperte Julian Barlen nannte ein onkologisches Spitzenzentrum "sehr erstrebenswert", die Koalition werde auch für die "notwendigen finanziellen Rahmenbedingung sorgen." Was das konkret heißt, ließ Barlen offen.

"Forschung von heute ist die Behandlung der Zukunft"

Zustimmung kommt ebenso vom CDU-Abgeordnete Bernhardt Wildt. Es gehe um Spitzenforschung in Mecklenburg-Vorpommern. "Die Forschung von heute ist die Behandlung der Zukunft", so Wildt. Wichtig sei ein besserer internationaler Austausch und die Teilnahme an großen Krebsstudien. Das gehe nur, wenn die beteiligte Klinik eine gewisse Größe und Patientenzahl aufweise, so Wildt. Sein Fraktionskollege Sebastian Ehlers sagte, es gehe um die "bestmögliche individuelle Behandlung in unserem Bundesland".

Fraktionsübergreifender Antrag angekündigt

Der Gesundheitsexperte der Linksfraktion, Torsten Koplin, kündigte einen fraktionsübergreifenden Antrag an. Der Landtag müsse klar machen, dass er das Anliegen unterstützte, sagte Koplin. Er verwies auf eine Studie des Prognos-Instituts zur onkologischen Forschung. Aus der gehe hervor, dass ein CCC dauerhaft etwa elf Millionen Euro pro Jahr koste. Koplin meinte, dass Geld sei auch angesichts der alarmierend steigenden Krebserkrankungen gut angelegt. Hier müsse das Land handeln.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 20.11.2019 | 20:00 Uhr

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