Stand: 17.01.2020 07:00 Uhr

Standpunkte: Meinungen aus deutschen Medien

Der Bundestag hat über eine Neuregelung der Organspende abgestimmt. Beschlossen wurde, dass alle Bürgerinnen und Bürger künftig regelmäßig zu ihrer Spendebereitschaft befragt werden. Die Widerspruchslösung von Gesundheitsminister Spahn wurde abgelehnt.

Unsere Kommentatorin auf NDR Info glaubt nicht, dass sich nun viel verändert:

"Wer setzt sich schon gerne mit dem Tod auseinander? Erst recht mit dem eigenen? Die wenigsten. Der Bundestag hat die Chance verpasst dafür zu sorgen, dass wir uns alle mit diesem unangenehmen Thema beschäftigen müssen, damit in Deutschland in Zukunft weniger Menschen vergeblich auf ein Spenderorgan warten. Das verabschiedete Gesetz wird zwar dafür sorgen, dass wir mehr Informationen zum Thema Organspende bekommen und alle paar Jahre mit der Frage konfrontiert werden, ob wir Organspender werden wollen oder nicht. Ich bezweifle aber, dass dadurch wirklich mehr Menschen in Deutschland zu Organspendern werden."

Der deutsch-dänischen Zeitung „Flensborg Avis“ aus Flensburg geht der Beschluss nicht weit genug:

„9000 Bürger warten auf ein Organ. 90.000 Nieren-Patienten sind von der Dialyse abhängig. 2019 haben nur 932 Personen ihre Organe gespendet. Bei solch einem Defizit wird die nun beschlossene Alternative für mehr Bürger-Information, jedes Mal wenn man den Personalausweis neu braucht, kaum entscheidend helfen. Spahns Idee wäre die bessere Lösung gewesen. Als Staat kann man schon seine Bürger bitten aktiv Stellung zu nehmen.“

Die "Süddeutsche Zeitung" findet den Beschluss des Bundestages richtig:

"Der Körper eines Menschen, auch eines Menschen mit abgestorbenem Gehirn, ist immer noch der Körper eines Menschen. Und kein Arzt darf an ihm etwas vornehmen, was dieser Mensch nicht gewollt hat. Auch für etwas so Hilfreiches wie eine Organspende müssen höchste ethische Maßstäbe gelten. Mehr noch: Gerade für etwas so Selbstloses wie eine Organspende müssen höchste ethische Maßstäbe gelten."

Ähnlich sieht das die "Allgemeine Zeitung" aus Mainz:

"Zur Entscheidungsfreiheit gehört die Freiheit, sich nicht zu entscheiden. Auch nach dem Hirntod behält der Mensch seine Würde als Person und mutiert nicht zum Ersatzteillager, auf das andere Anspruch und Zugriff haben. Der beschlossene sanfte Druck auf potenzielle Spender kann die gute Sache voranbringen. Ohne dass der Staat übergriffig wird."

Die "Ludwigsburger Kreiszeitung" ist dagegen, beide Vorschläge gegeneinander aufzuwiegen:

"Zwischen der Widerspruchs- und der Zustimmungslösung bestehen zwar fundamentale Gegensätze, man sollte sie aber auch im Nachhinein nicht aufbauschen zum moralischen Gegensatz zwischen Gut und Böse, hilfswillig oder egoistisch. Beide Seiten wollen das Gleiche: mehr Leben retten."

Dieses Thema im Programm:

NDR Info Spezial | Nachrichten | 17.01.2020 | 06:27 Uhr

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