Ein Handfeger und eine Kehrschaufel auf dem Briefkasten des Finanzministeriums in Schwerin. © NDR.de Foto: Stfean Ludmann

Beamte im Finanzministerium sollen selbst fegen

Stand: 12.08.2021 15:25 Uhr

"Immer schön sauber bleiben" - das ist offenbar die Parole, die jetzt das Finanzministerium ausgegeben hat. Weil die beauftragten Putzfirmen nicht mehr so oft durchsaugen, sollen auch die Mitarbeiter den Job erledigen. Für alle Teeküchen wurden Handfeger und Kehrbleche angeschafft.

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Die Hausspitze reagiert damit offenbar auch auf die Folgen des eigenen Handelns: Seit Jahresbeginn gilt ein neuer "Reinigungserlass". Aus Sparsamkeitsgründen werden die Ministeriums-Räumlichkeiten und alle anderen Liegenschaften des Landes nur noch vierzehntäglich saubergemacht und nicht mehr - wie zuvor - einmal pro Woche. Toiletten und Waschräume werden aber weiter täglich gereinigt.

In Pandemie-Zeiten Sparen am falschen Ende?

Das Land beziehungsweise das Finanzministerium erhofft sich dadurch Einsparungen von 1,2 Millionen Euro pro Jahr. Das verlängerte Intervall führt aber offenbar dazu, dass einiges in den Büros "liegen bleibt". Die Reinigungsbranche, Gewerkschaften und die Landtagsopposition sind gegen die neue Sauberkeitspolitik schon mehrfach Sturm gelaufen. In Pandemie-Zeiten an der Sauberkeit zu kürzen, bedeute Sparen am falschen Ende. Außerdem passiere das auf dem Rücken der Beschäftigten. Trotzdem blieb der Erlass in Kraft.

Drei verschiedene Handfegersets wurden im Vorfeld geprüft

Die Staatskanzlei hatte schon Ende April auf verstaubte Büros reagiert: Sie besorgte für knapp 1.000 Euro hochwertige Akku-Staubsauger der Marke Dyson. Mitarbeiter wurden aufgefordert, wenn erforderlich, selbst für Sauberkeit zu sorgen. Dieser Sauberkeitsappell gilt jetzt auch auf der gegenüber liegenden Straßenseite im Finanzministerium. Allerdings legte man dort Wert auf eine Sparvariante und griff nicht zur Luxus-Beschaffung. Statt hochmoderner Akku-Sauger setzt Minister Reinhard Meyer (SPD) auf Altbewährtes. Er ließ über seine Allgemeine Abteilung insgesamt 15 Handfegersets für die Teeküchen besorgen. Kostenpunkt: knapp 58 Euro. Es habe zuvor eine Markterkundung und einen Vergleich von drei verschiedenen Anbietern gebeten, teilte das Ministerium auf Anfrage mit.

Wem es zu dreckig ist, der kann eigenhändig nachfegen

Der Sinn und Zweck der Anschaffung ergibt sich aus einer Hausmitteilung: "Die Reinigung von kleineren Verschmutzungen im Büro kann außerhalb des Reinigungszyklus der Fachfirma nach Bedarf zukünftig selbstständig erfolgen." Heißt übersetzt: Wem es beispielsweise nach zwölf Tagen ohne Reinigung zu dreckig am Arbeitsplatz ist, der kann eigenhändig nachfegen. Versehen wird das "Angebot" mit dem Hinweis, dass die Handfeger "nach der Nutzung wieder gereinigt an ihren ursprünglichen Platz zurückzubringen sind." Und sollte tatsächlich etwas mal richtig daneben gehen, dann könnten "gröbere Verschmutzungen und Reinigungsbedarfe" extra angemeldet werden. Das Ministerium führt dazu ein "Reinigungsbuch", das im Eingangsbereich beim Pförtner ausliegt. Auch außerhalb des Reinigungszyklus werde der Schmutz dann "zeitnah" durch die Fachfirma beseitigt.

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Heller Teppich und Staubsaugerbürste auf einem Holzfußboden. © Octavian Lazar / photocase.de Foto: Octavian Lazar / photocase.de

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 12.08.2021 | 18:15 Uhr

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