Stand: 15.10.2018 19:51 Uhr

Terrorhelfer Motassadeq nach Marokko abgeschoben

Nach knapp 15 Jahren Haft ist der Terrorhelfer Mounir el Motassadeq am Montag in sein Heimatland Marokko abgeschoben worden. Schwer bewaffnete Polizisten holten ihn am Mittag mit einem Hubschrauber aus der Hamburger Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel ab. Der 44-Jährige wurde zunächst zum Helmut-Schmidt-Airport und später nach Frankfurt gebracht. Wie ein Sprecher der Bundespolizei erklärte, bestieg Motassadeq dort die Maschine einer marokkanischen Fluggesellschaft. Das Flugzeug verließ den Angaben zufolge den Airport um kurz vor 18 Uhr mit Ziel Casablanca. An Bord waren auch Bundespolizisten.

Grote: "Schlussstrich für Hamburg unter dieses Kapitel"

"Es ist ein gutes Gefühl, Herrn Motassadeq außer Landes zu wissen und damit für Hamburg einen Schlussstrich unter dieses Kapitel ziehen zu können", sagte Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD). "Ich bedanke mich bei allen beteiligten Dienststellen - auch des Bundes - für die professionelle und erfolgreiche Arbeit in diesem anspruchsvollen Verfahren."

Gefesselt und mit Augenbinde

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Der gefesselte Motassadeq wird von Polizisten zu einem Transporthubschrauber gebracht.

Motassadeq wurde zunächst mit einem Polizeihubschrauber von der Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel zum Geschäftsfliegerzentrum des Hamburger Flughafens gebracht. Dort standen schwer bewaffnete und vermummte Bundespolizisten sowie Scharfschützen bereit. Der 44-Jährige war gefesselt und hatte eine Augenbinde um. Zudem trug er einen Kopfhörer. Die Polizisten brachten Motassadeq zu einem Transporthubschrauber der Bundespolizei, der ihn nach Frankfurt flog. Von dort ging es weiter nach Marokko, wo auch Motassadeqs Familie lebt.

Mitglied der "Hamburger Zelle"

Motassadeq hatte in der Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel eine 15-jährige Freiheitsstrafe wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 246 Fällen und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung abgesessen. Er war Mitglied der sogenannten Hamburger Zelle um den Todespiloten Mohammed Atta, der am 11. September 2001 eines der Flugzeuge in das New Yorker World Trade Center gesteuert hatte. Der Hamburger Gruppe gehörten noch zwei weitere der insgesamt vier 9/11-Terrorpiloten und neben Motassadeq noch mindestens fünf Unterstützer an.

Komplizierte Abschiebung

Motassadeqs reguläre Haftzeit wäre im November abgelaufen. Eine Abschiebung war rechtlich aber schon jetzt möglich. Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums hatte kürzlich erklärt, dass Abschiebungen dieser Art immer in enger Abstimmung zwischen Landes- und Bundesbehörden geplant würden. Rückführungen nach Marokko seien etwas komplizierter, weil das nordafrikanische Land keine Charterflüge bei Abschiebungen zulasse. Ein Sprecher der Hamburger Innenbehörde sagte am Montag dazu, alle hierfür erforderlichen Vorbereitungen seien planmäßig getroffen worden.

Rückkehr frühestens mit 90 Jahren

Nach seiner Abschiebung nach Marokko darf Motassadeq bis zu seinem 90. Geburtstag nicht wieder nach Deutschland einreisen. Er habe ein auf den 3. April 2064 datiertes Einreise- und Aufenthaltsverbot erhalten, hatte der Hamburger Senat kürzlich erklärt.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 15.10.2018 | 20:00 Uhr

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