Logo der Bundesagentur für Arbeit vor einem Fenster, in dem sich der Himmel spiegelt. © picture alliance Foto: Jens Kalaene

Corona-Krise: Arbeitsmarkt erholt sich

Stand: 30.09.2020 13:36 Uhr

Der Herbst wirkt sich positiv auf den Arbeitsmarkt im Norden aus: Im September gab es weniger Arbeitslose als im August. Corona-bedingt ist die Zahl aber höher als vor einem Jahr.

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist trotz der Corona-Pandemie im September um 108.000 im Vergleich zum Vormonat gesunken. Sie lag bei 2,847 Millionen, aber um 613.000 höher als vor einem Jahr, wie die Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote lag im September bei 6,2 Prozent - 0,2 Punkte weniger als im August. Der deutschlandweite Trend spiegelt sich auch in den Zahlen der vier norddeutschen Bundesländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg.

Außerdem ging die Zahl der Kurzarbeiter in Deutschland weiter zurück. Im Juli wurde laut Bundesagentur für 4,24 Millionen Menschen Kurzarbeitergeld gezahlt. Im Juni waren es Hochrechnungen der Agentur zufolge noch 4,6 Millionen Kurzarbeiter, der bisherige Höchststand war im April mit 5,95 Millionen.

Niedersachsen: Erhöhte Nachfrage nach Personal

Die Arbeitslosigkeit in Niedersachsen sank im September. Die Zahl der Arbeitslosen lag bei 263.257, wie die Bundesagentur für Arbeit mitteilte. Im August waren es noch 276.410. Die Arbeitslosenquote ging von 6,3 Prozent auf 6,0 Prozent zurück. Die Nachfrage nach Personal hat sich den Angaben zufolge erhöht. Johannes Pfeiffer, Chef der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur, sagte: "Ob sich der Trend im Herbst fortsetzt, ist von vielen Faktoren abhängig: der Weltwirtschaft, dem weiteren Infektionsgeschehen und auch der Entwicklung von Investitionen."

Bei der Arbeitslosigkeit ist trotz der Corona-Pandemie die Lage vor regional vor allem im Westen Niedersachsens entspannt: Besonders niedrig war die Arbeitslosenquote im Emsland (3,3), der Grafschaft Bentheim (3,2) und dem Kreis Osnabrück (3,7), aber auch in den Kreisen Osterholz (3,9), Oldenburg (4,0), Rotenburg (4,0), Verden (4,1) und im Ammerland (4,1). Überdurchschnittlich hoch war die Arbeitslosigkeit dagegen in den kreisfreien Städten Wilhelmshaven (12,6), Delmenhorst (10,9), Salzgitter (10,6) und Emden (9,5), aber auch in der Region Hannover (8,0) und dem Kreis Lüchow-Dannenberg (7,8).

Schleswig-Holstein: "Aufhellung setzt sich fort"

Auch Schleswig-Holstein verzeichnete im September im Vergleich zum Vormonat weniger Jobsuchende. Wie die Regionaldirektion Nord der Agentur für Arbeit berichtete, sind derzeit im nördlichsten Bundesland 93.961 Frauen und Männer ohne festen Job. Das sind 3,7 Prozent oder etwa 3.600 Betroffene weniger als im August. Die Corona-Krise macht sich im Vorjahresvergleich deutlich bemerkbar: Gegenüber dem September 2019 stieg die Zahl der Arbeitslosen um etwa 17.700 Menschen oder 23,2 Prozent. Die Arbeitslosenquote beträgt aktuell 6,0 Prozent, nach 6,2 Prozent im August und 4,8 Prozent vor einem Jahr.

"Auch im September hat sich die Aufhellung am Arbeitsmarkt in Schleswig-Holstein fortgesetzt", sagte die Chefin der Regionaldirektion Nord, Margit Haupt-Koopmann. So seien im Vergleich zum August die Arbeitslosenzahlen aller Altersgruppen gesunken. "Insbesondere die Gruppe der "Unter-20-Jährigen" konnte von dieser Entwicklung profitieren."

Auch Schleswig-Holsteins Arbeitsminister Bernd Buchholz wertete die aktuellen Zahlen positiv. "Es erscheint paradox, dass während des Corona-Lockdowns die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gestiegen ist, aber Personaleinstellungen haben immer einen Vorlauf und der Bedarf ist in einigen Branchen wie im Gesundheits- und Pflegebereich ungeachtet der Pandemie hoch", sagte der FDP-Politiker. Die Zeichen stünden auf dem Arbeitsmarkt momentan auf leichte Entspannung. "Aber die Lage bleibt angesichts des Infektionsgeschehens unsicher."

Mecklenburg-Vorpommern: Junge Fachkräfte profitieren

In Mecklenburg-Vorpommern waren laut Regionaldirektion Nord im September 62.408 Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren etwa 2.700 weniger als im Vormonat August. Die Arbeitslosenquote sank auf 7,6 Prozent. Sie liegt damit allerdings weiterhin deutlich über dem Vorjahresniveau. Im September 2019 betrug die Quote bei damals 53.150 Arbeitslosen 6,5 Prozent.

Vom Beschäftigungszuwachs profitierte nach den Worten von Agenturchefin Haupt-Koopmann vor allem die Gruppe der unter 20-Jährigen. Nach abgeschlossener Ausbildung werden junge Fachkräfte im Herbst von den Firmen oft fest angestellt.

Hamburg: Mehr Einstellungen - zurückgenommene Kündigungen

In Hamburg gab es Ende September 85.591 Menschen ohne Beschäftigung - das sind laut Arbeitsagentur 4.216 beziehungsweise 4,7 Prozent weniger als im August. Trotz dieses deutlichen Rückgangs im Monatsvergleich werden auch hier die Folgen der Corona-Krise im Vergleich zum Vorjahresmonat deutlich: Im September 2019 waren in der Hansestadt gut 20.000 Menschen weniger von Arbeitslosigkeit betroffen als jetzt - das entspricht fast 32,5 Prozent. Die Arbeitslosenquote ging im September im Vergleich zum Vormonat um 0,4 Punkte auf 8,0 Prozent zurück. Im September 2019 lag die Quote bei 6,1.

Grund für die leichte Belebung ist laut Arbeitsagentur-Chef Sönke Fock, dass Firmen fehlende Einstellungen jetzt nachholten. Außerdem hätten die Unternehmen angemeldete Kündigungen zurückgenommen. Die Zusage vom Staat für Kurzarbeitergeld soll dafür verantwortlich sein. Einen positiven Trend gibt es laut Statistik bei den jüngeren Frauen und Männern unter 25 Jahren und bei ausländischen Mitbürgern. Schlechtere Chancen auf einen neuen Job haben Langzeitarbeitslose.

 

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NDR Info | Aktuell | 30.09.2020 | 10:00 Uhr

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