Stand: 30.03.2020 06:00 Uhr

Standpunkte: Meinungen aus deutschen Medien

Mitten in der Corona-Krise haben mehrere Großunternehmen für Aufregung gesorgt. Unter anderem Adidas, aber auch H&M oder Media-Saturn ziehen offenbar in Betracht, die Mieten für ihre Filialen nicht mehr zu zahlen.

Auch, wenn Adidas inzwischen angekündigt hat, an private Vermieter auch im April weiter Geld zu überweisen, meint die "Neue Osnabrücker Zeitung":

"In dieser für viele Firmen wirtschaftlich schwierigen Zeit hat die Regierung eigentlich ein gutes Rettungspaket geschnürt. Wer seine Miete derzeit wegen der Coronavirus-Folgen nicht zahlen kann, dem darf vom Vermieter nicht gekündigt werden. Ein guter Entschluss, der von Adidas und anderen Großkonzernen schamlos ausgenutzt wird."

Unser Autor von NDR Info hält das Verhalten der Unternehmen für inakzeptabel:

"Wenn alle so reagieren, wie Adidas und Media-Saturn, werden wir die Krise nur verschärfen. Es kann in dieser extrem schwierigen Lage, wenn Mieter in ernsten Zahlungsschwierigkeiten stecken nur einen Weg geben: Beide Seiten müssen sich zusammensetzen und eine Lösung finden. Jetzt ist die Zeit der Kooperation, Deutschland braucht in den nächsten Wochen viel Gemeinschaftsgeist."

Die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" findet, einen Vorwurf müssten sich die Manager gefallen lassen:

"In einer Phase höchster Not, in der unzählige kleine Unternehmen und Privatleute darüber nachdenken, welchen Beitrag sie selbst zur Bewältigung der Krise leisten können oder müssen, haben sie in Herzogenaurach vor allem überlegt, welchen Beitrag andere leisten können. Der Schaden ist nun angerichtet, und er ist erheblich. Die Kosten für das PR-Desaster dürften die Einsparungen um ein Vielfaches übersteigen."

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schreibt zur Verantwortung der Großkonzerne:

"Für die vielen Unternehmen, die während des Daueraufschwungs klotzig verdient haben, ergibt sich aus einem marktwirtschaftlichen Verständnis heraus die Verantwortung, gewissenhaft zu prüfen, ob sie sich wirklich aus öffentlichen Töpfen bedienen müssen - oder ob die drohenden Verluste nicht doch zu schultern sind. Vor dem Ausbruch der Corona-Krise ist unter Managern pausenlos vom gesellschaftlichen Wert ihres Unternehmens die Rede gewesen. In der aktuellen Krise können die Entscheider beweisen, wie ernst sie es damit meinen."

Und die "Süddeutsche Zeitung" warnt:

"Wer glaubt, die allgemeine 'Rette sie, wer kann'-Stimmung unauffällig ausnutzen zu können oder darauf setzt, dass der Verbraucher die schicken Produkte aus dem eigenen Haus bald wieder bedenkenlos kaufen wird, könnte sich verrechnen. In Zeiten der sozialen Netzwerke kann der Ruf eines Unternehmens schneller beschädigt werden als je zuvor, übrigens auch der Ruf eines Managements."

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | Nachrichten | 30.03.2020 | 06:27 Uhr

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