Ein Landwirt bringt Pestizide auf einem Feld aus. © Colourbox Foto: Beneda Miroslav

Bäche stark mit Pestiziden belastet

Stand: 05.07.2021 10:52 Uhr

Grenzwerte für Pestizide in der Landwirtschaft sind oft zu hoch angesetzt und werden auch noch häufig überschritten. Das ist das Ergebnis von Messungen auch in Mecklenburg-Vorpommern.

von Franziska Drewes, NDR 1 Radio MV

Kleingewässer in Agrarlandschaften sind bundes- wie landesweit stark mit Pestiziden belastet. Das hat eine eine Untersuchung des Helmholtz- Zentrums für Umweltforschung mit Sitz in Leipzig ergeben.

Gewässer auch in MV untersucht

Neun Bäche haben die Wissenschaftler in Mecklenburg-Vorponmmern untersucht. Sie sind im ganzen Land verteilt, unter ihnen sind der Klützer Bach, der Augraben bei Demmin, der Blowatzer Bach und der Schwechower Bach. Daraus ergeben sich neun Messstellen, was bundesweit gesehen vergleichsweise viele sind. Bundesweit gab es 101 Messstellen, die zwei Jahre lang Daten lieferten. Matthias Liess ist Ökotoxikologe am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung und hat das Projekt koordiniert. In Mecklenburg-Vorpommern war das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Partner.

Bäche anhand von Satellitenbildern ausgewählt

Alle Gewässer liegen in genutzten Agrarlandschaften. "Die Messdaten zeigen, dass nahezu an allen Gewässern die staatlichen Grenzwerte für Pestizide überschritten wurden", erläutert Matthias Liess die Ergebnisse. "Für Mecklenburg-Vorpommern können wir sagen, dass diese Werte nicht so oft und so stark überschritten wurden wie im Mittel aller Bundesländer". Pestizide sind Insektizide, Fungizide und Herbizide - also Mittel, die schädliche Insekten, Pilze und Unkräuter bekämpfen sollen. Das ist vor allem in der konventionellen Landwirtschaft wichtig, um Ernteerträge sichern zu können.

Wissenschaftler haben unter realen Bedingungen gemessen

Die Wissenschaftler sind während ihres Monitorings anders vorgegangen als die Behörden, die auch regelmäßig untersuchen, wie Pestizide wirken. Das passiert allerdings nahezu immer im Labor an künstlichen Ökosystemen mithilfe von Pflanztöpfen. Laut Matthias Liess wurde nun erstmals unter realen Bedingungen geschaut, ob Tiere überleben oder nicht, wenn zu hohe Pestizidkonzentrationen auf sie wirken. "Die höchsten Pestizidwerte in den Bächen gab es, wenn es zuvor stark geregnet hat, weil das Regenwasser nicht komplett absickern konnte. Es hat Bodenbestandteile mitgerissen und in die Gewässer gespült", fasst Forschungsleiter Liess ein zentrales Ergebnis zusammen.

Empfindliche Libellenarten verschwunden

Gleichzeitig haben die Wissenschaftler untersucht, welche Tiere in den Gewässern leben. Auffallend ist hier, dass empfindliche Insektenarten dort nicht mehr vorkommen. Vor allem spezielle Libellenarten und Köcherfliegen überleben zu hohe Pestizidwerte nicht, dafür aber eher unempfindliche Schnecken und Würmer. "Das darf nicht sein. Empfindliche Arten dürfen nicht dauerhaft geschädigt werden und Grenzwerte nicht überschritten werden. Das ist verboten", betont Forschungsleiter Matthias Liess.

Umweltrisiken müssen neu bewertet werden

Das Bundesumweltamt hatte für das Monitoring den Forschungsauftrag erteilt. Es lässt Pestizide zu und wertet nun die Ergebnisse aus. Nach Angaben der Wissenschaftler sind die staatlichen Grenzwerte für Pestizide in der Regel zu hoch angesetzt. "Und selbst diese zu hohen Werte werden in über 80 Prozent der Gewässer noch überschritten", so Matthias Liess vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. Das Bundesumweltamt muss seiner Ansicht nach Pestizide neu bewerten, Zulassungen müssten angepasst werden. So müsse zum Beispiel auch neu festgelegt werden, in welchen Konzentrationen diese Mittel in Gewässer gelangen dürfen und welchen Einfluss sie auf die Tier- und Pflanzenwelt haben, also auf die Artenvielfalt.

Weitere Informationen
Ein Traktor besprüht ein Feld mit dem Pestizid Glyphosat zur Unkrautvernichtung. © dpa/picture alliance Foto: Steven Lüdtke

Studie: Pestizide verbreiten sich weit abseits der Äcker

Selbst auf dem Brocken im Oberharz haben Forscher zwölf verschiedene Pestizide nachgewiesen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 05.07.2021 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

Das Bild zeigt den Plenarsaal des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern. © dpa-Zentralbild Foto: Jens Büttner

Zwei Tage nach der Wahl: Beratungen der neuen Fraktionen

Nachdem am Montag die Parteispitzen beraten hatten, kommen heute die Fraktionen zusammen. Es werden Personalentscheidungen erwartet. Video-Livestream