Stand: 04.05.2020 14:00 Uhr

Hoher Schaden nach Kranunfall, aber keine Umweltbelastung

Nach dem Kranunfall am Sonnabendnachmittag im Rostocker Überseehafen geht die Polizei von einer Schadenshöhe von 50 bis 100 Millionen Euro aus. Ein Sprecher des betroffenen Kranherstellers Liebherr sagte hingegen, zur Schadenshöhe bislang nichts sagen zu können. Bei dem Unfall auf dem Liebherr-Gelände wurden nach neuesten Erkenntnissen insgesamt zwölf Personen verletzt, die meisten von ihnen leicht. Ursache könnte nach derzeitigem Ermittlungsstand ein Materialfehler gewesen sein. Bislang sind keine großen Umweltschäden festgestellt worden.

Polizei: Kran nach hinten übergekippt

Der Haken des Krans sei während des Anhebens gebrochen, sagte ein Polizeisprecher. Der auf dem Schiff "Orion" montierte Schwerlastkran sollte bei einem Test einen 5.500 Tonnen schweren Ponton anheben, der neben der "Orion" im Wasser lag. Als vermutlich der Haken brach, schnellte der nahezu senkrecht stehende Ausleger des Krans nach hinten weg und schlug auf dem Schiff sowie der Kaikante auf. "Der Kran stand unter extremer Spannung. Durch den ruckartigen Abriss ist der Kran nach hinten übergekippt", so der Sprecher weiter.

Hafenbecken für Schifffahrt wieder frei

Die Verletzten befanden sich während des Unglücks im Führerhaus des Krans. Zwei von ihnen mussten im Krankenhaus behandelt werden. Möglicherweise wurden sie durch einen kräftigen Stoß beim Aufprall des Auslegers verletzt, hieß es. Weitere 120 Personen an Bord des Schiffes blieben unverletzt. Einem Hafensprecher zufolge ist der Schiffsverkehr im entsprechenden Hafenbecken B mittlerweile wieder möglich - wenn auch mit ein paar Einschränkungen.

Vorbeifahrende Schiffe müssen die Unfallstelle weiträumig umfahren, einige Bereiche an der Westseite des Beckens seien weiterhin gesperrt. Außerdem gelte eine Größenbeschränkung. Polizei und Feuerwehr waren mit einem Großaufgebot vor Ort. Ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung sei eingeleitet worden, hieß es. Es gebe keine größeren Umweltschäden, sagte Hafenkapitän Falk Zachau NDR 1 Radio MV. Es sei insgesamt nur etwa ein Eimer Öl ins Wasser gelangt.

Bereits im Januar waren Kräne beim Verladen umgestürzt

Der havarierte Kran sollte für die Montage von Offshore-Anlagen eingesetzt werden. Nach Angaben von Liebherr erreichen die Ausleger der Baureihe eine Höhe von bis zu 180 Metern, die Ausleger können einen Radius von bis zu 160 Metern abdecken. In 30 Metern Entfernung von der Standsäule des Krans soll er bis zu 5.000 Tonnen tragen können.

Erst Ende Januar dieses Jahres waren im Rostocker Seehafen zwei 440 Tonnen schwere Mobilkräne beim Verladen auf ein Spezialschiff ins Hafenbecken gestürzt. Dort lagen sie mehr als fünf Wochen lang, bis ein spezieller Schwimmkran aus den Niederlanden die Maschinen bergen konnte.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 04.05.2020 | 14:00 Uhr

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