Stand: 28.09.2018 18:00 Uhr

Zoll inspiziert Abramowitschs Super-Jacht

Die Jacht "Eclipse" liegt derzeit im Hamburger Hafen.

Medienberichten zufolge soll die Super-Jacht "Eclipse" mit Militärwaffen ausgerüstet sein. Das rief nun den Hamburger Zoll auf den Plan, denn das Schiff liegt gerade bei Blohm + Voss im Trockendock.

Von Benedikt Strunz, NDR Info

Wer zu den reichsten Männern der Welt zählt, der benötigt eine möglichst ausgefallene Super-Jacht - um Freunde und Geschäftspartner einzuladen, einige freie Tage zu genießen, vor allem aber, um die Öffentlichkeit und insbesondere seinesgleichen zu beeindrucken. Im Falle des Multimilliardärs Roman Abramowitsch gilt dieses eherne Gesetz natürlich auch. Mit 160 Metern Länge zählt seine Luxusjacht "Eclipse" zu den größten Jachten der Welt - und wohl auch zu den teuersten: Ohne weitere Detailbauten soll das 2010 von Blohm + Voss fertiggestellte Schiff rund 340 Millionen Euro gekostet haben.

Luxus wohin das Auge blickt

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Das Schiff wurde in Hamburg bei Blohm + Voss fertiggestellt.

Bei solch einem Preis darf man natürlich auch ein bisschen Luxus erwarten. Und der findet sich an und unter Deck des weiß schimmernden Traumschiffs denn auch zuhauf, in dieser Frage sind sich zumindest alle einschlägigen Jacht- und Bootsmagazine und auch die bunten Rubriken honoriger Medien einig. Demnach soll das Schiff über einen 16-Meter-Pool, ein Kino, mit Krokodilleder bezogene Tische, eine Disco, 20 Jetskis, ein U-Boot, vier Motorboote und über mehrere Hubschrauberlande-Plätze verfügen. So heißt es zumindest in den Berichten, denn offiziell äußern sich weder die Betreiberfirma Kane Global Holding Ltd. noch Blohm + Voss über das Schiff. Abramowitsch verlange absolute Diskretion, heißt es.

Ein eigenes Raketenabwehrsystem?

Vielleicht sind ihm manche Gerüchte über sein Millionen-Schiff aber auch gar nicht so unrecht. Denn die Jacht wird landauf, landab nicht nur als besonders luxuriös, sondern auch als besonders sicher gepriesen. So soll die "Eclipse" Presseberichten zufolge über ein eigenes Anti-Paparazzi-System verfügen, mit dessen Hilfe neugierigen Fotografen ihre Arbeit schwer gemacht werden soll. Seit Jahren wird in unterschiedlichen Artikeln zudem behauptet, dass das Schiff über ein eigenes Raketenabwehrsystem verfügen soll. Einen entsprechenden Bericht hatte auch der "Guardian" veröffentlicht.

Und genau hier wird das Ganze brisant. Denn Raketenabwehrsysteme sind Militärtechnik, sie erkennen einen Raketenbeschuss und starten mit eigenen Raketen einen Abfangangriff. Derartige Waffen fallen somit unter das deutsche Kriegswaffenkontrollgesetz. Ihr Besitz ist genehmigungspflichtig. Eine entsprechende Genehmigung wurde der "Eclipse" aber niemals von deutscher Seite erteilt.

Schiff liegt bei Blohm + Voss

Seit einigen Tagen ist das Luxusschiff nun im Dock 11 von Blohm + Voss. Zu Renovierungsarbeiten, wie es etwas schmallippig heißt. Eine günstige Gelegenheit für den Hamburger Zoll. Denn der fackelte nicht lange und schickte am Donnerstagabend mehrere Beamte des Wasserzolls auf das Schiff. Immerhin bestand aufgrund der Presseberichte für den Zoll der Verdacht, dass Abramowitsch illegal Kriegswaffen nach Deutschland importiert hatte. "Wenn es um das Kriegswaffenkontrollgesetz geht, verstehen wir überhaupt keinen Spaß", heißt es von einem Beamten, der unmittelbar mit dem Vorgang zu tun hat. Da sei es auch völlig egal, wem so ein Schiff gehöre.

Zoll gibt Entwarnung

Allerdings gibt es vom Zoll Entwarnung. Nach NDR Informationen fanden sich auf der "Eclipse" weder ein Raketenabwehrsystem noch sonstige Waffen. Bei den zahlreichen Medienberichten zum Thema handelt es sich also offenbar um eine Ente.

Ob sich tatsächlich eine Disco, Tische mit Krokodilleder und ein 16-Meter-Swimmingpool an Bord der Jacht befinden, war indes nicht zu erfahren. Weder die Werft Blohm + Voss, noch Verantwortliche der "Eclipse" wollten sich zu dem Vorgang äußern. Übrigens, wer sich ein eigenes Bild der "Eclipse" machen möchte, hat dazu noch Gelegenheit. Das Schiff liegt wohl noch einige Tage im Trockendock 11 von Blohm + Voss, unmittelbar gegenüber des Hamburger Fischmarkts.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 29.09.2018 | 06:00 Uhr

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