Michael Sack (CDU), Landrat im Landkreis Vorpommern-Greifswald

Güstrow: Landes-CDU kürt ihren Spitzenkandidaten

Stand: 06.03.2021 06:41 Uhr

Knapp sieben Monate hat die CDU noch Zeit, die SPD in den Umfragen einzuholen. Die Landtagswahl will sie mit ihrem Landesvorsitzenden Michael Sack gewinnen. In Güstrow soll er zum Spitzenkandidaten gewählt werden.

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Ehrgeizig hatte Michael Sack bei seiner Wahl zum neuen CDU-Landesvorsitzenden im vergangenen August seinen Machtanspruch formuliert. "Ich möchte Ministerpräsident dieses Landes werden", sagte Sack an dem heißen Sommerabend in der Sport- und Kongresshalle Güstrow. An gleicher Stelle will sich der 47-Jährige heute zum Spitzenkandidaten seiner Partei für die Landtagswahl am 26. September küren lassen. Sieben Monate nach seiner Wahl zum Parteivorsitzenden gilt der Landrat des Kreises Vorpommern-Greifswald landesweit aber noch immer als weitgehend unbekannt - vor allem im Vergleich zu Amtsinhaberin Manuela Schwesig (SPD), der Frau, die er herausfordert und der er bei seiner Kür zum Parteichef den Fehdehandschuh hinwarf. "Ich will, dass Frau Schwesig die Koffer packt", sagte Sack im August. Und dazu müsse die CDU stärkste Fraktion werden.

Sack gibt sich zuversichtlich

Die Regierungschefin muss bisher aber einen Auszug aus ihrer Staatskanzlei eher nicht befürchten. In Umfragen liegt Sacks CDU hinter der Schwesig-SPD. Sack gilt als zurückhaltend, manchen in der Partei sogar als schüchtern und leisetreterisch. Seine Auftritte in den sozialen Medien wirken unbeholfen und steif. Als Hypothek schleppt der Landrat außerdem die hohen Corona-Zahlen in seinem Landkreis mit. In der SPD werden sie nicht müde, ihm deshalb schlechtes Management vorzuhalten. Der Kandidat selbst meint, im Wahlkampf werde sich das alles noch ändern, auch die Sache mit der Bekanntheit. Sack macht auf zuversichtlich.

Ohne Schnelltest keine Abstimmung

Bevor die 150 Delegierten in Güstrow überhaupt abstimmen, müssen sie sich einem Schnelltest unterziehen. Der Parteitag läuft unter Pandemie-Bedingungen ab, Zutritt gibt es nur mit negativem Ergebnis - die Tests stellt die Partei. Mit Maske und Mindestabstand bestimmen die Delegierten in Güstrow auch die Reihenfolge der übrigen Listenkandidaten. Die vorderen Plätze sind für einen Einzug in den Landtag am aussichtsreichsten. Die Parteigranden wie Fraktionschef Wolfgang Waldmüller, Innenminister Torsten Renz oder sein Kabinettskollege Harry Glawe werden deshalb für Platzierungen ganz vorne gehandelt. Fraglich ist, wie viele Frauen die Union unter die ersten zehn wählt. Frauen haben es traditionell schwer in der Landes-CDU. Als gesetzt gelten Justizministerin Katy Hoffmeister und Landtags-Vizepräsidentin Beate Schlupp.

Merkel kommt nicht nach Güstrow

In Güstrow bestimmt die CDU auch ihre Kandidaten für die Bundestagswahl, die zeitgleich zur Landtagswahl stattfindet. Kanzlerin Angela Merkel tritt nicht mehr an - sie führte als Direktkandidatin in Vorpommern die Liste in den vergangenen Jahren stets an. Merkel zieht sich zurück, sie verzichtet auch auf eine Anwesenheit beim Parteitag ihres Heimatverbandes. Der Streit um den richtigen Umgang mit Flüchtlingen scheint sie von "ihrer" Landes-CDU entfremdet zu haben, unvergessen sind die Attacken aus den Reihen des konservativen Kreises.

Rehberg und Caffier nehmen Abschied

Es sind ohnehin Wochen und Monate des Abschieds in der Landes-CDU. Die prägende CDU-Gestalt Eckhardt Rehberg - der einmal Ministerpräsident werden wollte - hört ebenfalls auf - nach mehr als 30 Jahren in Spitzenpositionen in Bund und Land. Auch ein anderer wird nicht mehr dabei sein. Ex-Innenminister Lorenz Caffier tritt nicht wieder für den Landtag an. Das hatte er schon vor seinem Rücktritt als Minister im vergangenen November angekündigt. Sang- und klanglos geht Karin Strenz, die knapp vier Jahre nach Bekanntwerden ihrer fragwürdigen Aserbaidschan-Verbindungen skandal-geschüttelt an ihrem Mandat festgehalten hat und jetzt in Politik-Rente geht.

Jüngere Politiker rücken nach

Im Hintergrund haben sich die "Neuen" schon warmgelaufen. Drei junge Berufspolitiker rücken auf: Auf Bundesebene ist das der Jurist Philipp Amthor aus Ueckermünde, der im vergangenen Sommer noch wegen einer Lobby-Affäre das Rennen um den CDU-Landesvorsitz verlor. Im Landtag gehören Franz-Robert Liskow und Sebastian Ehlers zu denen, die auf der Postenleiter die unteren Stufen schon erklommen haben. Ehlers kandidiert im Wahlkreis Schwerin direkt gegen Ministerpräsidentin Schwesig. Seine Chancen sind noch schlechter als die von Michael Sack als Spitzenkandidat: Schwesigs SPD sitzt in Schwerin fest im Sattel.

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