Visualisierung der neuen Sternbrücke in Hamburg Altona. Eine stützenfreie Stabbogenkonstruktion soll die fast 100 Jahre alte Brücke ersetzen und die für den Schienenverkehr im Norden zentrale Gleisverbindung langfristig sichern. © Vössing Ingenieurgesellschaft mbH

Sternbrücke: Kritik an Entscheidung des Hamburger Senats

Stand: 04.11.2020 19:51 Uhr

Der Hamburger Senat will die marode Sternbrücke in Altona abreißen und durch einen riesigen Neubau ersetzen. Es gibt massive Kritik an der Entscheidung.

Die Umsetzung der von der Deutschen Bahn favorisierten Variante einer 108 Meter langen und mehr als 20 Meter hohen stützenfreien Brücke sei überdimensioniert und "mit Blick auf Kultur, Städtebau, Stadtentwicklung und urbanes Leben ein Desaster", teilte die Initiative Sternbrücke am Mittwoch mit. Klagen gegen die Pläne seien in Vorbereitung. Kritik kam auch von der Opposition und der Architektenkammer.

Tjarks: Alte Brücke "Hemmschuh für Mobilitätswende"

Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) hatte die Entscheidung des Senats für die Bogenbrücke am Dienstag mit verkehrlichen Notwendigkeiten begründet. Die aktuelle Sternbrücke sei "ein Hemmschuh für die Mobilitätswende", sagt er. "Der Platz unter der Brücke ist sehr stark begrenzt, was dazu führt, dass es keinen Radweg an der Stresemannstraße gibt, die Fußwege äußerst bescheiden und die Wartebereiche für die Bus-Kunden inakzeptabel sind."

Die Initiative Sternbrücke wies die Argumente des Senators zurück. Fachleute hätten noch vor wenigen Wochen bestätigt, "dass die Sanierung für die Stadt die kostengünstigste Lösung wäre".

CDU und Linke kritisieren Entscheidung des Senats

Die CDU warf dem rot-grünen Senat vor, mit dem Neubau sehenden Auges ein Stadtquartier zu ruinieren. Die Kollateralschäden beim Bau seien enorm, sagte die Stadtentwicklungsexpertin der Fraktion, Anke Frieling. "Eine Reihe von Häusern muss abgerissen werden, Menschen müssen umziehen, Clubs, Restaurants und Geschäfte brauchen neue Räume." Die verkehrspolitische Sprecherin der Fraktion der Linken, Heike Sudmann, sprach von einer "Monsterbrücke". Sie werde zum Symbol für die "Nicht-Bürgerbeteiligung" in Hamburg.

Bei einem Projekt dieser Bedeutung sei maximale Transparenz unerlässlich, sagte die Präsidentin der Hamburger Architektenkammer, Karin Loosen. "Entscheidungsgrundlage dürfen dabei nicht nur verkehrliche, sondern müssen auch städtebauliche, freiräumliche und architektonische Kriterien sein." Sie verlangt einen Architekten-Wettbewerb.

Deutsche Bahn erfreut

Die Deutsche Bahn zeigte sich dagegen erfreut über die Entscheidung des Senats. Die Sternbrücke sei für die Mobilität in Hamburg und weit darüber hinaus wichtig, sagte Manuela Herbort, DB-Konzernbevollmächtigte für Hamburg und Schleswig-Holstein. "Rund 900 Züge fahren auf der Verbindungsbahn täglich über diese Brücke, die bereits seit 1926 ihren Auftrag erfüllt. Nun muss sie dringend auf die aktuellen und zukünftigen Verkehre ausgerichtet werden."

Ende des Monats würden die Planunterlagen im Rahmen des Anhörungsverfahrens öffentlich ausgelegt, kündigte Herbort an. "Um dabei allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit zu geben, mehr über unser Vorhaben und die öffentliche Beteiligung zu erfahren, planen wir darüber hinaus für den 26. November 2020 eine digitale Informationsveranstaltung."

Online-Petition für Erhalt der bestehenden Sternbrücke

Mehr als 5.100 Hamburgerinnen und Hamburger haben bis zum Mittwochabend eine Online-Petition gegen die neue Brücke unterschrieben, darunter auch Schauspielerin Nina Petri und Regisseur Fatih Akin. Darin schreibt die Initiative Sternbrücke, Senat und Deutsche Bahn müssten endlich die Anwohnerinnen und Anwohner an der Planung beteiligen.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 04.11.2020 | 17:00 Uhr

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