Stand: 14.04.2020 15:39 Uhr

Minijobber - in der Corona-Krise vergessen?

von Isabel Lerch

In den aktuellen Debatten um Arbeitsmarkt, bedrohte Arbeitsplätze und Kurzarbeitergeld für Arbeitnehmer wird eine Gruppe häufig übersehen: Minijobber, also Menschen, die auf 450-Euro-Basis arbeiten. Sie haben anders als viele andere Arbeitnehmer keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld. Lavinia Glavinic ist eine von ihnen. Sie arbeitet eigentlich in einem Brauhaus in der Altstadt Hannovers. Das Brauhaus musste wegen der Corona-Pandemie schließen - nun arbeitet die 33-jährige Studentin aushilfsweise als Sicherheitskraft. In einer Drogerie desinfiziert sie Hände und Einkaufswagen für Kunden und schaut im Laden nach dem Rechten: "Das macht mir auch Spaß, ist natürlich nicht wie der Job im Brauhaus aber die Not macht eben erfinderisch: Ganz ohne Arbeit - das macht für mich keinen Sinn."

Keine staatlichen Hilfen für Minijobber

Bild vergrößern
Die Minijob-Zentrale berät während der Corona-Krise am Telefon.

Die Minijob-Zentrale ist deutschlandweit die zentrale Anlaufstelle für die fast sieben Millionen geringfügig Beschäftigten und ihre Unternehmen. Hier beantworten sie gerade viele Fragen. Zum Beispiel, warum Minijobber kein Kurzarbeitergeld erhalten. Sprecher Wolfgang Buschfort erklärt: "Minijobber sind nicht in der Arbeitslosenversicherung versichert. Das heißt: Wenn ein Minijobber arbeitslos werden würde, würde er kein Geld von der Arbeitsagentur bekommen. Und: Es gibt auch kein Kurzarbeitergeld, weil auch das eine Leistung der Arbeitsagentur ist." Auch andere staatliche Hilfen gibt es für Minijobber in der aktuellen Krise nicht. Allerdings gelte weiterhin das Arbeitsrecht, sagt Buschfort. So gibt es beispielsweise nach wie vor den Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall - auch dann, wenn man als Vorsichtsmaßnahme in Quarantäne muss. Minijobber sollten daher besonders jetzt ihre Rechte kennen. Und vor allen Dingen darauf achten, dass sie nicht schlechter behandelt werden als normal sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, so Buschfort. "Sie haben dieselben Arbeitsrechte, sie haben dieselben Kündigungsfristen und es darf nicht sein, dass Minijobber jetzt einfach vor die Tür gesetzt werden, weil sie nur 450 Euro oder weniger verdienen.“

Hohe Hemmschwellen für Minijobber

Doch vielen Minijobbern dürfte es in der aktuellen Krise schwerfallen, Rechtsmittel einzulegen, erklärt der Fachanwalt für Arbeitsrecht Olaf Lienau: "Vielleicht ist vielen gar nicht bewusst, dass gegen das Arbeitsrecht verstoßen wird. Und selbst, wenn ein Verstoß erkannt wird, muss das Recht ja erst einmal durchgesetzt werden. Da sind gewisse Hemmschwellen: Ich werde beispielsweise bei der öffentlichen Rechtsauskunft, die gegen einen geringen Gebührensatz Beratungen anbietet, gegenwärtig keinen Termin erhalten." Auch bei Anwälten und Gewerkschaften seien Beratungstermine, wegen des aktuell großen Ansturms in der Krise, momentan nur schwer zu kriegen.

Großer Ansturm auf wenige Stellen

Bild vergrößern
Besonders in der Gastronomie sind viele Minijobs weggebrochen.

Studentin Lavinia Glavinic kommt zwar bislang gut mit ihrem Ersatzjob und der Situation zurecht, für viele andere 450-Euro-Jobber sei die aktuelle Situation aber schwieriger, denn es mangele an Stellen. Hinzu kommt, dass sich jetzt auch andere auf die wenigen Jobs bewerben, die es noch gibt. Grund ist ein neuer Beschluss des Gesetzgebers: Wer gerade in Kurzarbeit ist, kann sich auf einen Minijob in systemrelevanten Bereichen wie im Krankenhaus oder im Lebensmittelhandel bewerben, ohne dass der Verdienst auf das Kurzarbeitergeld angerechnet wird. Das könnte für so manchen Minijobber zum Problem werden, meint Arbeitsrechtler Lienau: "Die Befürchtung besteht, dass diejenigen, die leistungswillig und leistungsstark sind und nicht von körperlichen Beeinträchtigungen geplagt sind, sich in einigen Bereichen schneller einbringen können, als Mitarbeiter, bei denen das eben nicht der Fall ist."

Weitere Informationen

Zuschüsse und Anträge: Corona-Hilfen im Überblick

Die Nordländer bieten zahlreiche wirtschaftliche Corona-Hilfsmaßnahmen an. Wichtige Anlaufstellen für Zuschüsse, Anträge auf Grundsicherung oder Soforthilfe im Überblick. mehr

Coronavirus: Was Sie im Job beachten müssen

Welche Folgen hat Corona auf die Arbeit? Wann darf ich zu Hause bleiben? Wer bezahlt mein Gehalt, wenn ich in Quarantäne muss und wie funktioniert Kurzarbeit? Die wichtigsten Fragen und Antworten. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 14.04.2020 | 08:40 Uhr

Mehr Nachrichten

02:01
Hallo Niedersachsen
00:59
Schleswig-Holstein Magazin