Stand: 10.12.2019 17:29 Uhr

Geburtsstation Crivitz: Land will nachverhandeln

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) spricht vor der Staatsklanzlei zu Protestierenden gegen die Schließung der Geburtenstation in Crivitz. © ndr.de Foto: ndr.de
Vor der Staatskanzlei in Schwerin sprach Schwesig vor etwa 100 Demonstranten.

Für die von der Schließung bedrohte Frauen- und Geburtsstation des Krankenhauses in Crivitz zeichnet sich möglicherweise doch noch eine Lösung ab. Die rot-schwarze Landesregierung will mit den zuständigen Krankenhaus-Konzernen nachverhandeln und eine Schließung abwenden. Das kündigte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) nach der Kabinettssitzung am Dienstag an. Danach wurde Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) beauftragt, noch einmal mit Vertretern von Mediclin und Asklepios zu sprechen. "Hier muss es zu einer anderen Lösung kommen", sagte Schwesig nach der Sitzung der Ministerrunde dem NDR Nordmagazin.

Ministerpräsidentin Schwesig hält Entscheidung für falsch

Die Regierungschefin war zuvor auf Distanz zu Glawe gegangen. Sie sei von der am vergangenen Freitag bekanntgewordenen Entscheidung überrascht worden und sie halte sie auch für falsch, sagte Schwesig vor knapp 100 Demonstrierenden an der Staatskanzlei. "Da muss nachgebessert werden", forderte Schwesig kurz vor der Kabinettssitzung, in der die Lage in Crivitz Hauptthema war.

Klinikkonzerne planen Bündelung in Parchim

Die Pläne der Klinikbetreiber Mediclin (Crivitz) und Asklepios (Parchim) sehen vor, dass im Gegenzug zu der Schließung in Crivitz die Geburtshilfe am Asklepios-Krankenhaus in Parchim bestehen bleibt. Die Kinderklinik in Parchim, die wegen Ärztemangels seit einem halben Jahr geschlossen ist, wird zu einer Tagesklinik mit vier Betten. Dort soll eine Betreuung für minderschwere Fälle zwischen 9 und 17 Uhr ermöglicht werden.

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Geburtsstationen rechnen sich nicht

Schwesig hält nichts von den Plänen, die Glawe mit den Gesundheitskonzernen vereinbart hat: Es könne nicht sein, sagte sie, dass Träger Krankenhäuser in Scheiben schneiden und Abteilungen wie die Altersmedizin ausbauen, weil die sich auch finanziell lohnten, Geburtsstationen dagegen, die sich nicht rechnen würden, aber schließen.

Glawe stellt sich vor Krankenhausträger

Gesundheitsminister Glawe erklärte nach der Kabinettssitzung, er werde die Gespräche "in den nächsten Tagen" beginnen. Er sei da "ganz optimistisch, dass wir eine Lösung hinkriegen, die akzeptiert wird". Der Unionspolitiker hatte in der Ministerrunde keine Unterstützer, auch in der CDU-Fraktion sind viele nicht glücklich mit Glawes Alleingang. Angesprochen darauf räumte er ein, "vielleicht war es nicht ganz klug". Der Minister hatte nur wenige Stunden zuvor ebenfalls vor den Demonstrierenden erklärt, er sei bereit die Entscheidung direkt in Crivitz zu erläutern. Wenn die Krankenhausträger nicht reden wollten, dann werde er das tun. Glawe wiederholte, alle Arbeitsplätze blieben erhalten, der Klinikstandort Crivitz werde nicht geschlossen, die Abteilung Altersmedizin werde sogar ausgebaut.

Bürgermeisterin von Crivitz: Schließung bedrohe medizinische Grundversorgung

Die Demonstrierenden, angeführt von der Crivitzer Bürgermeisterin Britta Brusch-Gramm (parteilos), stellte das nicht zufrieden. Die Schließung des Krankenhauses Crivitz sei ohnehin nie Thema gewesen, es gehe vielmehr um die Zukunft der traditionsreichen Geburtsstation. Es sei schade, dass niemand vorher mit den Crivitzern gesprochen habe. Die Entscheidung sei "ein Schlag ins Gesicht" vieler Menschen in der Region. Mit Schließung der Geburtsstation werde ein Loch in die medizinische Grundversorgung der Region gerissen. Brusch-Gramm forderte einen Aufschub von mindestens einem Jahr - in der Zeit könne nach Lösungen gesucht werden, "wie eine weiterhin nahe Geburtshilfe in Crivitz und in Parchim erhalten bleiben kann." Grundproblem sei, dass in der Medizin der Gewinn und nicht der Mensch im Vordergrund stehe.

Landrat Sternberg: "Politik verliert an Vertrauen"

Der Landrat von Ludwigslust-Parchim, Stefan Sternberg (SPD), hält die Schließung der Geburtsstation in Crivitz und der Kinderstation in Parchim ebenfalls für "falsch". Da seien Gespräche nötig. "Wir kriegen das gemeinsam gelöst, wenn wir miteinander reden". Sternberg fürchtet um die politische Stimmung in seinem Landkreis: "Politik verliert gerade viel Vertrauen", so der Landrat. In der Koalition wird immer wieder an die Schließung der Geburtsstation in Wolgast (Landkreis Vorpommern-Greifswald) erinnert. Gegen die 2016 vollzogene Schließung gab es massive Bürgerproteste. Bei der Landtagswahl in dem Jahr holte die AfD in Wolgast ein Direkt-Mandat.

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NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 10.12.2019 | 14:00 Uhr

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