Stand: 27.01.2020 07:13 Uhr

Standpunkte: Meinungen aus deutschen Medien

In Auschwitz-Birkenau und an vielen weiteren Orten wird heute an die Befreiung des ehemaligen deutschen Konzentrationslagers vor 75 Jahren und an den Holocaust erinnert.

Die "Allgemeine Zeitung" aus Mainz meint, dass der Besuch eines früheren Konzentrationslagers für jeden deutschen Schüler zum Pflichtprogramm gehören sollte:

"Gerade jetzt, da die Stimmen der letzten noch lebenden Zeitzeugen der Nazi-Gräuel nach und nach verstummen, aber immer mehr geschichtsverdrehende NS-Apologeten ihre Köpfe aus dem braunen Sumpf zu strecken wagen, wäre ein in Lehrplänen verankerter Pflichtbesuch in einer solchen Gedenkstätte mehr als nur ein politisches Signal. Es wäre ein wirk- und hoffentlich heilsamer Schock für eine Generation, die den Holocaust nur noch aus Büchern und Filmen kennt."

Auch die "Nürnberger Nachrichten" befürworten eine solche Pflicht:

"Die Gefahr, dass heute unbescholtene Bürger morgen zu Bestien werden, war und ist nach Auschwitz nie gebannt gewesen. Eine liberale Demokratie tut daher gut daran, diese Bedrohung wahrzunehmen und entsprechend zu handeln - beispielsweise, in dem sie den Besuch eines Konzentrationslagers für alle Schüler zur Pflicht erklärt. Natürlich nicht, um die heute Lebenden für die Taten verantwortlich zu machen. Sehr wohl aber, um das Bewusstsein dafür zu stärken, dass wir eine Verantwortung für die Lehren tragen, die wir aus dem Geschehenen ziehen."

Die "Passauer Neue Presse" findet, dass solche KZ-Besuche gut vorbereitet werden müssten:

"Wer nicht weiß, von welchen Höhen einer Kulturnation Deutschland in die selbstgewählte Hölle des Nationalsozialismus gestürzt ist, kann das Ausmaß der Verbrechen schwerlich ermessen. Und wer nicht verstanden hat, was Judenhass in der deutschen Geschichte angerichtet hat, ist nur unzureichend gerüstet, um dem neuen Antisemitismus dieser Tage entgegenzutreten."

Die "Rheinpfalz" aus Ludwigshafen ist der Meinung, das übliche, ritualisierte Gedenken zeige keine Wirkung gegen Antisemitismus:

"Was aber hilft, ist das mutige Eintreten jedes Einzelnen für eine offene, demokratische Gesellschaft. Die Mehrheit darf nicht länger schweigen. Sie muss der lauten Minderheit klar machen, dass sie die pauschale Ausgrenzung und Herabwürdigung anderer ablehnt. Sie muss sich dagegen wehren und zeigen, dass sie ihre Lektion aus der Geschichte gelernt hat."

Der "Kölner Stadt-Anzeiger" hält es für wichtig daran zu erinnern, was auf dem Spiel steht:

"Wer Antisemitismus wort- und tatenlos hinnimmt oder ihn gar fördert, der greift die Lebensgrundlagen unserer Gesellschaft an. Minderheitenschutz ist letzten Endes nicht eine Gunst, die eine Mehrheit einigen wenigen gönnerhaft gewährt. Vielmehr ist jeder und jede von uns irgendwie, irgendwo und irgendwann Minderheit – es kommt nur darauf an, in welcher Hinsicht. Minderheitenschutz ist deswegen nur ein anderes Wort für Freiheit."

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Nachrichten | 27.01.2020 | 06:57 Uhr

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