Stand: 28.04.2020 17:00 Uhr

Jede Menge Zeit für Schul-Experimente!

Die Kultusminister haben am Dienstag klargestellt, dass es bis zu den Sommerferien keinen normalen Unterricht für alle Klassen geben wird. Denkbar sei lediglich, Unterricht in den Schulen tageweise oder wochenweise anzubieten.

Ein Kommentar von Verena Gonsch, NDR Info

Verena Gonsch © NDR Foto: Christian Spielmann
NDR Info Redakteurin Verena Gonsch meint, das System Schule werde gerade ordentlich durchgerüttelt.

Ich könnte jetzt lange darüber lamentieren, was die Schülerinnen und Schüler in den letzten Wochen alles verpasst haben, warum die Schulen so schlecht ausgerüstet sind und die Lehrkräfte digital kaum etwas anbieten. Aber Schwamm drüber - oder, um es mit einer von Deutschlands prominentesten Schulforscherinnen Birgit Eickelmann zu sagen - jetzt geht es darum, einfach mal zu machen. Und dabei auch jede Menge neue Dinge auszuprobieren.

Keine Rundum-Versorgung, keine Elternabende

Nein, Unterricht wird bis zu den Sommerferien nicht viel mit dem zu tun haben, was wir gewöhnt sind. Keine Rundum-Versorgung, kein Frontal-Unterricht, keine Fächer-Vielfalt, keine Projekte, keine Elternabende, auf keinen Fall Ausflüge und Wandertage. Dafür viel Abstand, Desinfektionsmittel und Masken. Klingt erstmal gewöhnungsbedürftig!

An viele neue Dinge gewöhnen

Trotzdem werden alle Kinder und Jugendlichen lernen, alleine, zu Hause, in der Schule, digital mit ihrer Lerngruppe, mit Stift und Zettel, Laptop und Büchern. Je nach Möglichkeiten und nach Ausstattung. Sie werden hoffentlich zumindest in den Hauptfächern Deutsch, Mathe und Englisch den Jahresstoff mitnehmen. Sie werden sich an ganz viel neue Dinge gewöhnen, aber sie bleiben auf dem Laufenden. Und wenn es ganz gut läuft, gelingt es, auch einige Kinder und Jugendliche ins Boot zu holen, die keine engagierten Eltern haben und die in den zurückliegenden Wochen keinen oder kaum Kontakt zu ihren Lehrkräften hatten.

Weitere Informationen
Schulranzen stehen in einer Grundschule. Kinder sitzen an ihren Tischen. © dpa picture alliance Foto: Sebastian Gollnow

Keine normale Schule bis zu den Sommerferien

Bundesweit wird es wohl bis zu den Sommerferien keinen normalen Unterricht für alle Klassen geben. Laut Hamburgs Schulensator Rabe ist Unterricht zumindest einmal pro Woche denkbar. mehr

Langsam anfangen, dann aufstocken

Die Kultusminister folgen im Großen und Ganzen den Vorschlägen der Experten des Leopoldina-Papiers, das vor einigen Wochen vorgelegt wurde. Langsam anfangen, erstmal die Abschluss-Klassen unterrichten, kleine Lerngruppen, und dann aufstocken. Und immer wieder schauen, wie der Stand der Forschung und wie die Infektionszahlen sind.

Wie anfällig sind Kinder und Jugendliche?

Am heutigen Dienstag hat Hamburg bekanntgegeben, dass das UKE eine große Studie startet, die auch prüft, wie infektionsanfällig Kinder und Jugendliche sind. Denn, so die Forscher, dies würde der Wissenschaft noch Rätsel aufgeben. In Heidelberg hat am Wochenende eine weitere Studie mit gleicher Zielrichtung begonnen. In einigen Wochen werden wir die Ergebnisse haben. Und dann können die Kultusminister weiter schauen, wie gefährdet Kinder sind und ob sie das Virus in erheblichem Maße weitergeben. Momentan können die Politiker nur auf Sicht fahren, um die Kinder und ihre Familien nicht zu gefährden.

Unkonventionelle Wege sind angesagt

Auf jeden Fall wird das System Schule ordentlich durchgerüttelt. Die sozial schwachen Schülerinnen und Schüler machen den Kultusministern dabei zurecht am meisten Sorgen. Hier müssen die Lehrkräfte unkonventionelle Wege gehen und diese Kinder - wenn nötig - auch einzeln ansprechen und unterstützen.

Chance für digitalen Unterricht

Für den Rest der Schulgemeinschaft gilt: Jetzt ist die Zeit, um neue Wege auszuprobieren. Und endlich den Einstieg in den digitalen Unterricht zu finden. Damit es ab Herbst oder bei der nächsten Krise einfach nur heißt: Morgen früh digitaler Unterricht. Wir treffen uns um 8 Uhr im virtuellen Klassenzimmer. Bitte seid pünktlich!

Anmerkung der Redaktion: Liebe Leserin, lieber Leser, die Trennung von Meinung und Information ist uns besonders wichtig. Meinungsbeiträge wie dieser Kommentar geben die persönliche Sicht der Autorin/des Autors wieder. Kommentare können und sollen eine klare Position beziehen. Sie können Zustimmung oder Widerspruch auslösen und auf diese Weise zur Diskussion anregen. Damit unterscheiden sich Kommentare bewusst von Berichten, die über einen Sachverhalt informieren und unterschiedliche Blickwinkel möglichst ausgewogen darstellen sollen.

Weitere Informationen
Homeschooling in der Corona-Krise: Eine Familie in Hamburg bei Unterricht zu Hause.

Homeschooling: Überlastung und neue Chance

Wegen der Corona-Krise müssen die Schüler und Schülerinnen nun zu Hause lernen. Das stellt sie selbst und ihre Eltern vor große Herausforderungen, birgt aber auch Chancen. mehr

Birgit Eickelmann

Unterricht: Gefährdet Corona Chancengleichheit?

Was jahrelang nicht geklappt hat, soll in der Corona-Krise funktionieren: digitaler Unterricht. Doch dies könne die Chancengleichheit gefährden, sagt Schulpädagogik-Professorin Birgit Eickelmann. mehr

Christian Drosten © picture alliance Foto: Christophe Gatea

Coronavirus-Update: Alle Folgen

Christian Drosten, Leiter der Virologie an der Berliner Charité, liefert im Coronavirus-Update Expertenwissen - zusammen mit Virologin Sandra Ciesek. Hier alle Folgen in der Übersicht. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 28.04.2020 | 17:08 Uhr

Mehr Nachrichten

Johann Wimberg (links), Landrat Landkreis Cloppenburg, spricht während der Pressekonferenz im Kreishaus der Stadt Cloppenburg. © dpa-Bildfunk Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Corona: Cloppenburg verhängt neue Einschränkungen

Nach dem Überschreiten des Corona-Grenzwerts gibt es im Landkreis Cloppenburg neue Einschränkungen. In Löningen, Lastrup, Essen und Lindern sind soziale Kontakte nur begrenzt erlaubt. mehr

Die Bar "Katze" im Hamburger Schanzenviertel. © NDR Foto: Jörn Straehler-Pohl

Corona-Blog: Infizierte aus der Bar "Katze" auch aus Kreis Pinneberg

Unter den acht bislang bestätigten Infektionen aus dem Umfeld der Bar "Katze" im Hamburger Schanzenviertel sind auch Gäste aus dem Kreis Pinneberg. Mehr Corona-News im Blog. mehr

Andreas Dressel (SPD), Finanzsenator von Hamburg, nimmt an der Sitzung der Hamburgischen Bürgerschaft im Rathaus teil. © picture alliance/dpa Foto: Daniel Reinhardt

Dressel: Keine politische Einflussnahme im Steuerfall Warburg Bank

Die Cum-Ex-Geschäfte der Warburg Bank waren Thema im Haushaltsausschuss. Hamburgs Finanzsenator Dressel sagte, eine politische Einflussnahme auf den Steuerfall habe es nicht gegeben. mehr

Leere Regale zu Beginn der Corona-Krise.
3 Min

Seit sechs Monaten: Leben mit der Corona-Krise

Seit sechs Monaten leben die Deutschen mit dem Coronavirus und somit im Corona-Alltag. Hygienemaßnahmen, Abstandsregeln, Homeoffice - doch was hat sich wirklich verändert? 3 Min