Stand: 13.01.2018 16:35 Uhr

700 Greifswalder demonstrieren "pro Arndt"

Im seit mehr als einem Jahr schwelenden Streit um den Namen der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald haben die Arndt-Befürworter am Sonnabend ihre Anhänger mobilisiert. Nach Veranstalter-Angaben demonstrierten rund 700 Menschen gegen die Streichung des Namenszusatzes "Ernst Moritz Arndt". In der kommenden Woche will der Uni-Senat erneut darüber abstimmen, nachdem er im Januar 2017 die Ablegung des Namens bereits beschlossen hatte, die Entscheidung jedoch vom Bildungsministerium wegen formaler Mängel nicht anerkannt worden war.

"Anschlag auf unsere Demokratie und Freiheit"

Die Demonstrationsteilnehmer bildeten eine Gasse zum Marktplatz, durch die zwei Männer verkleidet als Ernst Moritz Arndt und Caspar David Friedrich hindurchgingen. Mit diesem symbolischen Akt wollten die Arndt-Befürworter die Bedeutsamkeit des Namensgebers der Universität noch einmal in den Vordergrund stellen. Im Anschluss sprachen mehrere Redner. Die Ablegung des Namens sei ein "Anschlag auf unsere Demokratie und Freiheit", sagte der CDU-Politiker Sascha Ott. "Arndt war ein Politiker mit Rückgrat."

Der in Pommern geborene Arndt (1769-1860), Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung und Kämpfer für ein einheitliches Deutschland, ist wegen nationalistischer und antisemitischer Äußerungen umstritten. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor warf den Arndt-Gegnern Geschichtsklitterung vor und forderte die Senatoren auf, den Namenstreit beizulegen. Der pensionierte Bürgermeister von Greifswald, Arthur König (CDU), sagte, die Universität sei auch mit dem Namen weltoffen. "Es gibt keinen zwingenden Grund, den Namen abzulegen."

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Universitätssenat stimmt am Mittwoch erneut ab

Am Mittwoch will der Greifswalder Uni-Senat erneut darüber abstimmen, ob der Namenszusatz abgelegt werden soll. Sollte dieser Antrag scheitern, kommen zwei Kompromissanträge zur Abstimmung: Universität Greifswald mit dem optionalen Zusatz "Ernst Moritz Arndt" beziehungsweise der Beibehaltung des bestehenden Namens mit der Option, auf Universität Greifswald zu verkürzen. Sollten alle drei Anträge an der Zwei-Drittel-Mehrheit scheitern, bliebe es bei der bestehenden Bezeichnung.

Umfrage: Mehrheit für Arndt

Ende November hatte die Universität eine nicht rechtsverbindliche Umfrage zum Namenspatron in Auftrag gegeben, an der rund ein Drittel der etwa 15.100 Universitätsmitglieder teilnahm. 49 Prozent der Professoren, wissenschaftlichen und Verwaltungsmitarbeiter sowie Studenten hatten sich für die Beibehaltung des Namens ausgesprochen, mehr als ein Drittel war dagegen. Für rund 15 Prozent waren beide Varianten gleichermaßen akzeptabel. In einer später durchgeführten studentischen Urabstimmung lagen die Arndt-Gegner knapp vor den Arndt-Befürwortern. Allerdings soll die Wahlbeteiligung nur bei rund 15 Prozent gelegen haben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 13.01.2018 | 15:00 Uhr

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