U5 in Hamburg soll klimaschonend gebaut werden

Stand: 13.09.2022 16:06 Uhr

Der Bau der neuen Hamburger U-Bahn-Linie 5 soll dank klimafreundlicher Bauverfahren mit rund einem Drittel der bei solchen Großprojekten üblichen CO2-Emissionen auskommen.

Der Bau der U5 solle "nicht nur im Betrieb, sondern auch beim Bau eine Vorreiterrolle einnehmen", erklärte Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) am Dienstag. Daher seien die CO2-Emissionen beim Bau erstmals zu einem wesentlichen Kriterium gemacht worden. "Gemeinsam mit den Partnern aus der Industrie sollen so die CO2-Emmissionen beim Bau um 70 Prozent gesenkt werden und während der Bauzeit pro Jahr durchschnittlich weniger als 0,4 Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes Hamburgs ausmachen."

CO2-reduzierte Baustoffe und optimierte Bauprozesse

Die neue U-Bahn-Linie soll aus Sicht der Hochbahn ein "Leuchtturmprojekt" für klimaschonenden Bau werden. Den Angaben zufolge entstehen beim U-Bahn-Bau vor allem durch den Einsatz von Stahl und Beton große Mengen des klimaschädlichen Gases CO2. Mit CO2-reduzierten Baustoffen und optimierten Bauprozessen sollen diese deutlich verringert werden. Davon verspricht sich die Hochbahn auch einen Schub für die Produktion CO2-armer Baustoffe. Hochbahn-Chef Henrik Falk: "Mit der klaren Ausrichtung der U5 auf eine klimaschonende Bauweise setzen wir ein deutliches Signal an die Industrie, dass es hier eine relevante Nachfrage nach entsprechenden Vorprodukten gibt."

U5-Strecke soll 24 Kilometer lang werden

Der Probebetrieb auf dem ersten, knapp sechs Kilometer langen Abschnitt U5-Ost ist für Ende 2027 geplant. Das gesamte U5-Projekt umfasst eine Strecke von rund 24 Kilometern. Sie soll von Bramfeld über Steilshoop und die City Nord zum Hauptbahnhof führen und von dort durch die Innenstadt über Universität und Uniklinik zu den Arenen im Volkspark. Die Stadt rechnet mit 270.000 Fahrgästen täglich.

Geteiltes Echo bei Umweltverbänden

Bei Umweltverbänden fiel das Echo auf die U5-Klimastrategie unterschiedlich aus. "Für eine klimaneutrale Zukunft brauchen wir einen gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr", sagte der Hamburger Nabu-Vorsitzende Malte Siegert. "Die Untersuchung zu den CO2-Einsparpotenzialen bei der U5 ist vorbildlich und eine Blaupause für andere Infrastruktur- und Bauprojekte." Dagegen befand der BUND, der Bau der U5 werde nicht klimaschonend. Der Verband stört sich unter anderem am Thema Zement. Die CO2-Abscheidung und -Verpressung bei den Zementherstellern sei noch nicht genug erforscht und es sei "nicht absehbar", wann diese Technik überhaupt zur Verfügung stehen würde. Auch die Verwendung von "grünem" Stahl, der mithilfe von Wasserstoff produziert werde, verbessere die CO2-Bilanz des U-Bahn-Baus nur auf dem Papier - jedenfalls solange für die Gewinnung des für die Stahlproduktion benötigten "grünen" Wasserstoffs nicht genügend Strom aus erneuerbaren Quellen verfügbar sei.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 13.09.2022 | 14:00 Uhr

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