Stand: 16.01.2020 17:24 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Führungskrise bei den MV-Grünen

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

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Ulrike Berger und Claudia Schulz sind die erste weibliche Doppelspitze in MV. Jetzt gibt es parteiinterne Kritik an ihrer Arbeit.

Bei den Grünen in Mecklenburg-Vorpommern kriselt es: Teile des Landesvorstandes müssen vorzeitig neu gewählt werden, da drei von neun Vorstandsmitgliedern ihre Ämter überraschend niederlegt haben. Offenbar aus Frust über Unstimmigkeiten im Spitzenteam sind Jana Klinkenberg, Anne Shepley und Frederike Peters bereits im vergangenen Dezember zurückgetreten. Es sei - so heißt es in einem Brief, der in der Partei kursiert - "nicht ansatzweise gelungen", im Landesvorstand Kräfte zu bündeln und Strategien zu erarbeiten.

Vorwurf: Führungsschwäche

Das Trio beklagt, dass man nicht zu effektiver Teamarbeit zusammengefunden habe, um auch in der Öffentlichkeit Themen-Schwerpunkte zu setzen. Das ist in ihren Augen aber vor allem mit Blick auf die Landtagswahl "in nicht einmal mehr zwei Jahren" nötig. Auch wenn die drei die Landesvorsitzenden Ulrike Berger und Claudia Schulz nicht nennen, werden Rücktritt und Brief parteiintern als Kritik an dem Spitzenduo verstanden. Den beiden wird Führungsschwäche vorgeworfen, öffentlich seien sie zu wenig wahrnehmbar. Möglicherweise spielen auch alte Rechnungen eine Rolle: Jana Klinkenberg, eine aus dem Trio, war bei der Vorsitzenden-Wahl im Oktober 2018 mit 41 zu 50 Stimmen gegen Schulz gescheitert.

Vorstandswahlen im August?

Schulz sagte, die Rücktritte seien bedauerlich, sie hätte gerne weiter mit allen zusammengearbeitet. Der Vorstand sei aber dennoch arbeitsfähig. Trotzdem sollen die Vorstandswahlen auf den August vorgezogen werden. Auf einem Parteitag in Güstrow, bei dem es ursprünglich um die Kandidaten-Aufstellung für die Bundestagswahl ging, sollen die drei vakanten Posten nachgewählt werden. "So ist der Stand", sagte Schulz. Schulz weiß aber auch, dass sich daran noch etwas ändern könnte: Denn die drei "Neuen" wären nur drei Monate im Amt, da schon im November auf einem weiteren planmäßigen Parteitag der komplette Vorstand neu gewählt wird. Intern gibt es bereits Überlegungen, den Vorstand deshalb schon im August komplett zu wählen. Das neue Führungsteam könnte dann die Auswahl der Kandidaten für die Landtagswahl 2021 begleiten.

Gerangel um Listenplätze

Hinter den Kulissen gibt es schon jetzt Gerangel um die vorderen, aussichtsreichen Listenplätze um eine Abgeordenten-Karriere. Die Grünen sind in den vergangenen Jahren vergleichsweise schnell gewachsen. "Wir stehen vor der 1.000er-Grenze", erklärte Schulz, aktuell zähle der Landesverband 985 Mitglieder. Das zurückgetretene Trio hat in seinem Brief auch klargemacht, dass es weiter dabei bleiben wolle. "Wir brennen dafür, Grün in MV zu verankern. Daher werden wir uns natürlich auch weiterhin aktiv mit unseren Ideen und Themen einbringen - an neuer oder anderer Stelle".

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 27.10.2019 | 18:00 Uhr

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