Stand: 29.09.2017 17:01 Uhr

A 20 versinkt im Moor: Sanierung dauert Jahre

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Die Fahrbahn der A 20 an der Trebeltalbrücke sinkt ab.

Wer als Autofahrer vorhat, mit dem Auto in sein Feriendomizil etwa auf Rügen oder Usedom aufzubrechen, muss für die Anreise künftig mehr Zeit einplanen. Möglicherweise könnte es sogar über mehrere Jahre hinweg Behinderungen auf der A 20 geben. Der Grund: Ein etwa 100 Meter langer Abschnitt der "Ostseeautobahn" A 20 zwischen Tribsees und Bad Sülze (Landkreis Vorpommern-Rügen) in Richtung Rostock ist um rund einen halben Meter abgesackt. Die Folgen für den erst 2005 fertiggestellten Teilabschnitt sind aufwändige Sanierungsarbeiten, Straßensperrungen, Umleitungen und wohl auch lange Gesichter bei Autofahrern.

Abgesackte Autobahn.

Abgesackte A 20: Reparatur soll Jahre dauern

Nordmagazin -

Ein Teil der A 20 in Mecklenburg-Vorpommern sackt immer weiter ab. Die Ursache ist noch unklar. Sicher ist aber, dass die Reparatur mindestens zwei Jahre dauert.

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Auf Torf gebaut

Der Autobahn-Abschnitt wenige Meter hinter der Trebeltalbrücke versank zuletzt buchstäblich im Moor - jeden Tag zwei Zentimeter mehr. Nachdem die Autobahn bereits am Montag in Richtung Rostock gesperrt werden musste, machte sich nun Mecklenburg-Vorpommerns Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) selbst ein Bild von der Lage. Das Problem ist der torfhaltige Untergrund. Der Abschnitt galt bereits beim Bau als schwierigster Abschnitt auf den gesamten 324 Kilometern des längsten deutschen Autobahnneubaus seit 1945. An die Trebeltalbrücke schließt sich ein Damm an, der auf einer bis zu 20 Meter tiefen Torflinse stehe, so Pegel.

Sackt auch die Gegenfahrbahn ab?

Experten vermuten, dass beim Bau eingesetzte tragende Betonpfähle in der Torfschicht gebrochen sein könnten. "Dann müssten wir eine ganz neue Moorbrücke in der Tiefe bauen", hatte der zuständige Mitarbeiter im Landesverkehrsamt, Ronald Norrmann, am Montag erklärt. Es könnte sich aber auch der Torf bewegt haben, so Pegel. Ein Bodengutachten soll nähere Aufschlüsse bringen. Erste Einschätzungen sollen im Lauf der kommenden Woche vorliegen. Das Gutachten wurde bereits im August vom Land in Auftrag gegeben, nachdem die schleichende Absenkung - damals noch mit nur einem halben Zentimeter pro Tag - bemerkt wurde. Pegel befürchtet allerdings, dass noch umfangreichere Untersuchungen nötig sind. Es sei nicht auszuschließen, dass auch die Gegenfahrbahn absacken könnte. Beide Fahrspuren liegen nämlich auf dem Damm.

Minister befürchtet "komplexere Maßnahme"

Für Autofahrer wäre das das schwerwiegendste Szenario. Denn dann würden die Sanierungsarbeiten wohl mehrere Jahre dauern: Die Autobahn müsste in diesem Bereich abgetragen werden, um einen tragfähigeren Untergrund zu schaffen. Dazu müssten noch längere Betonpfähle noch tiefer in den torfigen Boden gesetzt werden. Die Folge für die Autofahrer: Der Verkehr müsste wohl umgeleitet werden. Selbst für den Fall, dass nur eine Seite betroffen ist, taxieren Fachleute vom zuständigen Landesamt die Bauzeit auf rund zwei Jahre. Pegel scheint jedoch Schlimmeres zu befürchten: "Es spricht vieles dafür, dass es eine komplexere Maßnahme wird."

Kosten noch nicht abzuschätzen

Die Kosten für die Sanierung sind derzeit noch nicht abzusehen. Zahlen müsste zum größten Teil der Bund, der für die Autobahnen zuständig ist. Allerdings wird auch das Land zahlen müssen, denn die Planungskosten sowie die Baugrunduntersuchungen sind Ländersache. Sollte sich herausstellen, dass in der Bauphase grobe Fehler gemacht wurden, würde das Bauunternehmen vermutlich dennoch mit einem blauen Auge davon kommen. Die Verjährungsfristen sind längst abgelaufen.

"Pannenautobahn" um ein Kapitel reicher

Das Absacken des Autobahn-Abschnitts ist das vorläufig letzte Kapitel in der Mängelgeschichte der A 20, die Kritiker schon seit Längerem als "Pannenautobahn" verspotten. Denn seit ihrer Eröffnung vor rund 20 Jahren sorgte das Bauwerk schon mehrfach für Negativ-Schlagzeilen. So etwa wegen des "Brüllbetons" in Nordwestmecklenburg, der Ausbesserungen erforderlich machte, die jedoch ein neues Problem schufen: bei Hitze wölbten sich Blasen auf der Fahrbahndecke. Zudem gab es nach heftigen Regenfällen einen Böschungsabrutsch und an der Peenetalbrücke hakte es bei den Fahrbahnübergängen.

Fahrspur wieder freigegeben

Immerhin können Autofahrer aktuell ein bisschen aufatmen: Statt die zeitraubende Umleitung über Bad Sülze und Dettmannsdorf nehmen zu müssen, kann der Verkehr seit dem späten Freitagnachmittag über die Fahrbahn in Richtung Stettin rollen. An den Verengungen in beiden Richtungen sei allerdings mit Verzögerungen zu rechnen. Nach Angaben des Ministeriums dürfen jedoch genehmigungspflichtige Schwerlasttransporte die provisorische Spur in Richtung Rostock nicht passieren. Damit solle die Belastung der Fahrbahn neben der Schadensstelle reduziert werden. "Normaler Lkw-Verkehr ist nach derzeitigem Stand zugelassen", so eine Sprecherin. Wie es weitergeht, hängt von den genauen Ergebnissen des Bodengutachtens ab.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 29.09.2017 | 16:00 Uhr

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