Stand: 26.02.2020 15:22 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Agrarpaket des Bundes: Saatguterzeuger in MV fürchten Einbußen

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Pflanzkartoffeln aus Mecklenburg-Vorpommern sind weltweit als Saatgut sehr gefragt (Themenbild).

Die Mitglieder des Saat- und Pflanzgutverbandes Mecklenburg-Vorpommern machen sich angesichts geplanter Einschränkungen beim Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln Sorgen um ihre künftigen Erträge. Das im vergangenen September beschlossene Agrarpaket des Bundes und die neue Düngeverordnung werde es vielen der rund 260 landwirtschaftlichen Mitgliedsbetrieben schwerer machen, in gewohnter Menge und Qualität Pflanzgut zu erzeugen. Das war eines der wichtigsten Themen auf der jährlichen Mitgliederversammlung des Verbands am Mittwoch in Güstrow (Landkreis Rostock).

Schädlinge gefährden Saatguterträge

Das Kartoffelzuchtunternehmen Norika in Groß Lüsewitz (Landkreis Rostock) produziert Pflanzkartoffeln, die von dort in alle Welt geliefert werden. Geschäftsführer Wolfgang Walter fürchtet, bei einem reduzierten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln könnten sich Krankheiten auf seinen Feldern ausbreiten: "Virusüberträger bei Kartoffeln sind vor allem Läuse. Spritzmittel haben bislang eine Ausbreitung von Krankheitserregern verhindert." Pflanzen hätten kein Immunsystem wie die Menschen, dass das Virus abfangen und dadurch wieder gesunden könnte. Viruserkrankte Pflanzen brächten keine Erträge mehr, so Walter. Er fordert ein Einlenken seitens der Politik.

Kulturen brauchen Pflanzenschutzmittel

Der Geschäftsführer des Saatgutverbandes Dieter Ewald sieht das genauso: „Qualitätsgerechter Anbau von Pflanzkartoffeln ohne Pflanzenschutz geht nicht. Gleiches gilt für Getreide, Raps und grundsätzlich für alle Feldkulturen in der Vermehrung. Die Züchterhäuser im Land haben investiert, Arbeitsplätze geschaffen, zur Wertschöpfung beigetragen. Unter diesem Gesichtspunkt erwarten wir von der Landespolitik, dass Entscheidungen dazu getroffen werden, wie man die Kuh gemeinsam vom Eis bekommt.“

Züchtung innovativer Arten

Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) betonte in Güstrow, die Landespolitik habe seit jeher ein hohes Interesse an einer wettbewerbsfähigen und innovativen Saat- und Pflanzgutwirtschaft. Er stellte allerdings keine erneute Änderung der gesetzlichen Regelungen in Aussicht, wie von den Landwirten gefordert. Backhaus setzt auf neue, widerstandsfähige Arten zur langfristigen Ertragssicherung: "Ich bin überzeugt, dass die Züchtung klimaangepasster Sorten der Landwirtschaft entscheidend dabei helfen kann, trotz der veränderten Rahmenbedingungen weiter wettbewerbsfähig zu bleiben,“ so der Landwirtschaftsminister.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 26.02.2020 | 12:00 Uhr

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