Stand: 14.02.2020 17:00 Uhr

Anwohnerparken: Städte wünschen höhere Gebühren

Von Michael Latz, NDR Info

Er ist keine Garantie, dass man auch tatsächlich einen Parkplatz findet - aber wer einen Anwohner-Parkausweis hat, darf sein Auto mit gutem Gewissen dort abstellen, wo Auswärtige ein Knöllchen riskieren. Höchstens 30 Euro kosten die Genehmigung pro Jahr - in manchen Städten sogar viel weniger. Einige Städte überlegen nun, höhere Gebühren zu verlangen. Damit weniger Autos im öffentlichen Raum herumstehen. Allerdings: Der Bundesrat lehnte am Freitag einen Antrag ab, wonach Kommunen für Anwohner-Parkausweise künftig bis zu 240 Euro verlangen können sollten.

"Hoher Parkdruck" - so nennen Verkehrsexperten das, was die Bewohner der Lüneburger Altstadt plagt. Zu wenige Parkplatz für zu viele Autos. Die mittelalterlichen Straßen im Zentrum sind einfach nicht ausgelegt für immer mehr Autos, sagt Joachim Bodendieck, der Leiter des Ordnungsamts. Eine höhere Gebühr für Anwohner-Parkplätze könnte letztendlich für mehr Platz im historischen Zentrum sorgen, hofft er. "Die könnten insoweit weiterhelfen, dass vielleicht die Motivation gefördert wird, als Anwohner in der Innenstadt eher auf das Auto zu verzichten, das Zweitauto vielleicht nicht anzuschaffen, sondern stattdessen ein Car-Sharing-Angebot wahrzunehmen oder auf den ÖPNV auszuweichen", sagte Bodendieck.

"240 Euro im Jahr sind vielleicht noch zu gering"

Rund 30 Euro pro Jahr kostet ein Anwohner-Pparkausweis bisher - wieviel die Lüneburger in Zukunft zahlen müssen, ist die Frage, die der Stadtrat klären muss. Joachim Bodendieck aber hält deutlich höhere Gebühren für nötig: "Wenn ich mir überlege, dass eine Monatskarte im Parkhaus zwischen 52 Euro und vielleicht 95 Euro im Monat kostet, dann sind 240 Euro im Jahr vielleicht noch gering. Da ist die Frage, ob das schon einen Anreiz darstellen könnte, auf ein Auto zu verzichten. Oder doch lieber einen privaten Stellplatz anzumieten anstatt sein Fahrzeug in den öffentlichen Straßenraum zu stellen."

Verwaltungskosten werden bisher nicht gedeckt

Für Berlin haben Forscher ausgerechnet, dass ein Parkplatz am Straßenrand die Stadt im Jahr rund 220 Euro kostet. Ein Vielfaches der Gebühr für einen Anwohner-Parkausweis. Die deckt bisher noch nicht einmal die Verwaltungskosten, kritisiert auch Thorsten Bullerdiek vom Städte- und Gemeindebund in Niedersachsen. "Man bezahlt damit ja keinen Parkplatz. Der Straßenraum, den man dort in Anspruch nimmt, ist viel teurer. Sondern man bezahlt eigentlich eine Verwaltungsgebühr und einen noch kleinen Obolus für Straßenreinigung, Unterhalt und Licht. Meiner Meinung nach ist da auch noch weiterer Spielraum, der bis zu 1.000 Euro im Jahr gehen kann."

Wie kann der Platz in Städten gerecht verteilt werden?

Für Mobilitätsforscherin Anne Klein-Hittpaß von der Denkfabrik Agora Verkehrswende steckt in der Gebühr für Anwohner-Parkplätze eine grundsätzliche Frage: Wie kann der knappe Platz in den Städten gerechter verteilt werden? "Wir haben ja auch noch Menschen in den Städten, die vielleicht in grünen Städten leben wollen, die vielleicht mit dem Rad fahren wollen oder zu Fuß gehen wollen, oder Ältere, die auf sichere Infrastrukturen angewiesen sind. Und im Moment wird der Großteil der innenstädtischen Flächen für den ruhenden Verkehr verramscht", erklärt Klein-Hittpaß.

Neues Konzept für Lübecker Altstadt

Diesen Gedanken greift auch Lübeck auf. Die Hansestadt hat ein Zukunftskonzept für die historische Altstadt entwickelt, das den Verkehr neu regeln soll. Noch prägen parkende Autos das Stadtbild - aber das soll sich ändern. Stadtsprecherin Nicole Dorel: "Diese öffentlichen Räume sind einfach viel zu wertvoll, als dass man sie nur für Fahrzeuge nutzt. Es ist wirklich unser Ziel, nicht die Mobilität der Anwohner in Frage zu stellen. Das soll natürlich erhalten bleiben. Aber man muss sich darüber Gedanken machen, wie man diese Mobilität gewährleisten kann. Und ob das immer der Parkplatz vor der Haustür sein muss, ist natürlich die andere Frage."

Das heißt: Parkplätze werden verschwinden, auch für die Anwohner. Lübeck verschafft sich Raum und Luft in der Innenstadt. "Das bedeutet im Umkehrschluss, dass wir natürlich Alternativen schaffen müssen." Gerade für die Anwohner in der Innenstadt müsse dann Parkraum am Stadtrand in Parkhäusern oder anderen Parkmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Amsterdam schafft viele Anwohner-Parkplätze ab

Was Lübeck im kleinen Maßstab ausprobiert, verfolgt Amsterdam übrigens im großen Stil. Die größte Stadt der Niederlande schafft in den kommenden fünf Jahren fast jeden zehnten Anwohner-Parkplatz ab - um mehr Platz für Grünflächen, Fahrrad-Stellplätze oder breitere Gehwege zu bekommen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 14.02.2020 | 07:48 Uhr

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