Stand: 13.03.2019 14:42 Uhr

Getöteter Rentner in Wittenburg: Anklage erhoben

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Der 85-Jährige wurde in seinem Haus laut Ermittlern mit einem Messer getötet. (Archivbild)

Die Staatsanwaltschaft Schwerin hat Anklage gegen einen 24-jährigen Asylbewerber aus Afghanistan erhoben. Er soll Mitte November vergangenen Jahres einen 85-jährigen Mann in Wittenburg (Landkreis Ludwigslust-Parchim) getötet haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm heimtückischen Mord vor.

Tat löste große Betroffenheit aus

Der Mann habe die Wehrlosigkeit des Rentners ausgenutzt, als er ihn im Schlaf getötet habe, so die Anklage. Die Tat hatte in der 6.000-Einwohner-Stadt große Betroffenheit ausgelöst. Nach den bisherigen Ermittlungen sei der Angeklagte in der Nacht in das Schlafzimmer des Opfers gegangen und habe den Rentner mit einem Messer ermordet.

Motiv weiter unklar

Das Motiv sei noch unklar, da der Verdächtige bislang zur Tat schweige. Indizien und frühere Aussagen des Angeklagten ließen auf ein persönliches Motiv schließen. Anhaltspunkte für eine politisch oder religiös motivierte Tat hätten sich im Zuge der Ermittlungen nicht ergeben.

Der Angeklagte lebte im Raum Zwickau in Sachsen und sollte kurzzeitig im Haushalt des pflegebedürftigen Rentners aushelfen. Ein weiterer Betreuer, der ebenfalls im Haus wohnte, soll die Tat über ein Babyfon mit Kamerafunktion beobachtet haben.

Opfer und Beschuldigter kannten sich

Der Tatverdächtige war laut Staatsanwaltschaft mit dem Opfer persönlich bekannt und im August 2018 eine Woche lang mit der Pflege des Rentners betraut gewesen. Die Tochter des Opfers, die sich in der Region Zwickau in der Flüchtlingshilfe engagiert, habe ihn vermittelt. Kurz vor der Tat war der in einer Flüchtlingsunterkunft lebende Beschuldigte nach Wittenburg gereist, wo er im Haus des Opfers lebte. Er sollte dort Reparaturarbeiten ausführen.

Lebenslange Haft droht

Am Alter des Angeklagten, das laut Personaldokument bei 20 Jahren lag, hatte es erhebliche Zweifel gegeben. Bei seinem Asylverfahren in Chemnitz hatte der Verdächtige den Ermittlungen zufolge sein Alter mit 24 Jahren angegeben. Eine Altersfeststellung durch einen Gutachter in der Untersuchungshaft ergab laut Staatsanwaltschaft, dass er "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" über 21 Jahre alt ist. Damit wäre eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht nicht mehr möglich.

Dem Angeklagten droht im Fall einer Verurteilung eine lebenslange Haftstrafe. Der Prozess findet am Landgericht in Schwerin statt. Einen Termin für den Auftakt gibt es noch nicht. Doch muss die Verhandlung zur Wahrung der sechsmonatigen Frist spätestens Mitte Mai beginnen.

Weitere Informationen

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19.11.2018 16:00 Uhr

Der in Wittenburg getötete Rentner ist laut Obduktion an seinen schweren Halsverletzungen gestorben. Durfte sich der Tatverdächtige - ein abgelehnter Asylbewerber - überhaupt in MV aufhalten? mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 13.03.2019 | 08:30 Uhr

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