AfD-Abgeordneter Weber. © Screenshot Nordmagazin

"Kriminelle Gurken": Weber startet Schlammschlacht in der AfD

Stand: 08.09.2021 10:36 Uhr

Jetzt wird richtig schmutzige Wäsche gewaschen in der Landes-AfD in Mecklenburg-Vorpommern. Keine drei Wochen vor der Landtagswahl feuert der geschasste AfD-Abgeordnete Ralph Weber gegen die eigenen Leute. Auf seiner öffentlichen Facebook-Seite nennt der Parlamentarische Geschäftsführer der Landtagsfraktion die Kandidatenliste eine "Gurkentruppe" - und er nennt erstmals Namen.

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Normalerweise attackieren Parteien den politischen Gegner, der AfD-Mann Weber nimmt sich seine Parteifreunde vor. Dem Landtagsabgeordneten Jens-Holger Schneider (Listenplatz 13) aus Schwerin und dem Kandidaten Robert Schnell, AfD-Fraktionschef im Kreistag Mecklenburgische Seenplatte (Listenplatz 15), wirft er vor, nicht integer zu sein und als Bewerber um ein Mandat nicht zu taugen. Er listet die beiden auf seiner Facebook-Seite unter der Rubrik "kriminelle Gurken" auf.

Weitere Informationen
Ein Balkendiagramm vor Flagge von Mecklenburg-Vorpommern und einer Wahlurne. © Fotolia.com, iStockphoto Foto: Martina Berg, ericsphotography

Bundes- und Landtagswahl in MV 2021

Nachrichten, Hintergründe, Analysen und Porträts: In unserem Dossier sammeln wir alle Meldungen zum Superwahljahr in MV. mehr

AfD-Kandidaten als Autoschieber und Inkasso-Abzocker

Schneider habe mit gestohlenen Autos gehandelt und sie nach Griechenland verschoben und dafür in dem Land in Haft gesessen. Außerdem sei er bei NPD-Demonstrationen mitgelaufen. Schnell habe als Chef einer Inkassogesellschaft Klein-Unternehmer einen Eintrag in ein Internet-Branchenbuch angeboten - verbunden mit horrenden Nebenkosten. Auf seiner Facebook-Seite rückt Weber den 34-jährigen Schnell in die Nähe von dubiosen Abzockern. Die Vorwürfe gegen die beiden sind nicht neu, über sie wurde bereits berichtet. Die Vorgänger liegen Jahre zurück. Weber wärmt die Sachen jetzt quasi noch einmal auf.

Weber hat mit Landesverband gebrochen

Seine "Enthüllungen" hat Weber offenbar mit dem Ziel veröffentlicht, der AfD maximal zu schaden. Der Greifswalder Jura-Professor hat mit dem Landesverband gebrochen, seitdem er bei der Kandidatenaufstellung auf dem Parteitag gescheitert ist und seitdem er auch seine Kandidatur für seinen Direktwahlkreis in Wolgast/Usedom verloren hat. Dem Landesvorstand um Parteichef Leif-Erik Holm wirft er seit Monaten ein diktatorisches Verhalten vor. Weber tritt jetzt offensichtlich nach, in der Partei wird das als massives Frustfoul gesehen.

Betroffene wollen rechtliche Schritte einleiten

Die beiden Betroffenen wehren sich. Der Abgeordnete Schneider erklärte, er sei seinerzeit 2003 nicht verurteilt worden. Das Verfahren gegen ihn sei eingestellt worden, er habe kein Vorstrafenregister. Schneider will Webers Vorwürfe auch deshalb nicht einfach hinnehmen: "Ich schalte einen Anwalt ein, Webers Behauptungen sind voller Unwahrheiten", sagte Schneider dem NDR. Auch Robert Schnell, der Landeschef der vom Verfassungsschutz beachteten "Jungen Alternative" (JA) ist, will gegen Weber rechtlich vorgehen. Schnell sieht seine Persönlichkeitsrechte verletzt. Als Rechtsprofessor müsste es Weber eigentlich besser wissen, mit seinen Vorwürfen öffne Weber "Tür und Tor", rechtlich dagegen vorzugehen.

Schnell erklärte, die Firma, für die er tätig gewesen sei, habe "niemals" Angebote für Branchenbucheinträge verschickt. Das sei durch einen bereits Verurteilten Jahre vorher geschehen. In seinem Fall, so Schnell, sei es nicht um Betrug, sondern um eine mögliche Markenrechtsverletzung gegangen. Ob Schnell - wie Weber behauptet- eine Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung von 20.000 Euro bewirkte, blieb offen.

Weber: "Würde mich über juristische Auseinandersetzung freuen"

Fraglich ist, ob Weber sich von der Gegenwehr beeindrucken lässt. Dem NDR sagte er: "Ich würde mich über eine juristische Auseinandersetzung sehr freuen." Er habe nichts Unwahres behauptet. Weber hat eine weitere Attacke gegen die "Gurkentruppe" der AfD-Kandidaten angekündigt. Offenbar will er die in einer lockeren Serie auf seiner Facebook-Seite veröffentlichen. Keine drei Wochen vor der Wahl wirft die Schlammschlacht einen Schatten auf den Wahlkampf der AfD. Die Parteispitze hat sich bisher nicht geäußert. Sie hat gegen Weber bereits vor Wochen ein Parteiausschlussverfahren eingeleitet.

Weitere Informationen
AfD-Abgeordneter Weber. © Screenshot Nordmagazin

AfD: Weber verliert Machtkampf um Direktkandidatur

Der AfD-Rechtsaußen unterlag bei einer Abstimmung des Kreisverbands über den Landtagsdirektkandidaten für Usedom. Zuvor war Weber nicht auf die Landesliste gewählt worden. mehr

Der AfD-Landtagsabgeordnete Ralph Weber sitzt im Plenarsaal des Schweriner Landtags. © NDR

AfD-Spitze will Weber rauswerfen

Der Dauerstreit in der Landes-AfD geht in eine neue Runde. Der Landesvorstand will den umstrittenen Landtagsabgeordneten Ralph Weber aus der Partei werfen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 08.09.2021 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

Eine KI-Wissenschaftlerin des Landeskriminalamt Niedersachsen arbeitet an Computerbildschirmen. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Cyberangriff: Auswirkungen auch auf andere Landesteile

Nach der Attacke auf die Server eines IT-Dienstleisters ist klar, dass neben der Stadt Schwerin und dem Kreis Ludwigslust-Parchim auch Wismar und Stralsund betroffen sind. mehr