Stand: 18.04.2019 13:35 Uhr

Wo der Norden autonom fährt

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Fünf dieser E-Golf fahren von nun an autonom durch Hamburg.

Volkswagen hat Anfang April 2019 ein Projekt vorgestellt, bei dem ab sofort fünf Elektro-Autos autonom in der Hamburger Innenstadt unterwegs sind. Der Konzern will so selbstständig fahrende Wagen in einer alltäglichen Umgebung testen. Damit das möglich wird, hat die Stadt Hamburg eigens begonnen neun Kilometer städtische Straßen mit entsprechender Infrastruktur aufzurüsten, beispielsweise die Ampeln auf der Strecke mit Kameras auszustatten. Hamburg ist damit die erste deutsche Ort, in der in größerem Maßstab der Einsatz selbstfahrender Autos erprobt wird - weitere Versuche und Gedankenspiele gibt es aber im ganzen Norden.

Niedersachsen plant 280 Kilometer lange Versuchsstrecke

In viel größerem Maßstab als Hamburg denkt Niedersachsen: 280 Kilometer Straße will das Land für Tests freigeben. Das "Testfeld Niedersachsen" soll sich über das Dreieck Hannover-Salzgitter-Braunschweig/Wolfsburg erstrecken. Ab Ende 2019 werden nach dem Willen des Landeswirtschaftsministeriums Hersteller auf sechs miteinander verbundenen Strecken Assistenzsysteme für Parken, Bremsen, Stau-Erkennung und Spurwechsel erproben können. Autofahrer sollen auf Schildern darauf hingewiesen werden, dass auf ihrer Strecke getestet wird. Beteiligt sind neben dem Land Niedersachsen unter anderem VW, Siemens und der ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt.

"Leonie" wird dann schon lange nicht mehr unterwegs sein. Der umgebaute VW Passat war von Forschern der TU Braunschweig bereits 2010 durch den örtlichen Stadtverkehr geschickt worden, während der Mann hinter dem Steuer demonstrativ seine Hände in die Luft streckte. Die Fahrt von "Leonie" gilt als weltweit erste Tour eines Autos, ohne dass ein Fahrer eingreifen musste.

Autonom fahrende Linienbusse

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Ein auf Sylt autonom fahrender Bus steht an einer Haltestelle.

Nicht nur Autos können das eigenständige Fahren lernen - für Busse gilt das genauso. In Keitum auf Sylt ist im April 2019 der Linienbetrieb eines autonom fahrenden Elektrobusses gestartet - immer mit einer eigens ausgebildeten Begleitperson an Bord. Die Strecke ist zunächst nur drei Kilometer lang und die Fahrt gratis. Theoretisch könnte der Bus mit elf Sitz- und vier Stehplätzen auf 45 km/h beschleunigen, tatsächlich fährt er in Keitum nie schneller als 25 km/h.

Ursprünglich hatte der reguläre Betrieb bereits Ende März beginnen sollen. Wegen Verzögerungen bei der Genehmigungserteilung durch das Land Schleswig-Holstein verschob sich der Starttermin auf den 18. April. Zudem wird in Lunden (Kreis Dithmarschen) derzeit eine Teststrecke für den Bus eingerichtet, den Projektverantwortlichen zufolge erwägen weitere Gemeinden im Land den Betrieb.

Zwei Bus-Projekte in Hamburg

Auch in Hamburg wird der Einsatz autonom fahrender Busse geplant. Noch in diesem Frühjahr will der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) Elektrobusse durch die Hafencity schicken - während der Probephase auch hier mit Begleitperson an Bord. Bis zu 16 Fahrgäste finden in den rund fünf Meter langen Fahrzeugen Platz, die eine Geschwindigkeit von bis zu 50 km/h erreichen. Bis zum Weltkongress für intelligente Verkehrssysteme im Herbst 2021 in Hamburg sollen die Kleinbusse auf der 3,6 Kilometer langen Strecke neun Haltestellen ansteuern - dann sogar ohne Begleitperson.

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Diese Computergrafik zeigt das Modell eines autonom fahrenden Kleinbusses.

Noch kleiner sind die Busse, die nach dem Willen der Verkehrsbehörde ab dem Jahr 2021 genau auf dem Rundkurs getestet werden, auf dem Volkswagen jetzt seine Wagen durch Hamburg fahren lässt. Der damalige Verkehrssenator Frank Horch (parteilos) hatte das Kleinbus-Projekt im Sommer 2018 angekündigt.

Viele selbstfahrende Autos im Silicon Valley

Vom "autonomen Fahren" wird gesprochen, wenn Kraftfahrzeuge sich durch nur geringes oder gar kein Zutun eines Fahrers bewegen. Die Bundesanstalt für Straßenwesen unterscheidet dabei fünf Autonomiestufen. Aber nicht alle Stufen sind bisher zugelassen. Gegenwärtig muss in einem Gefährt immer ein Mensch sitzen, der bereit ist, einzugreifen.

In den USA gehören vor allem im Silicon Valley selbstfahrende Autos im Stadtverkehr schon zum Alltag. In Kalifornien haben 62 Unternehmen die Erlaubnis, Roboterwagen auf öffentlichen Straßen zu testen. Dazu gehören aus Deutschland VW und Mercedes sowie die Zulieferer Bosch und Continental. 2016 kam es in den USA zu einem tödlichen Unfall eines Tesla-Autos, dessen Selbstfahrsystem mutmaßlich einen Lkw-Auflieger nicht als Gefahrenquelle identifiziert hatte. Bei weiteren Unfällen ist ungeklärt, ob das System aktiviert oder involviert war.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 Aktuell | 03.04.2019 | 13:00 Uhr

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