Stand: 04.12.2020 11:00 Uhr

Corona: Wie viele Intensivbetten sind im Norden noch frei?

Mit steigenden Corona-Infektionszahlen wächst auch die Zahl der an Covid-19 erkrankten Menschen auf Intensivstationen in Norddeutschland. NDR.de bildet den aktuellen Stand der Auslastung in Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern ab.

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) schlüsselt in einem Register für ganz Deutschland auf, wie viele Intensivbetten belegt und wie viele noch frei sind. "Uns werden tagesaktuell ausschließlich Intensivbetten gemeldet, die auch betreibbar sind, zu denen es also auch die entsprechenden Geräte und das qualifizierte Personal gibt", sagte DIVI-Sprecher Torben Brinkema. Die teilnehmenden Krankenhäuser melden ihre Kapazitäten täglich, nachdem sie das Personal disponiert haben.

DIVI-Statistik: So viele Intensivbetten sind belegt

In der Statistik des DIVI-Melderegisters sind zwei Werte von zentralem Interesse: die Bettenauslastung der Intensivstationen insgesamt und die Belegung mit Corona-Patienten. Die folgende Tabelle stellt beide Indikatoren für Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern gegenüber. Zudem zeigt sie, wie viele der Betroffenen beatmet werden müssen. (Diese Spalte entfällt allerdings in der Handy-Darstellung)

Corona-Intensivpatienten mit und ohne Beatmung

Wie viele Covid-19-Patientinnen und Patienten werden in den fünf Nord-Ländern zusammengerechnet intensivmedizinisch behandelt? Die dunkelblaue Linie bildet im Verlauf der vergangenen Monate die Gesamtzahl aller Betroffenen ab, die hellblaue die schweren Fälle darunter, bei denen künstlich beatmet werden muss.

Viele Covid-19-Intensivpatienten in Hamburg und Bremen

Die nächste Grafik zeigt die Patientenzahl in den fünf Nord-Bundesländern im Zeitverlauf auf einen Blick. Um die Daten vergleichbar zu machen, sind sie auf 100.000 Einwohner bezogen. Die Kurven der Stadtstaaten Hamburg und Bremen liegen in der Regel höher als die der Flächenländer, dort gibt es also die meisten schweren Corona-Fälle im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung.

Gibt es mehr Corona-Infektionen, wächst mit zeitlichem Verzug auch die Zahl derjenigen, die auf der Intensivstation landen, erklärte Stefan Kluge, Direktor der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) im Gespräch mit NDR.de. "Wir wissen, dass die Zahl der Neuinfektionen sich circa nach zehn Tagen auf die Zahl der Intensivbetten auswirkt", sagte Kluge. "Ein Patient, der heute Symptome zeigt, hat ungefähr ein Risiko von zwei Prozent, dann auf der Intensivstation zu landen."

Landkreiskarte: Wo die Intensivstationen voll sind

Um zu erkennen, wo die intensivmedizinische Versorgung am ehesten an ihre Grenzen stößt, lohnt sich ein Blick auf unsere Landkreiskarte, die in Farbabstufungen zeigt, wie hoch der Anteil der belegten, betreibbaren Intensivbetten im jeweiligen Landkreis ist. Die Karte umfasst sowohl Covid-19-Fälle als auch andere Erkrankte.

Die hellste Farbstufe steht für eine Auslastung von bis zur Hälfte aller brauchbaren Betten, die dunkelste für 90 Prozent oder mehr. Eine Großstadt wie Hamburg hat allgemein deutlich mehr Intensivplätze als ländliche Regionen, so ist es erklärbar, dass die Färbung in Hamburg heller sein kann, obwohl dort in absoluten Zahlen wesentlich mehr Betroffene behandelt werden als in irgendeiner anderen norddeutschen Region.

Fährt man mit der Maus über die Landkreise, erfährt man auch, wie viele Covid-Patienten zurzeit in dem jeweiligen Landkreis auf Intensivstationen behandelt und wie viele von ihnen beatmet werden müssen. Es ist wichtig, dabei zu berücksichtigen, dass eine Intensivstation auch mit dem Behandeln anderer Patienten komplett ausgelastet sein kann.

Intensivbettenbelegung in Deutschland

Das Verhältnis aus Regelbetrieb und zusätzlichen Covid-Patienten kann darüber entscheiden, unter wie viel Druck die Intensivstationen in einer jeweiligen Region stehen. Die folgende Karte gibt einen Überblick über die Auslastung der Intensivstationen in ganz Deutschland.

Betten-Kapazitäten einzelner Krankenhäuser im Überblick

Die Daten im DIVI-Melderegister lassen sich noch genauer aufschlüsseln: Die folgende Karte zeigt, in welchen Krankenhäusern die Intensivstationen derzeit Kapazitäten haben (grün), wo diese eingeschränkt (gelb) oder ausgeschöpft (rot) sind. Wenn Sie mit dem Mauszeiger über die Punkte fahren, erscheinen weitere Details: der Name der jeweiligen Klinik sowie die Bettenverfügbarkeit in den drei Versorgungsstufen niedrig, hoch und ECMO.

Das ECMO-Verfahren kommt in besonders schweren Fällen zum Einsatz, wenn keine klassische Beatmung mehr möglich ist. Dabei wird das Blut unter Umgehung der Lunge über einen Katheter aus dem Körper gepumpt, mit Sauerstoff angereichert und zurückgeleitet. Wenn im Mouse-Over bei ECMO "keine Angabe" steht, so ist es wahrscheinlich, dass das Krankenhaus über diese Technik nicht verfügt.

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