Stand: 06.08.2019 09:34 Uhr

Debatte um Nahost-Rede von Bischof Abromeit

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"Es ging mir im Rahmen einer persönlichen Darstellung darum, suchend danach zu fragen, ob es in der Bibel Impulse gibt, die Bewegung ermöglichen könnten", erklärte Bischof Abromeit.

Der Greifswalder Bischof Hans-Jürgen Abromeit hat kritisierte Aussagen seines Vortrages über den Nahostkonflikt klargestellt. Ihm war Antisemitismus vorgeworfen worden. Der Bischof habe von einer "Überidentifikation mit Israel" gesprochen. Die Deutschen würden sich zu sehr mit Israel solidarisieren. "Ich halte mich für einen Freund Israels, mit einer großen Sympathie für die menschlichen Anliegen der Palästinenser", sagte Abromeit am Montagabend im Kulturjournal von NDR 1 Radio MV. Er sei überrascht gewesen vom Echo seines Vortrages.

Frieden nur unter Berücksichtigung beider Seiten möglich

"Ich bin zutiefst ein Freund Israels, ich habe dort einmal ein Jahr gelebt, ich habe Freunde auf beiden Seiten des Konfliktes. Mir ist es einfach wichtig und ein Herzensanliegen, dass in diesem Land, das jetzt seit 70 Jahren und länger von Kriegen geschlagen ist, doch irgendwie einmal eine dauerhafte Lösung gefunden wird." Wie der Bischof erläuterte, versucht er die Sichtweisen von Israelis und Palästinensern gleichermaßen zu verstehen, denn nur wenn das gelänge, könne es eine Friedenslösung insbesondere für den Gaza-Streifen geben.

Gewaltfreies Aufeinanderzugehen nach biblischem Vorbild

"Gerade im Gaza-Streifen droht nun ein riesiger Konflikt aufzukommen, der vielleicht einmal zu einer Million Flüchtlingen führt, die wieder nach Europa kommen werden, weil die Menschen einfach dort heraus müssen, weil sie unter den Umständen dort nicht weiter leben können - Ich denke, das macht einen schon unruhig." Es gehe nicht darum, Israel das Existenzrecht streitig zu machen, so der Sprengel-Bischof für Mecklenburg und Pommern: "Wer für die Existenz Israels in die Zukunft denkt, muss diese riesigen Probleme, die sich dort aufbauen, auch in den Blick nehmen und fragen 'Gibt es dafür eventuell eine Lösung?'" Er wünsche sich ein gewaltfreies Aufeinanderzugehen, so wie es an mehreren Stellen in der Bibel stehe.

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Rede-Skript Bischof Abromeit: "Zwei Völker - ein Land"

Den Vortrag "Zwei Völker - ein Land. Eine biblische Vision für Frieden zwischen Israel und Palästina" hat Bischof Abromeit am 1. August in Thüringen gehalten (PDF-Dokument). Download (176 KB)

Nordkirche bekräftigt ihre Position

Die evangelische Nordkirche hatte sich zuvor von den Äußerungen distanziert. Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt zufolge ist Abromeits Vortrag auf einer Konferenz der evangelischen Allianz in Thüringen keine Stellungnahme oder Positionsbeschreibung der Nordkirche. Die Kirchenleitung bekräftigte außerdem ihre Haltung: "Die Nordkirche widerspricht klar und entschieden jeder Form von Antisemitismus. Sie hofft auf eine friedliche Lösung im Nahostkonflikt und unterstützt im Rahmen ihrer Möglichkeiten die damit verbundenen Friedensbemühungen," hieß es in einer Mitteilung der Landesbischöfin.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 06.08.2019 | 07:30 Uhr

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