Blick auf die "AIDAperla" am Bubendey-Ufer in Hamburg. © NDR.de Foto: Ralf Meinders

Aida Cruises: Mit Bürgschaft und Impfkampagne vor Neustart

Stand: 04.03.2021 14:11 Uhr

Das Kreuzfahrtunternehmen AIDA-Cruises gehört zu den größten Arbeitgebern in Mecklenburg-Vorpommern. Am 20. März soll eines seiner Schiffe endlich wieder in See stechen.

von Martin Möller und Jürgen Opel, NDR 1 Radio MV

Die AIDA-Mitarbeiter erleben ein Wechselbad der Gefühle - immer und immer wieder. Erst große Hoffnung, dann wieder tiefer Frust. Mehrfach musste die Reederei den Neustart verschieben und dann wurde zum Jahreswechsel auch noch das IT-System von AIDA Cruises gehackt. Nun soll es am 20. März wieder losgehen. Ob dieser Termin nach den jüngsten Entscheidungen der Bundesregierung zur Verlängerung des Lockdowns wirklich beibehalten werden kann, ist noch unklar.

Staatliche Finanzhilfe für "Steuervermeider"?

Ebenso aktuell noch unklar ist, wann der avisierte 400 Millionen Euro Kredit des Bundeswirtschaftsministeriums für AIDA Cruises vollständig in trockenen Tüchern sein wird. Nach NDR Informationen bürgt unter anderem das Land Mecklenburg-Vorpommern dabei für 26 Millionen Euro. Das hat der Finanzausschuss des Schweriner Landtages bereits abgesegnet. AIDA Cruises muss laufende Kosten bezahlen, um die einkommenslose Zeit zu überbrücken, hieß es. Im Jahr 2024 wäre dieser Kredit zurückzuzahlen, sagt Mecklenburg-Vorpommerns Finanzminister Reinhard Meyer. Der SPD-Politiker geht davon aus, dass das Land kein Geld verliert, sondern am Ende sogar etwas verdient. Das sogenannte Bürgschaftsendgeld liegt deutlich über dem aktuellen Zinsniveau. Meyer weiter: "Wenn Sie so wollen, ist das etwas, wo das Land Plus macht. Aber glauben Sie mir, wir streben das nicht an, sondern wir freuen uns, dass wir ein Unternehmen weiter am Markt haben, dass wir hier dringend brauchen.“

Vage Hoffnung auf deutsche Flagge

AIDA Cruises ist der drittgrößte Arbeitgeber im Nordosten Deutschlands. Allerdings fahren die 14 Schiffe der Reederei unter italienischer Flagge. Das spart Steuern und Abgaben in Deutschland. Aida gehört zum italienischen Kreuzfahrtunternehmen Costa Crociere. Das wiederum ist eine Gesellschaft der anglo-amerikanischen Carnival Corporation & plc. Nach eigenen Aussagen der weltweit größte Anbieter von Kreuzfahrten, hinter dem die wichtigsten Investmentgesellschaften der Welt, unter anderem Vanguard Inc. und Blackrock stehen. Aida-Beschäftigte, die auf den Schiffen arbeiten, erhalten meist Verträge nach italienischem Recht. Das bedeutet, sie zahlen zumindest in Deutschland keine oder kaum Steuern und Sozialabgaben. Gleichzeitig gelten niedrigere soziale Standards, längere Arbeitszeiten und im Vergleich geringere Löhne als in Deutschland. Daran reiben sich Gewerkschaften, wie ver.di und der DGB. Finanzminister Meyer entgegnet: "Ich würde mir wünschen, dass wieder mehr Reedereien 'einflaggen' auf die deutsche Flagge. Dafür gibt es auch steuerliche Anreize, das sagen wir immer wieder. Gut Ding will Weile haben, Mal sehen was kommt!"

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Saisonstart mit Hindernissen auf den Kanaren

Noch flattert am Heck der "AIDAperla" die italienische Flagge. Ihr Heimathafen ist Genua. Das erst vier Jahre alte Schiff geht vermutlich zunächst auf kleine Fahrt. Die Kanarischen Inseln lassen Kreuzfahrten derzeit nur zu, wenn die Schiffe auf der Inselgruppe verbleiben. Das nahe Madeira gehört schon zu Portugal, ein Land, das das Robert-Koch-Institut bislang als Virusvariantengebiet ausweist. Neben der "AIDAperla" sollen unter anderem auch die "AIDAsol" und die "AIDAstella" nach dem 20. März wieder in Fahrt kommen. Das Hygienekonzept von Aida Cruises ist ausgeklügelt: Kostenfreier COVID-19-Test vor der Reise, gesicherte An- und Abreise, medizinische Betreuung an Bord, strenge Abstands- und Desinfektionsregeln sowie elektronische Karten, um Infektionen nachzuvollziehen und Infizierte rechtzeitig isolieren zu können. Die Reederei verspricht ihren Passagieren, dass sie sich während der Reise in einer sicheren "Kreuzfahrt-Blase" bewegen, auch auf Landgängen.

Vergünstigungen und Lockangebote

Wer demnächst mit den AIDA Schiffen in See stechen will, muss nur 50 Euro anzahlen. Umbuchungen sind bis Ende März kostenfrei, und zwar für alle Fahrten, die bis Ende Oktober starten. Aktionäre von Carnival bekommen außerdem Vergünstigungen an Bord. Der Aktienkurs der amerikanischen Mutter Carnival hat sich nach einem Tiefpunkt im April 2020 erstaunlich schnell erholt. Er kletterte am 3. März 2021 auf den höchsten Stand seit 52 Wochen - und das, obwohl die Flotte seit einem Jahr Kapital verbrennt. Nach Angaben von Carnival sind es etwa 650 Millionen Dollar pro Monat. Aber nun wächst die Hoffnung beinahe täglich. Das liegt an den erfolgreichen Impfkampagne in den USA und Teilen Europas. Die Frage, ob nach Überwindung der Pandemie schnell alles wieder so sein wird wie früher, traut sich bislang niemand zu beantworten.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 04.03.2021 | 19:30 Uhr

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