Stand: 18.09.2019 15:15 Uhr

Feuerwehr Neubrandenburg: Häufung von Krebsfällen

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In Neubrandenburg häufen sich Fälle von Krebserkrankungen bei Berufsfeuerwehrleuten. Sie könnten im Zusammenhang mit kontaminierter Kleidung stehen. (Archivbild)

Bei der Berufsfeuerwehr Neubrandenburg sorgt eine Häufung von Krebsfällen für Beunruhigung. Fast jedes Jahr erkrankt ein Mitglied der Berufsfeuerwehr an Krebs. Neun Feuerwehrleute sind seit 2003 daran gestorben. Die Stadt Neubrandenburg will nun zusätzlich rund 200.000 Euro in die Ausrüstung investieren. Dieses Geld soll vor allem dem Gesundheitsschutz dienen. Konkret sollen davon eine Reserve-Kluft für die rund 90 Berufsfeuerwehrleute und ein Fahrzeug für den Transport der Kleidung angeschafft werden.

Feuerwehr.

Häufung von Krebsfällen bei Feuerwehrleuten

Nordmagazin -

Fast jährlich erkrankt ein Mitglied der Berufsfeuerwehr Neubrandenburg an Krebs. Seit 2003 verstarben neun Männer. Ist kontaminierte Kleidung die Ursache?

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"Hier geht es um die Gesundheit"

"Bei Fragen der Sicherheit sollte man nie die Frage des Geldes voranstellen", sagte Neubrandenburgs Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos) NDR 1 Radio MV. "Hier geht es um die Gesundheit, und die steht hoch im Kurs. Wenn es sich um 100.000 oder 200.000 Euro handelt, dann muss man diese Position im Haushalt einstellen", so Witt weiter.

Hinweise, aber keine Beweise

Es gebe deutliche Indizien dafür, dass die Krankheitsfälle mit den Einsätzen zu tun haben könnten. Das bestätigten Witt (parteilos) und Kreiswehrführer Norbert Rieger. Internationale Studien sowie Statistiken anderer Berufsfeuerwehren in Deutschland wiesen darauf hin, dass Zusammenhänge zwischen Krebsfällen und der Brandbekämpfung nicht ausgeschlossen seien. Allerdings gibt noch keine empirische Untersuchungen dazu. Deshalb gelten diese Studien nicht als Beweis. Das heißt auch, dass Krebs nicht als Berufskrankheit anerkannt wird. Die Hanseatische Feuerwehr-Unfallkasse reagierte jedoch bereits, indem sie strengere Regeln für den Gesundheitsschutz erließ.

Bei vielen Bränden werden Giftstoffe freigesetzt

Die Bekleidung der Feuerwehrleute werde bei manchen Einsätzen mit schädlichen, unsichtbaren Fasern kontaminiert, so Witt in einem Bericht. Vor allem bei Hausbränden und Feuern auf Mülldeponien würden oftmals giftige Stoffe freigesetzt. Wegen der hohen Temperaturen am Brandort, erweiterten sich die Hautporen der dort eingesetzten Feuerwehrleute um bis zu 400 Prozent. Dadurch könnten Mikropartikel leicht in den Organismus eindringen - und im schlimmsten Fall Krankheiten auslösen. Dies sei auch oftmals noch Tage und Wochen nach einem Brand der Fall, weil die Mikropartikel in Autos oder Umkleideräumen verbreitet werden, hieß es weiter.

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Feuerwehrleute sollen Kleidung am Einsatzort wechseln

Auf die Gefahren durch kontaminierte Kleidung zielt die Maßnahme der Stadt ab. Die Feuerwehrleute sollen eine zweite Uniform erhalten, damit sie ihre Kleidung gleich am Einsatzort wechseln können. Dadurch würden auch keine Fasern mehr in die Fahrzeuge gelangen oder in die Einsatzräume eingeschleppt werden, hoffen Stadt und Feuerwehr. Die benutzten Monturen könnten in Einwegnetzen aufbewahrt und gewaschen werden. Weil in den Einsatzfahrzeugen gar kein Platz für die zusätzliche Bekleidung ist, soll ein zusätzliches Fahrzeug angeschafft werden.

Vielen Gemeinden fehlt Geld für Maßnahmen

Das Problem betrifft nicht nur Berufs-, sondern auch Freiwillige Feuerwehren. Im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte gibt es eine Berufsfeuerwehr und 182 Freiwillige Wehren. Alle Feuerwehren würden im Gesundheitsschutz geschult - vor allem über die Problematik mit den Fasern, sagte Kreiswehrführer Rieger. Die Uniformen insbesondere der dicht an den Flammen stehenden Einsatzkräfte sollten schon vor Ort abgelegt werden. Ein Trainingsanzug zum Wechseln sei das Mindeste, so Rieger. Doch vielen Gemeinden fehle einfach das nötige Geld, so gibt sich der Kreiswehrführer keinen Illusionen hin - "zumal auch die Gerätehäuser den hygienischen Erfordernissen angepasst werden müssten".

Landesregierung hält sich bedeckt

Ob sich daran in nächster Zeit schnell etwas ändern wird, ist zweifelhaft. Zwar kündigte die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns im vergangenen Jahr ein Investitionsprogramm in Höhe von 50 Millionen Euro für die Feuerwehren im Land an, doch auf das Thema Gesundheitsschutz reagierte das Innenministerium zurückhaltend. Es gebe vollstes Verständnis für die Maßnahmen der Neubrandenburger Berufsfeuerwehr, die auf den Erkenntnissen der Hanseatischen Feuerwehr-Unfallkasse basieren würden, sagte eine Sprecherin. Ob die Feuerwehren aber auf Unterstützung durch das Land hoffen könnten, dazu machte das Ministerium keine Angaben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 18.09.2019 | 16:00 Uhr

06:59
Nordmagazin

Krebs: Besserer Schutz für Feuerwehrleute

Nordmagazin

Aufgrund gehäufter Krebsfälle bei der Berufsfeuerwehr Neubrandenburg werden 200.000 Euro in Schutzmaßnahmen investiert. Landeschef Kokert hat außerdem eine Studie in Auftrag gegeben. Video (06:59 min)

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