Landwirte stehen mit ihren Traktoren während einer Demonstration gegen die mögliche Öffnung der Alten Süderelbe zur Tideelbe auf dem Jungfernstieg in Hamburg. © picture alliance / dpa Foto: Daniel Bockwoldt

Trecker-Demo in Hamburg gegen Öffnung der Alten Süderelbe

Stand: 21.04.2021 19:17 Uhr

Mit mehr als 50 Traktoren haben Landwirte und Landwirtinnen sowie andere Betroffene am Mittwoch gegen eine mögliche Öffnung der Alten Süderelbe zur Tideelbe demonstriert.

Die Route der Trecker-Demo führte von Neuenfelde über die Köhlbrandbrücke und die Hafencity bis zum Jungfernstieg. Die Protestierenden versammelten sich am Vormittag und fuhren dann in einer Kolonne Richtung Hamburger Rathaus. An der Abschlusskundgebung nahmen etwa 80 Personen teil. Anlass der Demo war die Beratung des Themas in der Hamburgischen Bürgerschaft.

Im vergangenen Jahr hatten Fachleute vorgeschlagen, den früheren Elbarm wieder an die Tideelbe anzuschließen. Damit soll erreicht werden, dass die Fluten insgesamt nicht mehr so hoch auflaufen. "Nicht mit uns" oder "Keine Öffnung" war auf Plakaten an den Traktoren zu lesen. Die Demonstration habe für den Verkehr nur zu leichten Beeinträchtigungen geführt, sagte eine Polizeisprecherin.

28.000 Unterschriften gesammelt

Umweltschützer und Umweltschützerinnen befürchten, dass mehr als 100 Hektar Natur zerstört werden. Und Obstbauern und -bäuerinnen rechnen damit, dass der Wasserspiegel südlich der Elbe steigt. Das Aktionsbündnis Alte Süderelbe sammelte in den vergangenen Monaten rund 28.000 Unterschriften und übergab sie am Mittwoch dem Vizepräsidenten der Hamburgischen Bürgerschaft, André Trepoll (CDU).

CDU fordert Aus für Öffnungspläne - Antrag gescheitert

Am Nachmittag scheiterte die CDU in der Bürgerschaft mit dem Antrag, alle Überlegungen zu einer möglichen Öffnung der Alten Süderelbe sofort zu stoppen. Er wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Trepoll hatte ihn zuvor mit der drohenden Zerstörung eines Naturparadieses in dem alten, seit Jahrzehnten vom Strom abgetrennten Flussarm, dem Hochwasserschutz und den Auswirkungen für die Obstbauern bei der Bewässerung im Alten Land begründet.

SPD: Maßnahmen werden untersucht

SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf warf Trepoll vor, ein Problem an die Wand zu malen, das es derzeit gar nicht gebe. "Der Senat plant keine Öffnung der Alten Süderelbe", sagte er. Seit 2016 untersuchten die Länder Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen sowie der Bund in dem aus 50 Institutionen bestehenden Forum Tideelbe, wie der Tidenhub im Strom gemildert und eine Verschlickung verhindert werden kann. Wenn überhaupt könnten nur zwei der geprüften Maßnahmen theoretisch einen positiven Einfluss haben: Die Öffnung der Alten Süderelbe und der Haseldorfer Marsch. Um diese Maßnahmen verlässlich bewerten zu können, seien aber weitere Prüfungen erforderlich. Es gebe ganz viele offene Fragen, die noch mit allen Beteiligten zu klären seien, sagte Kienscherf.

Grüne: Mehrfache Elbvertiefung das Problem

Das Problem sei die mehrfache Elbvertiefung, erklärte die Umweltexpertin der Grünen, Ulrike Sparr. Nun spüle die Flut mehr Sediment in den Hafen, als die Ebbe wieder mitnehme. Deshalb seien Maßnahmen erforderlich. "Nur tun Sie so, als sei die Entscheidung schon gefallen", sagte Sparr an die Adresse von Trepoll. Dieser warf wiederum den Regierungsfraktionen vor, "nur so zu tun, als ob das alles unverbindliche Prüfungen wären."

Linke: CDU hat sich in Sackgasse manövriert

Der CDU-Antrag sei "ein klares Zeichen dafür, wie man sich in Sackgasse manövrieren kann", sagte der Umweltexperte der Linken, Stephan Jersch. Schließlich habe die CDU jeder Elbvertiefung zugestimmt. Auch eine Öffnung der Alten Süderelbe sei keine nachhaltige Lösung. "Wenn es hier um drei Zentimeter Tidenhub geht, ist das nur ein Notpflaster für das, was man der Elbe angetan hat."

AfD: Bürger sollen Versuchskaninchen werden

Die AfD stellte sich an die Seite der Protestbewegung im Süderelbe-Raum. "70.000 Bürger dort sollen nun Versuchskaninchen für ein weiteres grünes Utopia werden", sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Alexander Wolf. Das Alte Land müsse geschützt werden, es gehe um landwirtschaftliche Existenzen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 21.04.2021 | 20:00 Uhr

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