Kathrin Schmidt, Gabi Kostorz und Christiane Uebing im Videochat am NDR Info Dialogtag © NDR

NDR Info - Der Tag im Dialog

Stand: 30.09.2020 10:08 Uhr

Am Dienstag, 29. September, stand das gesamte NDR Info Team einen Tag lang für Gespräche bereit und bot Einblicke in Arbeitsweise, Abläufe und tägliche Herausforderungen.

Corona-Pandemie, Klimawandel, US-Präsident Donald Trump - viele Themen unserer Zeit polarisieren zunehmend stärker die Gesellschaft und steigern auch die Anforderungen an den Journalismus. Was denken die Menschen im Norden über die Informationsangebote von NDR Info? Welche Themen wünschen sie sich im Programm – was sehen sie kritisch? Gerne hätten wir unser Publikum persönlich begrüßt. So fanden die Gesprächsrunden aufgrund der Corona-Pandemie als Videochats statt.

 

Radiostudio mit Kopfhörern im Vordergrund © Michael Schmidt-Ott - Fotolia

AUDIO: NDR Info Dialogtag: Vorab-Gespräch mit Teilnehmenden (4 Min)

Die Themen:

8 - 9.30 Uhr
Journalismus in der Corona-Krise
Zwischen Distanz, Aufklärung und Meinungsvielfalt

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstatung "Journalismus in der Corona-Krise" im Videochat am NDR Info Dialogtag © NDR
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sprachen via Videochat mit den Verantwortlichen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten über die Expertenvielfalt im NDR Info Hörfunk, Fernsehen und Online. Teilnehmerin Beate Strehlitz beklagte das Fehlen unterschiedlicher Disziplinen wie der Sozial- oder Finanzwirtschaft. Sie hätte sich auch ein Gespräch gewünscht zwischen anderen Virologen und Prof. Dr. Christian Drosten. Dem setzte Gabi Kostorz, Leiterin  der Programmgruppe Ausland und Aktuelles NDR Fernsehen, entgegen, dass in NDR Info Hörfunk und Fernsehen mehr als 30 Experten allein aus dem Bereich Medizin und Virologie zu Wort gekommen seien. Christiane Uebing, Leiterin der Programmgruppe Politik und Aktuelles NDR Info Hörfunk, ergänzte: "Es konnte der Eindruck entstehen, dass Herr Drosten in der öffentlichen Wahrnehmung eine übergeordnete Rolle gespielt hat. Das kam aber vor allem durch den großen Erfolg des Podcasts "Coronavirus-Update", der mit 60 Millionen Downloads vielen Menschen offenbar ein täglicher Begleiter in der Krise war."

Auch Teilnehmer Olaf Siemens ist der Kultstatus des Virologen "etwas zu viel des Guten" – wobei in der Diskussionsrunde klar wurde, dass die Preise, die Herr Drosten bekommen hat, nicht vom NDR vergeben wurden. "Uns lag es fern, den Experten zu glorifizieren", sagte Uebing. Die Teilnehmer Thomas Gerlach und Burkhard Tomm-Bub zeigten sich sehr zufrieden mit der NDR Info Berichterstattung und bezeichneten NDR Info als verlässlichen Partner in der Pandemie. Teilnehmer Josef Schnieders appellierte zum Schluss an NDR Info, sich nach einer schweren Zeit des Lockdowns mit Angst, Isolation und auch Wut in naher Zukunft auf eine positive psychologische Grundhaltung in der Berichterstattung zu konzentrieren. Ein Wunsch von Teilnehmer Thomas Gerlach, den NDR Info auch auf der Agenda hat: "Wenn die Pandemie ein wenig in den Hintergrund rückt, wäre es schön, wenn der NDR die sichtbar gewordenen Themen wie zum Beispiel unterbezahlte Pflegekräfte oder Digitalisierung näher in den Fokus nimmt."

Ein Mischpult. © NDR Foto: Gitte Alpen

AUDIO: NDR Info Dialogtag: Wie lief die erste Gesprächsrunde? (5 Min)

10 - 11.30 Uhr
Mehr als Bad News
Warum NDR Info nach Lösungen sucht

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung "Mehr als Bad News - Warum NDR Info nach Lösungen sucht" im Videochat am NDR Info Dialogtag © NDR
Adrian Feuerbacher und Charlotte Horn stellten sich den Fragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Constructive Journalism bedeutet, nicht nur Nachrichten zu berichten, sondern auch Lösungsansätze zu zeigen. "Nur schlechte Nachrichten sind guten Nachrichten" war lange der Leitspruch vieler Medien für die Berichterstattung. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wünschen sich aber auch Raum in der Sendezeit für gute Nachrichten. "Eine Quote für gute Nachrichten in der Themenauswahl wäre gut", sagt Teilnehmer Michael Haase. "Wir denken bei allen Themen im Programm mit, ob man einen Lösungsansatz dazu aufzeigen kann", sagte Charlotte Horn, NDR Info Autorin und Scout für "Constructive-Journalism"- Geschichten.  Auch sei es oft gar nicht so einfach, zu bewerten, ob eine Nachricht positiv oder schlecht ist, sagt Adrian Feuerbacher, Chefredakteur des NDR Info und Programmchef von NDR Info. "Ein Beispiel: Die Lebenserwartung der Menschen in Deutschland ist gestiegen. Eigentlich eine gute Nachricht für uns alle. Aber wenn man sich mit den gesellschaftlichen Folgen damit auseinandersetzt, dann ist die Nachricht vielleicht gar nicht so gut", sagte Feuerbacher. 

Teilnehmerin Rhea Böhme kritisiert deutlich: "NDR Info berichtet nicht neutral. Man hört klar heraus, dass  eine mögliche Wiederwahl Donald Trumps negativ bewertet, oder andererseits Fridays for Future für eine gute Sache gehalten wird." Dazu Feuerbacher: "Jeder Mensch, der kommuniziert, betreibt mit seinen Formulierungen ein Framing. Journalisten geht das genauso. Wir machen uns eine Menge Gedanken über Formulierungen und Wertungen und versuchen immer wieder neu, von einem Framing Abstand zu nehmen. Dass uns das nicht immer gelingt, nehmen wir als Hausaufgabe mit."

Ein Kopfhörer wird gehalten. © NDR Foto: Gitte Alpen

AUDIO: NDR Info Dialogtag: So lief der Vormittag (4 Min)

12 - 13.30 Uhr
Investigative Recherche + Auslandsjournalismus

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung "Investigative Recherche + Auslandsjournalismus" im Videochat am NDR Info Dialogtag © NDR
Wie arbeitet eigentlich ein investigativer Reporter? Das wollten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in dieser Sitzung wissen.

Investigativ arbeitende Journalisten recherchieren meist gegen Widerstände. "Es gibt viele Länder, in denen die Pressefreiheit eingeschränkt ist und wir müssen darauf achten, dass die Menschen vor Ort nicht in Gefahr geraten. Man behilft sich da auch mit andern Methoden zum Beispiel Satellitendaten. Dennoch spornt uns das auch an, denn der Eindruck entsteht, dass wir da erst recht etwas aufdecken müssen", sagte Andreas Cichowicz, Chefredakteur des NDR Fernsehen. 

Ein Teilnehmer fragte, wie es überhaupt zur Auswahl der Themen komme. Dazu Benedikt Strunz, Reporter im Recherchepool von NDR Info: "Wir fragen uns in Konferenzen, welche Themen fallen oft unter den Tisch? Dann setzen wir gezielt Recherchen darauf. Aber wir haben auch ein Netzwerk, aus dem einem Quellen Dinge über Fehlentwicklung zutragen. Dann recherchieren wir eine weitere Quelle und bekommen vielleicht so ein Thema." Cichowicz ergänzte: "Möglicherweise kommt da das ein oder andere Thema zu kurz. Deshalb ist es für uns auch wichtig, so wie heute, mit Leuten ins Gespräch zu kommen. Da schauen wir, ob sich unsere Berichterstattung auf bestimmte Themen beschränkt und da müssen wir dann nacharbeiten."

Teilnehmer Söhnke Hauschild fragte: "Wie wollen Sie sicherstellen, was Fakt ist und sie nicht nur die Geschichte so darstellen, wie Sie sie gern hätten?“ Cichowicz: "Manchmal werden Fehler gemacht. Das müssen wir natürlich eingestehen. Aber handwerkliche Fehler sollten schon gar nicht passieren, wenn es um die Haltung der Geschichte geht.“  

14 - 15.30 Uhr
Politik, Wirtschaft, Umwelt, Kultur
Wie kommen Themen ins Programm - und sind es die richtigen?

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung "Politik, Wirtschaft, Umwelt, Kultur
Wie kommen Themen ins Programm - und sind es die richtigen?" im Videochat am NDR Info Dialogtag © NDR
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten viele Fragen zum Programm und Anregungen zur Gestaltung.

Die Nachrichtenangebote aus Radio, Fernsehen und Online werden unter der gemeinsamen Marke NDR Info gebündelt. Tom Heerdegen, Leiter der NDR Nachrichtenredaktion (Radio), Kerstin Klein, Leiterin Newsroom NDR Info Fernsehen und Carsten Löding, Redaktionsleiter NDR Info 21.45 Uhr stellten sich den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zum Thema Programmauswahl. Teilnehmer Arnt Kotulla kritisierte: „Die regionale Berichterstattung aus Mecklenburg-Vorpommern kommt zu kurz bei NDR Info“ Dazu Tom Heerdegen: „Sie haben recht. Es ist immer ein Ringen, um Themengewichtung, wir fragen uns immer, was ist für den ganzen Norden interessant? Danach versuchen wir es zu entscheiden.“ 

Teilnehmer Stefan Weiler machte auf eine wachsende Bevölkerungsgruppe aufmerksam: „Auf die große Zahl der Sehgeschädigten wird in der Bedienung der App und in der Berichterstattung nicht eingegangen.“ Dazu Heerdegen: „Für viele Sehgeschädigte ist das Radio das Medium der Wahl. Wir rücken das noch einmal mehr in den Fokus.“ Weitere Themen wie Wirtschaftspolitik, Staatsverschuldung und Mobilitätskonzepte standen ebenfalls auf der Liste, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer für unterrepräsentiert hielten. Hier appellierte Kerstin Klein vor allem an die Vielfalt der NDR Info Angebote, in der es für jedes Thema das passende Format gebe. 

Michael Bittner legte den Finger gleich in zwei wunde Punkte: Er vermisst eine Berichterstattung über Projekte aus der Vergangenheit gemäß dem Motto "Was ist draus geworden?" und Themen aus den sozialen Netzwerken, die in Fernsehen und Hörfunk stattfinden. Alle drei Experten sicherten zu, diesen Schwerpunkten in Zukunft mehr Beachtung zu schenken. was ist draus geworden Zum Schluss nahm Carsten Löding einen großen Wunsch der Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit: „Der Wunsch nach positiven Beispielen, die für den ganzen Norden stehen können. Wir wollen mehr zeigen: Wo läuft es denn gut und was können wir davon in unserer Region lernen.“ 

18 - 19.30 Uhr
NDR Info 2021 + Social Media: Zwischen Meinungsfreiheit und Netiquette

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung "NDR Info 2021 und Social Media" im Videochat am NDR Info Dialogtag © NDR
Bei der letzten Telefonkonferenz an diesem Dialogtag ging es um Social Media und den Blick in die Zukunft von NDR Info.

Teilnehmerin Kirsten Schmidt sieht die Schwierigkeit zwischen Meinungsfreiheit und Beleidigung in den Kommentarspalten auf der Facebookseite von NDR Info: „Unter allen Postings rund um Greta Thunberg und Christian Drosten, entsteht der Eindruck, dass eine hochgradig negativ abwertende Gemeinschaft unterwegs ist. Es dauert nicht lang und schon wird man, wenn man was Nettes schreibt, direkt persönlich angegriffen wird."

Sabine Moers, Teamleiterin NDR Info Social Media kennt diese Wahrnehmung: "Die meisten Menschen neigen dazu, sich eher kritisch oder negativ zu äußern. Zustimmung behält man meistens für sich. Und da bieten Facebook und co. ein gutes Forum für Negativität. Wir erleben es aber auch, dass viele Menschen bei unsachlichen Äußerungen dagegenhalten und einen Austausch ermöglichen. Dass der Ton oft rau ist, stimmt. Da sind wir jedoch sehr bemüht dass sich jeder wohl fühlt." Teilnehmer Jürgen Sandau appellierte an die Verantwortlichen, noch mehr auf die Unterscheidung zwischen Meinungsaustausch und Beleidigungen der Menschen zu achten. 

Aber warum ist NDR Info überhaupt auf Facebook vertreten? Dazu Björn Staschen, Leiter des Projekts Crossmediale Nachrichtenredaktion im NDR: "Die dialogischen Medien sind sehr wertvoll für uns, aber gleichzeitig sind es auch Netzwerke, deren Regeln von amerikanischen Netzwerken gemacht werden. Das ist ein Dilemma für uns, aber wir wollen eben auch da sein, wo unsere Nutzerinnen und Nutzer sind." 

Teilnehmerin Natalia Möbius ist jünger als die Facebook-Nutzer und wünscht sich NDR Info auf Instagram. Björn Staschen konnte zusichern, dass NDR Info noch in diesem Jahr dort starten wird. Teilnehmerin Katharina Swinka nutzt gern die Möglichkeiten des direkten Kontaktes mit NDR Info. Björn Staschen betonte, dass Community Management ein wachsendes Feld für NDR Info ist und dort in Zukunft auch noch mehr Energie auf den Kontakt mit den Nutzern verwendet werden muss.

Kathrin Schmidt, Gabi Kostorz und Christiane Uebing im Videochat am NDR Info Dialogtag © NDR

AUDIO: NDR Dialogtag: Tageszusammenfassung (3 Min)

Der Abschluss des Dialogtags: Die NDR Info Redezeit

Zudem stellten sich am Abend in der Sendung "Redezeit" von NDR Info Radio die Programmmacherinnen und -macher den Fragen des Publikums. Hörerinnen und Hörer können ihre Fragen jederzeit mailen. Alle Informationen dazu finden Sie hier.

Ein Mikrofon. © NDR Foto: Gitte Alpen

AUDIO: NDR Info Dialogtag: So lief die Redezeit (4 Min)

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 30.09.2020 | 06:00 Uhr

NDR Info Livestream

Das Informationsprogramm - Die Nachrichten für den Norden.

19:00 - 19:50 Uhr
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