Das Innenministerium in Schwerin durch die Zweige eines Baumes gesehen. © NDR

Ermittlungen gegen Verfassungsschutz-Mitarbeiter aus MV

Stand: 03.07.2021 08:45 Uhr

Der Verfassungsschutz Mecklenburg-Vorpommern steuert offenbar auf seine nächste Affäre zu. Der Generalbundesanwalt ermittelt wegen "Geheimnisverrats" gegen einen Mitarbeiter der Behörde. Einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" bestätigte Innenminister Torsten Renz (CDU).

Ein Mitarbeiter des Verfassungsschutzes Mecklenburg-Vorpommern steht im Verdacht, einem mutmaßlichen V-Mann die Adresse eines Mannes übergeben zu haben, der Ziel eines Mordanschlages werden sollte. Bei dem mutmaßlichen V-Mann soll es sich Recherchen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" und des MDR zufolge um den Staatsterroristen Walid D. handeln, der Ende vergangenen Jahres festgenommen wurde und seitdem in Untersuchungshaft sitzt. Ihm wird vorgeworfen, einen Mordanschlag gegen einen regimekritischen tschetschenischen Aktivisten in Süddeutschland geplant zu haben.

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Das Innenministerium Mecklenburg-Vorpommerns. © dpa Zentralbild Foto: Jens Büttner

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Innenminister Renz weist auf Unschuldsvermutung hin

Innenminister Renz bestätigte die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft gegen den Verfassungsschutzmitarbeiter und wies auf die Unschuldsvermutung hin. Trotzdem sei der Mitarbeiter vorsorglich beurlaubt worden. Dem Generalbundesanwalt sicherte Renz volle Kooperation zu - man habe alle geforderten Unterlagen an die Ermittler übergeben. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hatte berichtet, dass Ende Juni Dienst- und Privaträume des verdächtigten Verfassungsschutzmitarbeiters durchsucht worden sind. Renz will in Kürze die parlamentarische Kontrollkommission über den Fall unterrichten.

Tschetschenische Auftragsmörder auf Aktivisten angesetzt

Nach Recherchen von "Der Spiegel" und MDR soll der Auftrag für den Mord an dem tschetschenischen Aktivisten Mochmad Abdurachmanow aus dem Machtzentrum des autoritären tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow selbst stammen. Demnach wurden zwei Männer aus Tschetschenien mit dem Mord beauftragt. Tamirlan A., einer der Männer, stellte sich den deutschen Behörden und beteuerte, nur zum Schein auf das Angebot einer Geldsumme für den Mord eingegangen zu sein. Gegen den zweiten Verdächtigen, V-Mann Walid D., ermittelt die Bundesanwaltschaft wegen Staatsterrorismus. Dem "Spiegel" zufolge wurde bei ihm eine Makarow-Pistole gefunden, die nach Auffassung der Ermittler für den geplanten Mord an Abdurachmanow eingesetzt werden sollte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 03.07.2021 | 09:00 Uhr

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