Stand: 27.01.2019 20:44 Uhr

So gedenkt der Norden des Holocausts

An vielen Orten im Norden haben Veranstaltungen den Holocaust-Gedenktag und die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz durch die sowjetische Armee vor nunmehr 74 Jahren erinnert. Der 27. Januar ist seit 1996 Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) erklärte in einer schriftlichen Stellungnahme mit Blick auf die Jahre 1933-1945: "Nazi-Deutschland hat in diesen Jahren unermessliches Leid über die Menschheit gebracht. Wir müssen alles dafür tun, dass sich solch schreckliche Verbrechen niemals wiederholen." Es sei alles andere als selbstverständlich, dass Deutschland wie derzeit in Frieden mit allen europäische Nachbarn lebe.

Würde des Menschen als "kompromisslose Richtschnur"

In Alt Rehse und Neubrandenburg erinnerten das Bonhoeffer Klinikum und die Landeszentrale für Politische Bildung unter der Überschrift "Erinnern, Betrauern und Wachrütteln" an Tausende Euthanasie-Opfer während des Nationalsozialismus. Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) sagte während der landesweiten Gedenkveranstaltung, die Würde des Menschen müsse "kompromisslose Richtschnur" des Handelns sein, um nie wieder Ausgrenzung und Verfolgung zuzulassen.

Holocaust-Gedenktag
04:35
Hallo Niedersachsen

Gedenken in Lübeck und am ehemaligen KZ Wittmoor

Auch in Schleswig-Holstein fanden eine Reihe von Veranstaltungen statt. An der KZ-Gedenkstätte Wittmoor in Norderstedt sollte zum Gedenken an die sechs Millionen ermordeten Juden ein Kranz niedergelegt werden. In Lübeck fand ein ökumenischer Gottesdienst mit Bischöfin Kirsten Fehrs im Dom statt.

Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU) mahnte, aktuellen antisemitischen Tendenzen entschieden entgegenzutreten. "Es reicht nicht, kein Antisemit oder Rassist zu sein", sagte Schlie vor rund 100 Gästen in der Lübecker Kunsthalle St. Annen, die sich neben der Synagoge befindet. Bei der zentralen Gedenkveranstaltung wurde nicht nur der Opfer der Nazis gedacht, sondern auch an den Brandanschlag auf die Lübecker Synagoge vor 25 Jahren erinnert.

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Mit Liedern und ihren unterschiedlichen Bedeutungen für Opfer und Täter erinnerte die Hamburgische Bürgerschaft in diesem Jahr an die Verbrechen der Nazi-Herrschaft. Unter dem Titel "Sog nit Kejnmol - Lieder aus Lagern und Gettos 1933–1944" wollte der Künstler Michael Batz im Großen Festsaal des Rathauses bereits zum 20. Mal in einer szenischen Lesung die Geschichte des Holocaust begreifbar machen. Es gehe darum, "klarzumachen, dass es mit dem Erinnern nicht getan ist", sagte Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit im Vorfeld. Vielmehr gelte es, "gegen das Vergessen anzuarbeiten".

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"Erinnerung an das Geschehene wachhalten"

Zum Internationalen Gedenktag an die Opfer des Holocausts gab es auch in Niedersachsen zahlreiche Veranstaltungen. In der Gedenkstätte des ehemaligen Lagers Sandbostel (Landkreis Rotenburg) beschäftigte sich ein Rundgang mit dem Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen und der KZ-Häftlinge. Die Oldenburger Kirchen luden zu einem ökumenischen Gedenk-Gottesdienst mit anschließendem Vortrag ein.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) rief anlässlich des Holocaust-Gedenktages zu einer lebendigen Erinnerungskultur auf. "Wir dürfen nicht vergessen, was damals in unserem Land Menschen anderen Menschen angetan haben", erklärte der Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strohm, am Sonnabend in Hannover. Dies sei umso dringlicher, als derzeit kaum eine Woche ohne Meldungen über antisemitische Vorfälle vergehe. "Unsere Aufgabe ist es, die Erinnerung an das Geschehene wachzuhalten."

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 27.01.2019 | 07:00 Uhr

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