Stand: 10.01.2020 19:12 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Kindeswohl gefährdet? Rostock schließt zwei Kitas

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Rund 60 Kinder aus der Kita "Gutshaus" in Rostock Dierkow werden nun in benachbarten Einrichtungen in Dierkow und Toitenwinkel untergebracht.

Die Stadt Rostock hat zwei Kitas in den Stadtteilen Warnemünde und Dierkow die Betriebserlaubnis entzogen. Das teilte die Stadt am Mittwochabend mit. Hintergrund sind Ermittlungen gegen den Geschäftsführer als pädagogischen Leiter beider Einrichtungen wegen des Verdachts der Kindeswohlgefährdung. Nach Angaben des Sprechers der Rostocker Staatsanwaltschaft, Harald Nowack, geht es um drei Körperverletzungen und 16 Verstöße gegen die Fürsorgepflicht.

Vorwürfe teilweise bis zu fünf Jahre alt

Konkrete Beispiele nannte Nowack mit Hinweis auf laufende Ermittlungen nicht. Einige der Vorwürfe liegen bis zu fünf Jahre zurück, Der Tatzeitraum beziehe sich auf die Zeit von 2015 bis 2019. Kenntnis der Staatsanwaltschaft sei erst im letzten Jahr eingetreten.

Stadt: Kinderschutz in beiden Kitas nicht gewährleistet

Das Jugendamt hat nach Angaben eines Stadtsprechers erheblichen Grund zu der Annahme, dass der Kinderschutz in der Kita "Wiesenzwerge" in Warnemünde und im "Gutshaus" Dierkow nicht ausreichend gewährleistet sei. Das Jugendamt sei per Gesetz dazu verpflichtet zu garantieren, dass es zu keiner Gefährdung des Kindeswohls in Kindertagesstätten kommt, erklärte Rostocks Sozialsenator Steffen Bockhahn (Die Linke). "Im Falle des weiteren Betriebes der beiden Kindertagesstätten kann diese Garantie aus derzeitiger Sicht leider nicht mehr gegeben werden", so Bockhahn weiter.

Kinder können in anderen Kitas betreut werden

Für die 17 Kinder aus der Kita "Wiesenzwerge" in Warnemünde wurde ein Kindergarten in Lichtenhagen gefunden, der die Jungen und Mädchen betreuen wird. Die etwa 60 Kinder der Einrichtung "Gutshaus" in Dierkow hat das Rostocker Jugendamt kurzfristig drei Kindergärten in Dierkow und Toitenwinkel gefunden, die die Betreuung übernehmen. An dauerhaften Lösungen werde gearbeitet, hieß es. Die Träger müssen bei der Stadt eine neue Betriebserlaubnis beantragen. Ob sie die Voraussetzungen erfüllen, muss anschließend geprüft werden. Dies könne mehrere Monate dauern, hieß es. Der Geschäftsführer des Kita-Betreibers Sozialer Ring Rostock hat sich auf Anfrage von NDR 1 Radio MV und dem Nordmagazin bisher nicht geäußert.

Einige Eltern protestieren gegen Schließungen

Einige Eltern der Kita "Wiesenzwerge" reagierten auf die Schließungen mit Unverständnis und Protesten vor der Einrichtung. "Es stehen Vorwürfe im Raum, die keiner der Eltern, die hier sind, bestätigen können", sagte ein Vater eines Kita-Kindes dem NDR. "Da sind wir uns in der gesamten Elterngruppe einig." Sozialsenator Bockhahn führte am Morgen Gespräche mit einigen Eltern. Im Gespräch mit NDR 1 Radio MV räumte er ein, dass es bei Einigen Unverständnis gebe. "Selbstverständlich gibt es auch Eltern, die ihre Kinder gern dorthin geschickt haben. Aber es gibt eben auch eine ganze Reihe von Eltern, die uns auch heute noch gesagt haben: Gut, dass Sie gehandelt haben. Wir möchten Ihnen noch Dinge berichten, die hier passieren", so Bockhahn.

Bockhahn: "Wir mussten handeln"

Bockhahn betonte, dass es gute Gründe für die Maßnahmen gebe - ohne Einzelheiten zu nennen. Auch sei die Verwaltung schon vor Monaten tätig geworden, nachdem sie erste Hinweise auf ein Fehlverhalten bekommen habe. So seien angemeldete und unangemeldete Hospitationen sowie Elterngespräche durchgeführt und Belehrungen ausgesprochen worden. "Im Ergebnis sind wir aber leider nicht zu der Auffassung gekommen, dass es geholfen hat. Und deswegen mussten wir jetzt, nachdem einige neue Erkenntnisse vorlagen, handeln."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 09.01.2020 | 19:30 Uhr

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