Die Außenansicht der Gießerei Torgelow © Christopher Niemann Foto: Christopher Niemann

Eisengießerei Torgelow stellt Betrieb nach schwerem Unfall ein

Stand: 13.07.2022 16:31 Uhr

Die Eisengießerei Torgelow hat nach dem schweren Arbeitsunfall vorerst den Betrieb eingestellt. Zwei Männer waren dabei ums Leben gekommen, ein weiterer wurde schwer verletzt.

"Wir sind schockiert und fassungslos, dass es zu diesem Unfall gekommen ist", sagte Torsten Tiefel, Geschäftsführer der Gießerei-Gruppe. Wie lange die Produktion in Torgelow (Landkreis Vorpommern-Greifswald) ruht, stehe noch nicht fest. Tiefel sagte, niemand werde in den Produktionshallen die Arbeit wieder aufnehmen, "bevor die Ursache des Unfalls nicht sicher geklärt und abgestellt" sei. Die knapp 300 Beschäftigten sind nach Hause geschickt worden. Die Polizei hat ein Notfall-Seelsorge-Telefon eingerichtet - als professionelle Anlaufstelle für Freunde und Angehörige der Toten. Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) reagierte "tief betroffen" auf den Unfall und sprach den Familien und Angehörigen ihre Anteilnahme aus. Drese betonte, der Unfall solle nun "akribisch untersucht werden". "Die Wiederaufnahme des Betriebs ist nicht vorstellbar, bevor weitere Gefährdungen nicht ausgeschlossen sind", so Drese.

Der Unfall geschah in einer Gießereihalle, in der tonnenschwere Formen für große Gussteile hergestellt werden. Diese Formen bestehen laut Tiefel aus speziellem gepressten Formsand, der mit Härter und Harzen sehr hart wird und dem heißen Metall später die Form gibt. "Das ist hart wie Beton", sagte Tiefel. In dem Fall sollte eine Rotornabe entstehen. Dieses Verfahren sei in Gießereien üblich. Ein 50 Tonnen schwerer Sandkern, der per Kran umgesetzt worden war, war zerbrochen. Drei Arbeiter wurden von den Bruchstücken erfasst. Ein 53-Jähriger wurde vom eintreffenden Notarzt sofort für tot erklärt, ein verschütteter 51-Jähriger konnte erst Stunden später tot aus den Trümmern geborgen werden. Außerdem erlitt ein 35-Jähriger eine offene Beinverletzung und wurde mittlerweile im Klinikum in Greifswald operiert - ihm geht es den Umständen entsprechend gut.

Genauer Unfallhergang noch unklar

Genaue Angaben zur Unglücksursache konnte die Polizei zunächst nicht machen. Nach ersten Erkenntnissen zerbrach die Gussform, als sie auf Lagerböcke abgestellt werden sollte. Mehrere Arbeiter sahen den Unfall und versuchten zu helfen - sie stünden unter Schock, sagte ein Gewerkschaftssprecher dem NDR.

Staatsanwaltschaft hat Gutachter beauftragt

Die Kriminalpolizei hatet den Unfallort abgesperrt, inwzischen wurde die Halle wieder freigegeben. Die Staatsanwaltschaft hat einen Gutachter eingesetzt, der diese Erkenntnisse bewerten und die Ursache des Unglücks herausfinden soll. Außerdem wurde laut Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und schweren Körperverletzung eingeleitet. Allerdings richte sich dieses zunächst nicht gegen Personen, zunächst müsse geklärt werden, was Ursache des Unfalls gewesen sei und ob alle Vorschriften eingehalten wurden.

Die Gießerei hat eine 250-jährige Tradition und stellt vor allem tonnenschwere Bauteile für Windkraftanlagen her. Auch Gussteile für Großdieselmotoren, den Maschinen-, Behälter- und Anlagenbau kommen aus Torgelow.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern | 13.07.2022 | 16:05 Uhr

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