Prof. Stefan Kluge. © NDR Foto: Screenshot

UKE-Mediziner Kluge spricht sich für harten Lockdown aus

Stand: 29.03.2021 18:39 Uhr

Der Leiter der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Stefan Kluge, plädiert im Gespräch mit dem Hamburg Journal im NDR Fernsehen für einen harten Lockdown.

Mit den bisherigen Maßnahmen bekomme man die steigende Zahl der Corona-Fälle nicht in den Griff, sagte Kluge am Montagabend. Der Anstieg werde jeden Tag schlimmer. Man müsse "Kontaktreduzierungen durchsetzen - und das geht anscheinend nur mit einem solchen Lockdown", meinte Kluge.

Tendenz: Corona-Patienten im Schnitt jünger

Prof. Stefan Kluge. © NDR Foto: Screenshot
Kluge warnt vor gefährlicher britischer Virusvariante.

Derzeit behandele das UKE 24 zum Teil schwer kranke Covid-19-Intensivpatientinnen- und patienten im Alter von 17 bis 79 Jahren. Das UKE habe etwa 140 Intensivbetten zur Verfügung. Wegen der Impfung der älteren Menschen in der Bevölkerung gebe es weniger ganz alte Corona-Patientinnen und -Patienten. Das Durchschnittsalter im UKE liege bei 56 Jahren, sagte Kluge. Die Tendenz, dass sich mehr Jüngere anstecken würden, setze sich fort. Jüngere Corona-Patientinnen und Patienten hätten eigentlich bessere Chancen, denn deren Ausgangssituation sei viel besser als bei Älteren. Es sei denn, es würden schwerste Vorerkrankungen vorliegen.

Britische Virusvariante "deutlich gefährlicher"

Die Neuaufnahmen haben laut Kluge die britische Virus-Mutante. "Wir wissen aus Großbritannien, dass die Liegezeiten eher länger sind und dass die Sterblichkeit höher ist", sagte Kluge. Diese Virusvariante sei "deutlich gefährlicher" als das ursprüngliche Virus.

Kluge erwartet mehr Intensivpatienten

Kluge gab zu bedenken: "Wenn wir auf die Bremse drücken - mit einem harten Lockdown - dann ist dieser Bremsweg mehrere Wochen lang." Derzeit sei die Zahl der Todesfälle relativ gering, aber sie werde mit Verzögerung steigen. Er erwarte in den kommenden Wochen deutlich mehr Intensivpatientinnen und - patienten in den Kliniken.

Laut Kluge stehen derzeit rund 550 Intensivbetten in Hamburg zur Verfügung, von denen knapp 100 von Covid-19-Patientinnen und -Patienten belegt werden. Falls deren Anteil deutlich steige, werde die Lage schwierig, denn man müsse Notfallbetten auch für andere dringende Fälle vorhalten.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 29.03.2021 | 19:30 Uhr

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